Verkehrslärm soll zunächst durch Nachtfahrverbot reduziert werden - Ausnahmen für heimische Betriebe

B 252: Unternehmen fordern Umgehungsstraßen

Waldeck-Frankenberg. Eine dauerhafte Lösung für die Problematik des Verkehrslärms auf der B 252 kann nur der Bau von Umgehungsstraßen sein: Das sagten Großunternehmen im Kreis auf Anfrage der HNA.

Hintergrund ist das Nachtfahrverbot für Lastwagen über 3,5 Tonnen Gewicht, das seit Montag auf der B 252 von 22 bis 6 Uhr gilt. Heimische Unternehmen sind davon ausgenommen, haben aber angekündigt, Nachtfahrten auf das Nötigste zu beschränken.

Die freiwillige Einschränkung von Nachtfahrten auf der Bundesstraße 252 stellt Unternehmen im Landkreis vor Herausforderungen. Wir haben uns bei heimischen Betrieben umgehört:

FingerHaus: Auch der Frankenberger Fertighaushersteller FingerHaus ist sehr darum bemüht, dass die Nachtfahrten auf der B 252 reduziert werden. „Wir haben unsere Lieferanten und Fuhrunternehmen bereits angeschrieben, dass Anlieferungen während der Tageszeit erfolgen und Nachtfahrten auf das äußerst Notwendige beschränkt werden sollen “, sagte gestern Geschäftsführer Mathias Schäfer auf HNA-Anfrage. Von den Lieferanten und Fuhrunternehmen habe es daraufhin bereits „sehr positive Antworten“ gegeben. „Die Lieferanten spielen da alle mit“, kommentierte Schäfer. Für sein Unternehmen selbst sei es allerdings sehr schwer, etwas an der gegenwärtigen Konstellation zu ändern, sagte Schäfer. „Es liegt an der Logistik insgesamt, die sich für FingerHaus nicht umstellen lässt“, beurteilte Schäfer die Situation. Die Transportfahrzeuge müssten eben um 7 Uhr morgens an der Baustelle sein: „Darauf ist die ganze Baustellenlogistik ausgerichtet. Und es ist schwierig, an diesem System etwas zu ändern.“ Baustellenkräne könnten beispielsweise nur für den ganzen Tag angemietet werden. Und ein Haus bereits einen Tag vorher anzuliefern, würde enorme Kosten verursachen – unter anderem für zusätzliche Überenachtungskosten und zusätzliche Stunden für die Fahrer. In Frankenberg arbeiten derzeit 400 Mitarbeiter für FingerHaus. Pro Jahr rollen 400 Fingerhäuser über die B 252 zu den

Baustellen.

Milchtransporte Ernst:Der Bottendorfer Fuhrunternehmer Gerhard Ernst will die Nachtfahrten im heimischen Raum um 20 bis 30 Prozent reduzieren. „Wir haben großes Verständnis für die B-252-Anlieger“, sagt er. Deshalb strebe er an, so viele Milchtransporte wie möglich erst in den frühen Morgenstunden durch Orte wie Simtshausen oder Totenhausen laufen zu lassen. Sein Unternehmen sei mit fünf Milch-Sammel- und vier Transportfahrzeugen in ganz Hessen tätig. Generell auf Nachtfahrten könne es nicht verzichten. Die Molkereien hätten auch gar nicht die Kapazität, Milch nur tagsüber anzunehmen. Ernst betont, dass alle seine Fahrzeuge höchstens drei oder vier Jahre alt seien und damit schon weniger Lärm produzierten als ältere Modelle.

Essex: „Wir brauchen regelmäßig Kupfer, unser Betrieb läuft 24 Stunden, sieben Tage die Woche“, sagte Essex-Geschäftsführer Willy Schaumburg aus Bad Arolsen. Viel bewegen könne sich die Firma Essex nicht und auch die Produktion nicht ändern. „Die Politik hat geschlafen, weil keine Umgehungsstraßen gebaut wurden. Jetzt wird das auf den Rücken der Unternehmen ausgebadet. Dabei müssen wir doch froh sein, dass wir hier Wirtschaft haben“, sagte Schaumburg. Für ihn seien Bundesstraßen nun mal Fernstraßen. Verstehen könne er die Anwohner, die schon seit Jahrzehnten mit diesem Lärm und dieser Belastung leben müssen. Mit der Logistik der Firma Essex ist ein externes Unternehmen betraut. Schaumburg habe Gespräche geführt und alle arbeiten im gegenseitigen Interesse.

Continental Korbach: Nach dem Inkrafttreten des Nachtfahrverbots versuche das Korbacher Continental-Werk, möglichst viele Lastwagen-Transporte im Zeitfenster zwischen 22 und 6 Uhr zu vermeiden. Eine konkrete Änderung der Arbeitsabläufe sei aber damit nicht verbunden, erklärte Werksleiter Lothar Salokat. Er sei zuversichtlich, dass mit dem Verbot der eigentliche Transit-Verkehr von der Bundesstraße ferngehalten werden und so die Lärmbelastung für die Anwohner verringert werden könne. Eine echte Lösung des Problems sei aber nur durch den Bau der Ortsumgehungen zu erreichen, meinte der Leiter des Reifen- und Schlauchwerks.

Viessmann: „Eine dauerhafte Lösung kann es nur durch den Bau von Umgehungsstraßen geben“, war gestern vom Allendorfer Heiztechnik-Unternehmen Viessmann zu hören. Bis dahin müsste nachts vor allem der Transitverkehr von den Straßen ferngehalten werden. Der mache immerhin 50 Prozent des Gesamtaufkommens aus. Bei Zuwiderhandlungen müsste es für diese Fuhrunternehmen empflindliche Strafen geben. Laut Viessmann-Pressesprecher Manfred Greis werden von heimischen Unternehmen nachts nur dringend notwendige Transporte vorgenommen. Durch Optimierungen könnten Nachtfahrten höchstens um weitere zehn Prozent reduziert werden. „Unsere logistischen Prozesse sind kundengetreiben“, erläuterte Greis. „Die Einflussnahme der heimischen Wirtschaft auf die Nachfahrten ist also sehr begrenzt“, stellte Greis fest. Eine spürbare Verbeserung könne es nur durch politische Rahmenbedingungen geben. Derzeit fahren tagsüber etwa 170 Lastwagen das Allendorfer Viessmann-Werk an oder ab, nachts etwa 50 bis 70 Lastwagen. Die steuern ihre Ziele über die B3 oder die B 252 an. Die klare Aussage des Viessmann-Sprechers: „Ein Nachtfahrverbot ohne Ausnahmereglung wäre für das Unternehmen nicht tragbar. Die jetzige Regelung ist für uns akzeptabel.“

Quelle: HNA

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