Polizei nimmt zwei Männer fest

Ecclestones entführte Schwiegermutter ist wieder frei

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Bernie Ecclestone.

São Paulo - Die entführte Schwiegermutter des britischen Formel-1-Chefs Bernie Ecclestone (85) ist im brasilianischen São Paulo von der Polizei befreit worden.

Die Erleichterung steht Aparecida Schunck Flosi ins Gesicht geschrieben, als sie um 21.40 Uhr in eine Sonderabteilung der Polizei in São Paulo gebracht wird. Gezeichnet von den Strapazen umarmt sie Familienangehörige, wie auf einem Video zu sehen ist. Nach neun Tagen Gefangenschaft ist die Schwiegermutter von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone wieder frei.

Unverletzt und ohne dass die geforderten 120 Millionen Reais, umgerechnet 33 Millionen Euro, Lösegeld gezahlt wurden - eine Rekordforderung für Brasilien, wo kriminelle Banden viel Geld mit Entführungen machen.

„Ich verlange nur, dass die Verbrecher niemanden mehr in São Paulo entführen, dass sie ins Gefängnis kommen“, sagt Aparecida Schunck. Eine Anti-Entführungseinheit hatte sie gefesselt in einem Haus in der Stadt Cotia im Großraum São Paulo aufgespürt und befreit.

Auf die Spur war man den Tätern unter anderem durch Videoaufnahmen nahe ihres Hauses gekommen, die die Täter in ihrem Wagen zeigen. Am 22. Juli wurde Schunck Flosi zu Hause entführt. Die Entführer hatten sich als Paketboten ausgegeben und an der Tür geklingelt. Mit ihren 67 Jahren ist sie 18 Jahre jünger als ihr 85-jähriger Schwiegersohn. 2012 hatte er Schuncks Tochter Fabiana Flosi geheiratet, sie ist 38. Zuvor war er fast 25 Jahre mit dem früheren jugoslawischen Model Slavica Radic (58) verheiratet.

Die Polizei in Brasilien hatte Ecclestone örtlichen Medienberichten zufolge geraten, in Europa zu bleiben und sich nicht in die Verhandlungen mit den Kidnappern einzuschalten. Wie die BBC berichtet, hatte er angeboten, nach Brasilien zu kommen, „um bei den Ermittlungen zu helfen“. Zudem wollte er eine private Sicherheitsfirma einschalten. Doch die Polizei warnte, seine Anwesenheit könne mehr schaden als nutzen.

Die Do-it-yourself-Mentalität ist typisch für den 85-Jährigen, der sich vom Gebrauchtwagenhändler zu einem der mächtigsten Sportfunktionäre hochgearbeitet hat. Seit den siebziger Jahren ist der Brite das Gesicht der Formel 1. Und trotz Versuchen, seine Macht zu begrenzen, kommt an Ecclestone noch immer niemand vorbei. Das US-Magazin Forbes schätzt sein Vermögen auf 3,1 Milliarden US-Dollar (2,8 Mrd Euro).

Legendär ist, wie Ecclestone auf einen Raubüberfall auf sich und Flosi im Herbst 2010 in London reagierte. Vor seinem Haus in der Nähe des Londoner Hyde Parks wurde er von mehreren Angreifern mit Schlägen und Tritten traktiert. Die Räuber nahmen dem Paar Schmuck im Wert von mehreren hunderttausend Euro ab. Ecclestone trug ein blaues Auge davon. Kurz darauf gab es ein Porträtfoto von ihm mit dem Veilchen als Plakatwerbung. „Schaut, was Leute für eine Hublot tun“, wurde Ecclestone auf dem Werbeplakat zitiert, das ihn mit einem Bluterguss über dem rechten Auge zeigte.

Die Entführung wirft kurz vor der Eröffnung der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro auch ein Schlaglicht auf die prekäre Sicherheitslage im fünftgrößten Land der Welt. 85 000 Sicherheitskräfte, darunter 38 000 Militärs sollen die Spiele schützen - und Entführungen von Sportlern verhindern. Überall patrouillieren Soldaten mit schweren Waffen.

Gerade viel Geld macht das Leben in Brasilien gefährlich. So lebt der reichste Brasilianer, Bierkönig Jorge Lemann, schon lange in der Schweiz. 1999 hatten auch in São Paulo Kidnapper versucht, drei seiner fünf Kinder auf dem Weg zur Schule zu entführen, kurz danach zog er weg. Er pendelt seither von der Schweiz nach Brasilien und in die USA. Er steht hinter dem größten Bierkonzern der Welt, Anheuser-Busch Inbev, der vor der Übernahme der globalen Nummer 2, SABMiller steht. Dann würde Lemann ein Drittel des Biermarktes dominieren.

Für den früheren Bayern-München-Spieler Zé Roberto (42), der heute bei Palmeiras in São Paulo spielt, bedeutet die Lage auch weniger Lebensqualität. „Hier kann man nur in bewachten Komplexen wohnen und sich nicht so frei bewegen“, sagt er über sein Leben in São Paulo. Die Angst sei ständiger Begleiter. „Das ist in Deutschland anders.“

dpa

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