Gemünden

„Amigos“ sind „Stars zum Anfassen“

- Gemünden (jos). Mehr als tausend Zuschauer bejubelten die "Amigos" am Donnerstag bei ihrem Tourneestart in der Gemündener Sport- und Kulturhalle.

Gemünden. Mit Schlagermusik ist es so wie mit dem FC Bayern: Beide haben eine große Anhängerschar und es geht um sehr viel Geld. Die Meinungen über den Münchener Fußballverein gehen genauso weit auseinander wie die Einstellung der Menschen gegenüber Schlagermusik: Die einen lieben die „Lieder, die zu Herzen gehen“, die anderen lehnen den „Herz-Schmerz-Kommerz“ vehement ab.

Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Doch selbst, wer kein Freund der Schlagermusik ist, muss anerkennen, dass „Die Amigos“ einen absolut professionellen Auftritt hinlegen und ihren Fans genau das bieten, was sie versprechen: Musik fürs Herz und Titel, bei denen die Schlagerfreunde die Sorgen des Alltags für einen Moment vergessen.

Umrahmt von großen Leinwänden stehen die Brüder Bernd und Karl-Heinz Ulrich zu zweit und ohne Band auf der riesigen Bühne. Ihr Auftreten ist unaufgeregt. Keine großen Bewegungen, keine dick aufgetragenen Ansagen, wenig Gestik – trotzdem oder vielleicht auch gerade deshalb ist das Publikum von Beginn an gefesselt.

Die meisten der tausend Zuschauer sind textsicher. Bei Titeln wie „Ein Tag im Paradies“, „Für dich geh’ ich durchs Feuer“ oder „Zwei goldene Ringe“ stimmen die Fans begeistert mit ein. Bei den Titeln mit stampfendem Disco-Bass klatschen die Zuschauer den Rhythmus, bei den besinnlichen Liedern schwenken die Konzertbesucher Feuerzeuge durch die Luft. Ein Markenzeichen von Sänger Bernd Ulrich: Vor und nach den flotten Stücken ruft er „Jäij“ ins Mikrofon und ballt dazu die linke Hand zur Faust. Das Publikum nimmt ihm ab, dass er Spaß an der Musik hat und lässt sich von der guten Laune mitreißen.

Karl-Heinz Ulrich singt fast durchgehend eine zweite Stimme und spielt – vorwiegend aus optischen Gesichtspunkten –eine Gitarre. Zu hören ist das Instrument allerdings kaum oder gar nicht. Unter den Schlagerstars dieses Jahrzehnts sind die „Amigos“ die Sympathieträger. Innerhalb dieses Genres gibt es drei Typen von Künstlern: Die einen fallen auf durch ihr aufgesetztes Dauer-Grinsen. Die anderen protzen mit ihrem Erfolg und bekommen mitunter sogar eine eigene Serie im Privatfernsehen. Und die Dritten bleiben trotz großer Anhängerschar auf dem Boden, kommen authentisch und echt rüber. Zu dieser Kategorie zählen die Ulrich-Brüder. Wenn sie ihren Fans, den Bühnentechnikern und ihren Ehefrauen „Danke“ sagen, wirkt das glaubwürdig. Das dürfte auch mit ihrer Biografie zusammenhängen: Erst vor vier Jahren haben die Brüder ihre „bürgerlichen Berufe“ Braumeister und Kraftfahrer aufgegeben, um sich ganz der Musik zu widmen. Ihre ersten Lieder haben „Die Amigos“ selbst aufgenommen, weil keine Plattenfirma die Ulrichs unter Vertrag nehmen wollte. Mittlerweile sind sie das nach eigenen Angaben erfolgreichste Schlager-Duo Deutschlands. Fazit: Erlaubt ist, was gefällt.

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