Verein Rotes Höhenvieh alter Zuchtrichtung

Altes Vieh und Traditionen erhalten

+
Teilnehmer der Jahreshauptversammlung des jungen Vereins „Rotes Höhenvieh alter Zuchtrichtung“, (v.l.) Lars Degen, Ulrich Kremling, Wolfgang Beuse, Thomas Hegger, Daniel Morick, Clemens Jeuken, Gustav Reupke, Herbert Humburg und Uwe G. W. Hesse. Foto: Faust

Frankenberger Land - Eine alte Rinderrasse am Leben erhalten, das hat sich der Verein "Rotes Höhenvieh alter Zuchtrichtung" zum Ziel gesetzt. Im Harz blickten die Mitglieder auf Erfolge sowie auf aktuelle Forschungsergebnisse.

Die Zuchtorientierung war bestimmendes Thema bei der Jahreshauptversammlung des Vereins „Rotes Höhenvieh alter Zuchtrichtung“ in Steinlah im Harz. Der Verein wurde im März 2012 in Rengershausen gegründet und so nahmen auch einige Mitglieder aus der Region teil. Vorsitzender Clemens Jeuken aus Kevelaer vom Niederrhein berichtete über die Absamung der vielversprechenden Bullen Isengard und Tarzan, die seitens der Fleischrinder-Herdbücher hohe Bewertungen erfahren haben und das Zuchtziel des Vereins verkörpern. Das Sperma dieser beiden Bullen steht mittlerweile im Handel zur Verfügung.

In der Aussprache unter den Vereinsmitgliedern wurden insbesondere die neueren Entwicklungen in der Rotviehzucht thematisiert. In seinem Jahresrückblick kam Jeuken auf den aktuell in der Rotviehzucht diskutierten DEB-Gendefekt zu sprechen - eine bei Kälbern meist tödlich verlaufende Hauterkrankung, die durch Vererbung seitens der Elterntiere verbreitet werden kann. Dabei erkranken nicht alle positiv getesteten Tiere, diese können den Gendefekt aber an folgende Generationen vererben. Die im Verein eingesetzten Bullen wurden im Institut für molekulare Diagnostik in Göttingen untersucht und erwiesen sich als frei vom Gendefekt. Laut Verein besteht daher im Bereich jener Tiere, die durch Mitglieder gezüchtet werden, kein Grund zur Sorge.

Der stellvertretende Vereinsvorsitzende, Uwe G. W. Hesse aus Rengershausen, berichtete über die Untersuchungsergebnisse des Instituts für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin, die erst Mitte des vergangenen Jahres international veröffentlicht wurden. Der leitende Wissenschaftler der Einrichtung, Dr. Arne Ludwig, hatte ausgewählte Kühe auf ihre Abstammung genetisch untersucht, um so Rückschlüsse auf die Entwicklung der Rasse ziehen zu können. Dafür hatte der Verein „Rotes Höhenvieh alter Zuchtrichtung“ Blutproben von den wenigen derzeit lebenden Tieren zur Verfügung gestellt, die in rein weiblicher Abstammung auf Kühe zurückzuführen sind, die in den 1950erJahren noch gelebt hatten. Damals war das Rote Höhenvieh in den Mittelgebirgen noch verbreitet. Die vorliegenden Ergebnisse bestätigen die Vermutung, dass das Rote Höhenvieh eine sehr alte Rinderrasse ist, deren Erbgut die Basis vieler anderer Rinderrassen bildet. Damit steht die Rasse dicht am Ursprung der Haustierwerdung von Rindern und demnach nahe am ausgestorbenen Auerochsen. Die Vorfahren des Roten Höhenviehs stammen aus dem Mittelmeergebiet Italiens und kamen nach aktuellen Forschungen schon früh in die Mittelgebirgsregionen nördlich der Alpen - möglicherweise sogar in vorrömischer Zeit.

Altzüchter Wolfgang Beuse, der über Jahrzehnte Maßstäbe in der Erhaltungszucht gesetzt hat, teilte in seinem Jahresrückblick mit, dass das Rote Höhenvieh zur Aufnahme in die nationale Liste des immateriellen Kulturerbes vorgesehen sei; zwei Professoren seien derzeit mit entsprechenden Vorbereitungen betraut. So werde auch sein persönliches Lebenswerk gewürdigt, das nach wie vor der Erhaltung des Brauchtums der einfachen Menschen im Harz gelte. Die Besonderheit der Erhaltungszucht im Harz ist der Fokus auch auf der Erhaltung alter Zucht-Traditionen. Das betrifft die parallele Erhaltungszucht des Harzer Fuchses als alter Hütehundrasse ebenso wie die Bewahrung der „Gerechtsame“ als Sozialsystem des Harzes sowie der Tracht der Rinderhirten, die das verbriefte Recht hatten, ihre roten Harzrinder in den Wäldern zu hüten. Damit verbunden waren auch die Glockenspiele der Herden, die Eigentum der Hirten waren.

Schließlich stellte Vereinsmitglied Lars Degen die neuen Aufkleber vor, auf denen das Logo des Vereins abgedruckt ist. Dieses Logo ist beim Vereinsvorsitzenden gegen eine geringe Schutzgebühr erhältlich.

Der Jahreshauptversammlung folgten die Besichtigung der Herden von Gustav Reupke und Josef Spahn sowie der Besuch der Zuchtgruppen der Neumitglieder Daniel Morick und Ulrich Kremling, die erst begonnen haben, ihre Herden und eigenen Bestände nach den Richtlinien der Erhaltungszucht unter den Maßstäben des Vereins aufzubauen. Auch dort gibt es hoffnungsvolle Anfänge, die gleichzeitig bestätigen, dass der Verein nicht nur jung an Jahren ist, sondern auch junge Mitglieder gewinnen kann, die eine zukunftsorientierte Erhaltungszucht der robusten Höhenviehrasse betreiben.

Infos: www.rotes-hoehenvieh-az.de

Von Gerd Faust

Kommentare