Gunter Sachs: Ein Leben für die Schönheit

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Gunter Sachs mit seiner damaligen Frau Brigitte Bardot im Jahr 1966

Gstaad - Heiße Liebe auf einem rasend schnellen Motorboot, gepaart mit Todessehnsucht: Gunter Sachs war ein Mann der Extreme. Er liebte die schönsten Frauen der damaligen Zeit und kämpfte ein Leben lang mit Depressionen. Ein Nachruf:

Seine Leidenschaft hätte Gunter Sachs schon vor über 40 Jahren das Leben kosten können. Beim nächtlichen Liebesakt mit Brigitte Bardot auf einem rasend schnellen Motorboot vor der Küste der Côte d’Azur wollte er spüren, was es heißt, vor Liebe zu vergehen – „mourir d’amour“ wie Sachs in seiner Autobiographie „Mein Leben“ schrieb. „Unsere Bedenken flogen in die Sommernacht. Vielleicht ersehnten wir den Tod sogar“, erinnerte sich Sachs später. Und ja, das war seine Vorstellung von einem glücklichen Tod. Es war die Vorstellung eines Menschen, der das Leben innig liebte, es umarmen wollte, aus Angst, eine Sekunde des köstlichen Daseins zu vergeuden.

Er hielt das Leben fest in seinen Fotografien, in seinen Filmen, er suchte es auf den wilden Partys in St.Tropez, in den Armen der sinnlichen Frauen und zuletzt in den Sternen als Astrologieforscher. Mit dem Etikett „Playboy“ hatte er sich längst arrangiert, das gehörte zu ihm, wie das lässig offene Hemd, der weiße Schal und seine Ehefrau Mirja, mit der er 42 Jahre verheiratet war. Und der er wohl auch treu war.

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„Nie wurde ich fotografiert, wenn ich morgens mit der Aktentasche ins Büro ging“, beklagte er sich einmal in einem Interview. Das wollte die Welt auch nicht sehen. Dabei war Sachs eben beides: Der umsichtige Firmen-Vorsitzende, der den väterlichen Betrieb wirtschaftlich leitete – und der gut aussehende, verrückt-romantische Jet-Set-Typ, der für die schönste Frau der Welt aus einem Helikopter über ihrer Villa in Saint- Tropez rote Rosen regnen ließ. Gunter Sachs eroberte damit die Göttin Brigitte Bardot – spontan, hitzig, unvergesslich: „Uns war wohl klar, dass unsere Amour nicht bis in alle Ewigkeit dauern würde. Aber jetzt war es einfach so. Sie war da – und ich war da“, sagte er einst dem Magazin „Spiegel“.

Einen kühlen Kopf bewahrte er dagegen in seiner Arbeit. Gunter Sachs bediente sich nicht nur am väterlichen Erfolg und Vermögen, wie viele glauben wollten. Er war nicht nur der reiche und schon gar nicht verwöhnte Sohn. Er musste und sollte auch etwas leisten in seinem Leben.

Gunter Sachs: Bilder aus seinem Leben

Gunter Sachs: Bilder aus seinem Leben

Fritz Gunter Sachs, geboren am 14. November 1932 auf Schloss Mainberg in der Nähe von Schweinfurt, wurde zur standesgemäßen Erziehung in die Schweiz, an den Genfer See geschickt. Während sein Vater Willy Sachs, Alleininhaber des Sachs- Konzerns, aufgrund seiner NSDAP-Mitgliedschaft gute Geschäfte machte, rauschende Feste gab und mit Hermann Göring auf die Jagd ging, wuchs Gunter unter den Augen seiner Mutter Eleonore von Opel auf. Die junge Mutter aus der berühmten Autodynastie floh 1935 vor den Nazis mitsamt den beiden Kindern Gunter und Ernst Wilhelm in die vermeintlich sichere Schweiz. Doch „Gunti“ und „Butzi“ wie sie die beiden liebevoll nannte, musste sie erst einmal ins Waisenhaus geben. Von Opel zeigte man an – wegen Kindesentführung, das Sorgerecht erstritt sich zuerst der Vater. Erst nach Monaten durfte von Opel ihre beiden Kinder wieder abholen.

Gunter Sachs’ Verhältnis zu seinem Vater „war eigentlich gar keines“, sagte er einmal. Vielleicht zehn, zwölf Mal habe er ihn in seinem Leben gesehen. „Er dachte nur an Fabrik und Jagd.“ Als sich Willy Sachs 1958 in seiner Jagdhütte das Leben nahm, wurde dem Sohn zum ersten Mal bewusst, wie sehr sein Vater unter Depressionen litt.

