Jugendliche retten Ertrinkenden

"Alles ist besser als nichts zu machen"

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Maik Ernst, Hendrik Reuter, Andreas Thiele, Leon Holler und Hermann Kernetzky (von links) haben mit ihren Freunden am 1. Mai einem 16-Jährigen das Leben gerettet. Der Burgwalder durchschwamm den Teich, als ihn seine Kräfte verließen.Foto: Kutsch

Burgwald-Bottendorf - Während andere tatenlos zugeschaut haben, hat eine Gruppe Jugendlicher nicht lange überlegt und beherzt geholfen: Als ein 16-Jähriger im Wolkersdorfer Teich zu ertrinken drohte, retteten sie ihm mit einem Sprung ins Wasser und einer Herzdruckmassage das Leben.

Gleich eine ganze Gruppe Schutzengel hatte ein junger Burgwalder am 1. Mai in seiner Nähe: Der 16-Jährige wollte den Wolkersdorfer Teich durchqueren. Im Wasser verließen ihn allerdings die Kräfte und er drohte zu ertrinken (FZ berichtete). Glücklicherweise grillte eine Gruppe junger Männer und Frauen in einem Garten ganz in der Nähe. Als die Jugendlichen das Drama, das sich im See abspielte, erfasst hatten, zögerten sie keine Sekunde.

Insgesamt 15 junge Männer und Frauen aus Burgwald und den Nachbarkommunen hatten den freien Tag gemeinsam in Bottendorf verbracht. „Wir waren wandern und sind zum Abschluss in unserem Garten zum Grillen gewesen“, erzählt Andreas Thiele rückblickend. Einen direkten Blick auf den Teich hatten sie von dort nicht. „Wir haben nur gesehen, wie ein Angler sich ausgezogen hat“, erinnert sich Leon Holler. Das hätten sie nicht weiter beachtet, obwohl es etwas komisch gewesen sei - schließlich war der 1. Mai in diesem Jahr kein sehr warmer Tag.

Einige Minuten später rief laut Holler eine Anglerin, dass jemand ertrinken würde und fragte die Jugendlichen, ob der Mann im Teich zu ihrer Gruppe gehöre. Die jungen Leute rannten an den Teich und registrierten sofort, was sich vor ihren Augen abspielte. „Um den Teich saßen bestimmt 30 oder 40 Angler“, schätzen sie rückblickend. Doch es waren die Jugendlichen, die reagierten: „Ich habe nicht nachgedacht, sondern bin mit einem Köpfer ins Wasser“, berichtet Herman Kernetzky. Erst jetzt fällt ihm auf, welches Glück er selbst hatte. Denn die Ufer des Teiches sind flach, überall verstecken sich Steine unter der Wasseroberfläche.

„Wir haben noch überlegt“, sagt Leon Holler, „in dem Moment hat es schon ‚Platsch‘ gemacht“. Während Kernetzky zu dem 16-Jährigen schwamm, der mit dem Kopf schon unter Wasser war, holten seine Freunde ein Surfbrett. Damit paddeln und planschen sie sonst im Sommer im Wolkersdorfer Teich. Am 1. Mai schwamm Maik Ernst seinem Kumpel Kernetzky mit dem Brett entgegen. „Alleine hätte ich ihn nicht rausbekommen“, sagt der 19-jährige Frankenauer. „Er hatte viel Wasser geschluckt, die Kleider waren vollgesogen. Man unterschätzt schnell, wie viel Gewicht das ist.“

Am Ufer standen die übrigen jungen Männer bereit und zogen und trugen den Geretteten gemeinsam aus dem Wasser. „Er war völlig leblos und hat nicht mehr geatmet.“ Sie hatten Angst, dass ihre Hilfe zu spät kam - und trotzdem reagierten sie besonnen: Kernetzky beatmete den Burgwalder, Ernst übernahm die Herz-Rhythmus-Massage. Von irgendwo rief ein Freund, dass der Kopf überstreckt werden müsse. „Irgendwann hat er endlich Wasser gespuckt“, sagt Ernst. Nie hätte er gedacht, dass ein Erste-Hilfe-Kurs für ihn einmal so wichtig sein würde.

Zu Bewusstsein kam der betrunkene Jugendliche trotzdem nicht. Er war laut seinen Rettern zudem ziemlich unterkühlt. Also trugen sie ihn auf die Straße und holten Decken und Jacken, um ihn zu wärmen, bis der Krankenwagen kam. „Es kam mir vor, als ging alles total schnell“, sagen Ernst. Einige seiner Freunde sehen das anders: Leon Holler wartete an der Hauptstraße auf den Rettungswagen, um zu zeigen, wo die Helfer gebraucht wurden. „Ich dachte ständig nur ‚Scheiße, wann kommt der Krankenwagen‘“. Wenige Minuten zogen sich endlos zäh dahin.

Neben dem Krankenwagen kam auch die Polizei innerhalb weniger Minuten zum Wolkersdorfer Teich. Die Jungen erinnern sich, dass einige der Angler plötzlich ganz schnell verschwunden waren. Von einem Angler, der am gegenüberliegenden Ufer gesessen hatte, erfuhren die jungen Männer, dass der 16-Jährige den Bach entlang gelaufen sei. Zwischen den Bäumen sei er herausgekommen, habe sich noch eine Weile mit den Anglern unterhalten und dann gesagt, er wolle schwimmen gehen.

„Der Angler sagte, er wollte ihn davon abhalten. Der ist trotzdem immer weiter in den Teich gelaufen“, berichtet einer der jungen Männer. Zu zwei Dritteln habe der Schwimmer den Teich durchquert, immer wieder den Anglern zugewunken. „Die fanden das vielleicht auch ganz lustig“, überlegt die Gruppe. Plötzlich hätten den 16-Jährigen, der auf einer Wandertour von seinen Freunden abgehängt worden war, scheinbar die Kräfte verlassen. Er habe um sich geschlagen und versucht, sich über Wasser zu halten. „Aus der Ferne konnten sie die Situation vielleicht gar nicht einschätzen.“ Allerdings saßen auch auf der Seite, an der die Gruppe grillte, einige Menschen - etwa der Angler, der sich ausgezogen hatte. Ins Wasser gesprungen sei dieser aber auch nicht. So couragiert zeigte sich nur die Gruppe, die kurz zuvor noch gemütlich gefeiert hatte. „Wir hatten auch getrunken“, erzählt Holler. „Aber da waren wir schlagartig nüchtern. Ich habe richtig gezittert.“

Die mutigen Lebensretter bezeichnen es als Glück, dass sie eine große Gruppe waren: „Man ist erst mal hilflos und weiß nicht, was man zuerst machen soll, wenn man alleine dasteht“, beschreibt Hendrik Reuter. „Ich weiß auch nicht, ob ich alles richtig gemacht habe“, sagt Ernst. „Aber es ist alles besser, als einfach nichts zu machen.“

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