Hannelore Elsner spielt nur noch Charakterköpfe

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Die Schauspielerin Hannelore Elsner spielt demnächst die Mutter von Rapper Bushido.

Eching am Ammersee - Fotos gibt es nur, wenn das Licht stimmt. Und die üblichen Interview-Fragen gehen ihr auch mal richtig auf die Nerven. Hannelore Elsner hat ihren eigenen Kopf.

Den kann sich die 67-Jährige auch leisten, denn seit Jahren behauptet sie sich in der obersten Riege deutscher Schauspielerinnen. Ihre Rollen kann sie sich aussuchen - und außer Charakterköpfen möchte sie nichts mehr spielen. “Ich möchte Frauen spielen, die neugierig sind“, sagt Elsner. Gerade hat sie am Ammersee die Dreharbeiten für einen Fernsehfilm des Bayerischen Rundfunks (BR) abgeschlossen. Gleichzeitig startete die Arbeit am neuen Bernd-Eichinger-Film, in dem Elsner die Mutter von Skandal-Rapper Bushido spielt.

In den vergangenen Wochen allerdings schlüpfte sie in die Rolle einer Frau, die sie selber nie hätte sein wollen, die vieles verkörpert, was Elsner völlig zuwider ist. In der BR-Produktion “Alles Liebe“ spielt sie eine Mutter, die von ihren drei erwachsenen Kindern zum Geburtstag in das alte Sommerhaus am Ammersee eingeladen wird. Alte Konflikte brechen auf, die Hass-Liebe zwischen Mutter Irma und den Kindern wird sichtbar. Gesendet wird der Film im nächsten Jahr in der ARD.

“Ich mochte die Irma am Anfang überhaupt nicht. Ich mochte überhaupt nicht da in diese Mutter hinein“, sagt Elsner. “Ich dachte: Oh Gott. Und irgendwie tut sie mir auch was an. Sie macht mich irgendwie so betrübt, so traurig, ein bisschen melancholisch.“ Irma ist eine unglückliche Frau, eine Frau, die vom Leben nicht das bekommen hat, was sie wollte. Und es sich auch nicht geholt hat: Wegen ihrer drei Kinder blieb sie beim Vater, den sie nie geliebt hat, bis dieser starb.

Jetzt, an ihrem 65. Geburtstag, hat Irma selber keinerlei Lust, auf ihr Leben zurückzuschauen. Sie kann sich selbst nicht leiden. Die Kinder versuchen, ihr aus dem Weg zu gehen. Bei der Feier im alten Sommerhaus allerdings brechen alle Mauern der zurückgehaltenen Gefühle. Egal, wie unsympathisch ihr die verbitterte Frau war, sie wollte sie auf den Bildschirm bringen, sagt Elsner. “Ich denke, dass die Menschen, die diesen Film sehen, sich manchmal selber erkennen können.“

Wie sie selber zur Familie steht - darüber spricht Elsner eher zurückhaltend. Rückschlüsse von ihren Filmrollen auf ihr Privatleben findet sie unpassend. Allerdings sagt sie, dass sie selber Geburtstage liebt. Und dass Familienleben auch eine Menge Arbeit macht. Was den Figuren im Film passiert, könnte jedem Menschen passieren, kommt überall vor, meint sie. “Man sollte ein bisschen wachsam sein. Man ist ja viel zu unaufmerksam. Es ist diese latente Unaufmerksamkeit, die einem das Leben so schwer macht.

Dass man nicht aufpasst, was man sagt. Dass man nicht wirklich überlegt, dass man immer nur von sich ausgeht. Dass man sich überhaupt nicht richtig kennt, wahrscheinlich auch gar nicht kennenlernen möchte. Das finde ich auch so merkwürdig, was da in Familien oft passiert: Dass man sich gar nicht so genau kennen möchte. Jeden wildfremden Menschen möchte man dauernd kennenlernen. Aber die eigene Familie eigentlich nicht.“

Den Film hat sie auch gemacht, um Leute wachzurütteln: “Alle können damit in den Spiegel schauen.“ Ihre nächste Mutterrolle wird eine ganz andere sein: Bushido war vor seiner Musikerkarriere Drogendealer, Schulabbrecher und sicher kein einfacher Sohn. In welche Rollen Elsner danach schlüpft, bleibt erst einmal offen. Angebote gibt es genug. Und Elsner sucht sorgfältig aus.

dpa

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