Frankenberg

Abschied von museumsreifer Technik

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- Frankenberg (da). Mausklicks statt Muskelkraft – die Weichen und Signale im Frankenberger Bahnhof werden seit der Sanierung der Kurhessenbahn über Computer angesteuert.

Schon der Weg über die steile, enge Treppe ist ein Erlebnis, bei dem jeder Mitarbeiter der Unfallkasse Herzrasen bekommen würde. Das Stellwerk des Frankenberger Bahnhofs ist 79 Jahre alt, 1931 wurde es eröffnet. Vor den Sommerferien hat der letzte Mitarbeiter die Tür zugeschlossen. Am Eingang hängt ein Trauerkranz als „letzter Gruß“ der Eisenbahner. Sieben Tage in der Woche, 365 Tage im Jahr war der Raum mit Rundumblick auf das Bahnhofsgelände wichtig für den Zugbetrieb und der letzte Arbeitsplatz von Bahnmitarbeitern in Frankenberg. Der Raum wirkt altertümlich, Schränke, Telefon und elektrische Anlagen stammen zum großen Teil aus der Wirtschaftswunderzeit. Doch die Technik ist solide, hat Jahrzehnte Tag für Tag ihren Dienst versehen. Nach der Modernisierung der Burgwaldbahn zwischen Frankenberg und Sarnau werden Weichen, Schranken und Signale per Mausklick von Friedensdorf aus und nicht mehr mechanisch gesteuert. Computer melden, auf welchen Gleisen sich Züge befinden und welche Schienen frei sind – der Blick durchs Fenster ist überflüssig. In Frankenberg muss kein Fahrdienstleiter mehr den Zugverkehr überwachen. Wolfgang Heinz kennt das Stellwerk gut. Als Leiter der Frankenberger Bahnmeisterei war er von 1970 bis 1980 mit verantwortlich, dass die Geräte in den beiden Stellwerken einwandfrei funktionierten. Auch Gleise und Unterbau fielen in seinen Bereich. 1980 wurden kleine Bahnmeistereien zusammengelegt, Heinz wechselte nach Marburg. In Frankenberg arbeiteten damals etwa 40 Leute in der Bahnmeisterei. Der gesamte Bahnhof hatte mehr als 100 Beschäftigte – vom Fahrdienstleiter bis zum Zugpersonal. „Damals fuhren noch Fernzüge über Frankenberg, zum Beispiel der Eilzug von Frankfurt nach Bremen.“ In einem Nebengebäude des Bahnhofs befand sich die Bahnmeisterei – heute ist das Haus eine Spielhalle. Die Kontrolle hatte der Fahrdienstleiter vom Stellwerk an der Röddenauer Straße. Vom Stellwerk „Frankenberg Süd“, nahe der Firma Thonet in Höhe des einstigen Bahnbetriebshofs, wurde vor allem der Rangierverkehr koordiniert. Nach der Stilllegung der Strecke nach Korbach ließ die Bahn das Hauptstellwerk 1989 abreißen, der Fahrdienstleiter wechselte ins Häuschen „Frankenberg Süd“. Zahlreiche Hebel forderten die Muskelkraft der Arbeiter. Per Drahtseilzügen wurden Weichen und Signale in Bewegung gesetzt. Diese Art der Technik stammt aus den 30er-Jahren, Schilder an den Geräten weisen aufs Baujahr 1958 hin – damals wurde offenbar das südliche Stellwerk erneuert. Von dort wurden Wagen auf die verschiedenen Gleise verteilt. Früher war die Hebelbank – so heißt die Bedienanlage – noch umfangreicher. Wurden Weichen oder Signale abgebaut, ließ die Bahn auch den jeweiligen Hebel entfernen. In einer Ecke stehen zwei Anlagen, mit denen die Schranken in der Berleburger Straße bis diesen Sommer Tag für Tag heruntergekurbelt wurden – auch sie werden jetzt elektronisch gesteuert.

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