Zählung in Frankenberg: elf Smartphone-Sünder in eineinhalb Stunden

Abgelenkt am Lenkrad

Bereit zum Notieren: Uwe Völker (l.) und Dietmar Lenski vom Automobil-Club Europa (ACE) zählten in Frankenberg eineinhalb Stunden lang, wie viele Fahrer mit Handy am Ohr oder in der Hand unterwegs waren. Foto: Gudrun Skupio

Frankenberg - Autofahrer, die auf dem Smartphone E-Mails checken. Radfahrer, die mit einer Hand eine SMS tippen. Fußgänger, die mit Blick aufs Telefon die Straße überqueren: Smartphones werden zunehmend zur Gefahr im Straßenverkehr. Eine steigende Zahl von Unfällen sei auf Ablenkung durch das Handy zurückzuführen, sagen Polizei und ADAC.

Um auf dieses zunehmende Problem aufmerksam zu machen, hat der Automobil-Club Europa (ACE) bei der Aktion „Park dein Handy, wenn du fährst!“ bundesweit Zählungen im Straßenverkehr vorgenommen – unter anderem in

„Das Gefahrenpotenzial ist enorm“, warnt Polizeisprecher Frank Kramer (Kassel). Einer Studie zufolge nutzt jeder fünfte Autofahrer während der Fahrt das Smartphone. In der Altersgruppe unter 35 Jahren ist es jeder Dritte. Dabei ist nicht nur das Telefonieren im Auto ein Problem, sondern vor allem das Tippen und Surfen auf dem Handy. Wer etwa bei Tempo 50 zwei Sekunden lang seinen Blick auf das Handy statt auf den Verkehr richtet, fährt 30 Meter ohne Sicht.

Uwe Völker, der Regionalbeauftragte des ACE für Hessen, hatte es zusammen mit Dietmar Lenski vom Kreisvorstand Nordhessen am Dienstagvormittag auf Verkehrssünder abgesehen. Eineinhalb Stunden zählten die beiden für die Aktion „Park dein Handy, wenn du fährst!“ an der Kreuzung am Landratsamt in Frankenberg alle, die verbotenerweise mit dem Handy am Steuer saßen. „Einer ist schon einer zu viel“, sagt Völker. Waren es bei der ersten Zählung in Frankenberg am 14. März innerhalb einer Stunde zwei Frauen und drei Männer, so wurden am Dienstag zwischen 11 und 12.30 Uhr fünf Männer und sechs Frauen mit dem Handy am Steuer ertappt, „darunter der Fahrer eines Holzlasters und sogar ein Fahrschullehrer“, sagt Uwe Völker. „Das Ergebnis ist besser als in anderen hessischen Städten.“

Im Zuge der Aktion hat Uwe Völker vom ACE allein in Gießen ein Auto einer Fahrschule, der Polizei, vom Gartenamt, einen Busfahrer und einen Pannenfahrer beim Telefonieren ohne Freisprechanlage beobachtet. In Marburg erwischte er einen Schulbusfahrer. In Herborn wurden zwei Fahrer mit Döner und einer mit einem Eisbecher in der Hand gesehen, in Wiesbaden, Gießen und Marburg hatten Autofahrer sogar ein Tablet auf dem Lenkrad liegen. Zwei Frauen hatten ihr Handy in der Hand und telefonierten per Lautsprecher.

Der ADAC hat bei Tests herausgefunden, dass drei Viertel der Autofahrer, die während der Fahrt etwas auf dem Navi eintippen, auf ein plötzlich auftauchendes Hindernis auffahren würden. Beim Smartphone dürfte die Ablenkung ähnlich groß sein. Das Regierungspräsidium Kassel hat im Jahr 2014 hessenweit 13?200 Knöllchen wegen unerlaubter Handynutzung ausgestellt. Die Dunkelziffer dürfte um ein Vielfaches höher sein. Das gilt auch für Unfälle, bei denen das Handy eine Rolle spielte: Bisher gelang es der Polizei lediglich bei einer Handvoll Fälle, dies nachzuweisen.

Um Autofahrer vor der Smartphone-Ablenkung zu schützen, wird an der Uni Kassel derzeit an einer Technik geforscht, mit der das Telefon erkennen soll, wenn der Nutzer am Steuer sitzt, und sich automatisch abstellt. Bundesweit haben 120 Kreise an der Aktion „Park dein Handy, wenn du fährst!“ mitgemacht. Seit 2005 gibt es die jährliche Aktion zur Verkehrssicherheit des Automobil-Clubs Europa. So widmeten sie sich bereits Schlaglöchern, dem Anschnallen, Zebrastreifen, Stoppschildern, Blinken, dem Schulweg und der Sicherheit von Fahrrädern.

(Von Gudrun Skupio)

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