18-Jähriger vor Gericht

18-Jähriger gesteht exhibitionistische Tat und zeigt sich einsichtig

Frankenberger Land. Ein 18-Jähriger aus dem Kreis Waldeck-Frankenberg hat sich Dienstag vor dem Amtsgericht Frankenberg verantworten müssen. Ihm wurde vorgeworfen, sich am 4. August 2013 im Feriendorf Frankenau vor einer niederländischen Touristin entblößt und das sichtbare Glied mit der Hand angefasst zu haben.

Die Frau war mit ihren beiden Kleinkindern unterwegs, die Kinder haben die Tat des Mannes aber offenbar nicht mitbekommen. Laut eigener Aussage war der junge Mann beim Joggen zufällig auf die Frau gestoßen und hatte spontan gehandelt. „Ich war da in der Nähe und dann hat sich das so ergeben“, sagte er. Er könne sich seine Tat selbst nicht erklären und es tue ihm leid. Sein Anwalt fügte hinzu, dass es sich bei der Tat um einen „einmaligen Ausraster“ handelte.

Auf die Frage der Staatsanwaltschaft, wie er sich im Anschluss an die Tat verhalten habe, antwortete der Angeklagte, dass er sich selbst in therapeutische Behandlung begeben habe. Sein Verteidiger ergänzte: „Die Verhaltenstherapie bestand aus fünf Sitzungen, in denen sich mein Mandant nach Angaben des Psychotherapeuten konstruktiv beteiligt und fortschrittlich entwickelt hat.“

Mitarbeiter der Jugendgerichtshilfe bestätigten die Aussage des Verteidigers und kamen zu dem Schluss: „Er gilt nicht als Gefährdung für seine Umwelt.“ Die Jugendgerichtshilfe bestätigte ebenfalls den positiven Verlauf der Therapie und wies darauf hin, dass sich der Angeklagte trotz seiner Volljährigkeit noch im Abnabelungsprozess von der Familie befinde. Sie plädierte aufgrund seiner fehlenden Reife für die Behandlung nach dem Jugendstrafrecht.

Richterin Andrea Hülshorst sagte, dass es sich um einen Grenzfall handele. Einerseits habe der Angeklagte in Kauf genommen, dass neben der Frau auch die zwei Kinder Opfer der Tat hätten werden können. Andererseits sei die Beurteilung des 18-Jährigen, die das Jugendamt und der Psychotherapeut formuliert hätten, durchweg positiv. Sie wolle sich deshalb von der Argumentation der Staatsanwältin „beeinflussen“ lassen.

Die Staatsanwaltschaft wollte vom Angeklagten noch wissen, ob weitere Therapiesitzungen anstünden oder ob die Therapie abgeschlossen sei. Bei letzterem verlange sie eine schriftliche Begründung des Therapeuten, dass der 18-Jährige keine weitere Behandlung mehr benötige.

500 Euro an Frauen-Verein

Richterin, Staatsanwaltschaft und Verteidigung einigten sich schließlich auf die Nachreichung der Bestätigung und verzichteten auf eine Verurteilung des Angeklagten. Die weitere Auflage war eine Geldstrafe in Höhe von 500 Euro, die der Angeklagte in monatlichen Raten an den Verein „Frauen helfen Frauen“ in Marburg zahlen muss. Kommt er den Auflagen nach, wird das Verfahren endgültig eingestellt.

Von Anna Lischper

Quelle: HNA

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