Löhlbach

Abschied mit Tränen in den Augen

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- Haina-Löhlbach (apa). Die Ära Grundschule ist zu Ende: Nicht nur für die Viertklässler, sondern auch für alle anderen Schüler, sowie für die Eltern und Lehrer an der Schule „Unter den Linden“ war der Tag vor dem Ferienbeginn ein Tag des Abschieds.

„Alte Schule, altes Haus, du siehst heute anders aus... Neue Schule, neues Glück, und es führt kein Weg zurück“ – die Worte des Liedes, das eigentlich für künftige Fünftklässler gedacht ist, hatten am letzten Schultag in Löhlbach eine viel tiefere Bedeutung. Nicht nur das Schuljahr und die Grundschulzeit für die Viertklässler enden, sondern auch die Ära der Grundschule „Unter den Linden“. Zum letzten Mal toben die Erst- bis Viertklässler über den Schulhof, zum letzten Mal stellen sie ihre Stühle auf die Tische, zum letzten Mal wischen sie die Tafeln sauber und packen ihre Sachen in die Schultaschen: Die Schule wird nach mehr als 100 Jahren geschlossen. Die Worte des Abschiedsliedes und viele persönliche Worte der beiden Lehrerinnen und der Frankenauer Schulleiterin Susanne Weber, die seit zwei Jahren auch die Grundschule in Löhlbach verwaltete, trieben so manchen Eltern die Tränen in die Augen. Aus der Entlassfeier für die Viertklässler wurde ein „Abschiedsmarathon“, der mit einem Gottesdienst in der Kirche begonnen hatte. Im Turnraum der Grundschule standen jedoch zuerst die Viertklässler im Mittelpunkt. „Ihr habt etwas geleistet, etwas erreicht“, sagte Susanne Weber. Sie verglich die Schule mit einer Fußballmannschaft: „Ihr habt bisher in der einen Liga gespielt. Jetzt wechselt ihr in eine andere und nach der Spielpause habt ihr neue Teams und neue Trainer.“ Sie beruhigte die Kinder, dass etwas Nervosität ganz normal ist: „Die Profispieler gehen auch nicht ohne Bauchgrummeln in eine neue Mannschaft“. Sie erinnerte daran, dass nur fleißiges Training zum Erfolg führe und dass die Kinder ihre Co-Trainer – die Eltern – an ihrer Seite behalten. Rolf Thielemann vom Elternbeirat bezeichnete die vergangenen Monate mit den Diskussionen um die Schulschließung als „das Drama in drei Akten“. Er bedankte sich bei den Lehrerinnen, dass die Schüler gut gerüstet in die nächste Schule starten können. Die beiden Klassenlehrerinnen Conny Bräutigam (1/2) und Kristin Schäfer (3/4) verabschiedeten sich sichtlich gerührt von den Kindern. Gemeinsam erinnerten sich Schüler und Lehrer an Erlebnisse der vergangenen Jahre. Conny Bräutigam überreichte an die Viertklässler kleine „Diamanten“ aus Glas und erklärte die Gemeinsamkeiten: Kinder wie Diamanten sind kostbar und Unikate, die es nur einmal auf der Welt gibt, sie haben Ecken und Kanten und manchmal auch kleine Macken, aber sie funkeln je nach Licht und Betrachtungsweise anders. Auch die Kinder hatten Tänze, ein Gedicht über die Zeit und viele gute Wünsche füreinander vorbereitet. Die Klasse 1/2 sang ein afrikanisches Steinlied und verschenkte nachher selbstbemalte Steine an die Kinder der Klasse 3/4. Lisa-Marie Boucsein spielte ein Lied auf dem Keyboard. Doch auch das Ende der Löhlbacher Schule sprach Susanne Weber deutlich an. „Das heute ist euer aller Abschied“, sagte sie, und auch viele Eltern fühlten sich davon angesprochen – viele von ihnen waren selbst „Unter den Linden“ zur Schule gegangen. Sie betonte die positiven Effekte des Schulwechsels für die Schüler: „Mit mehr Kindern kann man auch mehr anfangen: Neue Freunde finden und neue Ideen haben“. Sie wünschte den Jungen und Mädchen, dass sie sich in Haina schnell eingewöhnen und auch dort erfolgreich lernen können, „aber vor allem, das ist für euch nämlich das Wichtigste: Ganz viel Spaß!“ Zwei bekannte Gesichter Sie erinnerte die Kleinen daran, dass das Bauchweh nicht ganz so schlimm sein muss: Schließlich werden sie an der neuen Schule auch bekannte Gesichter wiedersehen: Conny Bräutigam unterrichtet künftig in Haina und Pfarrerin Eva Brinke-Kriebel hält künftig dort den Religionsunterricht ab. Kristin Schäfer wechselt nach Bad Wildungen. Sie hatte seit 2003 an der Schule unterrichtet. „So jemanden wie dich lässt man nicht gerne gehen“, betonte Susanne Weber. Weber verabschiedete aber noch eine Person, ohne die „wir alle alt ausgesehen hätten“: Hausmeister Dieter Manthei. Er hatte auch über das Rentenalter hinaus die Schule betreut und wird erst in den Ruhestand wechseln, wenn die Arbeiten für die Übergabe des Gebäudes abgeschlossen sind. „Nichts konnte Sie aus der Ruhe bringen“, sagte Kristin Schäfer. „Die Kinder mochten sie.“ Deshalb hatten die Jungen und Mädchen einen Benjamini mit gebastelten Schmetterlingen geschmückt, den sie an Manthei übergaben.

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