Er liebte die schönsten Frauen der damaligen Zeit

Eine Krankheit, die auch den Lebemann Sachs scheinbar nicht loslassen sollte. Depressionen – darüber redete er nie, schon gar nicht in der Öffentlichkeit. „Er war immer mal wieder deswegen in Haar zur Behandlung“, wissen gute Freunde. Vielleicht waren es auch die Schicksalsschläge, die Sachs immer wieder verzweifeln ließen. Seine erste Ehefrau Anne-Marie Faure, gleichzeitig auch die Mutter seines Sohnes Rolf, starb nach einem tragischen Unfall im Krankenhaus an einem Narkosefehler. Dabei war Sachs selbst noch sehr jung, studierte Mathematik und Betriebswirtschaftslehre und war plötzlich Witwer und junger Vater mit Verantwortung.

An Geld mangelte es nicht, Gunter übernahm zusammen mit seinem Bruder die Firma. Bis 1976 leiten sie erfolgreich den Sachs-Konzern. In dieser Zeit wird aus dem Industriellen-Sohn der begehrte Playboy. „Ich hatte zwischen den beiden Leben immer noch Zeit für eine Cocktailparty“, scherzte Sachs. „Ich habe mich um Mädchen und um meine Fabrik gekümmert. Das eine schließt das andere nicht aus“, sagte er 2004 in einem großen Interview mit der tz. Die fünf Wochen, die er im Jahr in Saint-Tropez verbrachte, und in denen er bereits um fünf Uhr morgens mit der Firma telefonierte, wurden in den Illustrierten zum Champagner-Dauerurlaub gemacht.

Er liebte die schönsten Frauen der damaligen Zeit: Mit der persischen Ex-Kaiserin Soraya hatte er eine Affäre, die göttliche BB mit dem Schmollmund, Brigitte Bardot, heiratete er 1966 spektakulär in Las Vegas. Doch erst mit dem schwedischen Model Mirja Larsson fand er für den Rest seines Lebens sein großes Glück. Mit ihr bekam er noch zwei Söhne: Claus Alexander Halifax und Christian Gunnar, genannt CriCri. Sachs war stolz auf seine Söhne, stolz, dass sie alle liebevolle Menschen geworden sind.

Die Liebe – Gunter Sachs hat sie wirklich gelebt. Nicht nur mit seinen Aufsehen erregenden Affären. Nein, Gunter Sachs hat auch die Liebe so gegeben, wie er seinem Geld umgegangen ist: großzügig und absolut bedingungslos.

Reaktionen zum Tod von Gunter Sachs

Uschi Siebert konnte die Nachricht zuerst gar nicht begreifen. Als tz-Reporter die langjährige und sehr gute Freundin von Gunter Sachs auf dem Handy erreichten, musste die einstige Schauspielerin und Kulenkampff-Assistentin („Einer wird gewinnen“) das Gespräch erst einmal unterbrechen. Ihre Stimme ist tränenerstickt, sie ist „zutiefst geschockt“. „Ich kenne Gunter seit Ende der 60er-Jahre, was haben wir nicht alles zusammen erlebt! 27 Jahre leitete ich den Dracula-Club in St. Moritz, den Gunter aufgebaut hat. Im Jahr 2000 habe ich aufgehört, ich hatte einen Schlaganfall, konnte mich plötzlich nicht mehr bewegen. Gunter war da, er hat mir geholfen, dass ich zu den besten Ärzten komme. Er ist, er war ein herzensguter Mensch, er hat jedem seiner Freunde selbstverständlich geholfen. Er hat so viel für andere getan und nie darüber ein Wort verloren, ganz im Gegenteil, er wollte nicht, dass sein Engagement, auch für Wohltätigkeitsorganisationen, öffentlich wird. Zuletzt habe ich ihn vor einem Jahr gesehen, aber wir haben oft telefoniert, waren immer in Kontakt. Ich kann es einfach nicht glauben.“ foto: Schneider-press

Mit Hermann Rauch war Gunter Sachs seit Ende der 60er-Jahre befreundet. „Wir haben gemeinsam ganz Europa bereist“, erinnert sich Rauch, der Bruder von Schauspieler Siegfried Rauch. „Gunter war ein fantastischer Mensch. Er war immer liebevoll und ausgeglichen. Ich habe ihn nur ein einziges Mal wirklich schimpfen hören. Er war ein bescheidener Mensch, der sich sehr um seine Freunde gekümmert hat. Sein Budget für seine Freunde war größer, als sein eigenes, gestand er einmal. Er war auch kein Society-Hai, das war alles Schmarrn, was in den Zeitungen stand. Gesundheitlich ging es ihm wohl nicht so gut in letzter Zeit. Nach dieser schrecklichen Nachricht fallen mir jetzt auch wieder seine Worte ein, die er einmal zu mir übers Sterben gesagt hat: ,Sollte ich einmal sehr krank werden, dann richte ich es so ein, dass ich kein Pflegefall werde‘. Jetzt war es wohl so weit..."

Von Maria Zsolnay

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