Unternehmen tritt von Vertrag zurück · Umsatzeinbußen, freie Kapazitäten in Marienhagen und Verlagerung ins Ausland

Analyticon baut jetzt doch nicht in Bottendorf

+

Burgwald-Bottendorf - Ernüchterung am Donnerstagabend im historischen Frankenberger Rathaus: Der Vorstand der Analyticon AG hat den Ältestenräten der Gemeinde Burgwald und der Stadt Frankenberg mitgeteilt, dass die Firma doch nicht in das interkommunale Gewerbegebiet umsiedeln wird.

Die Freude war riesig, als die Analyticon AG mit Stammsitz in Dalwigksthal fast auf den Tag genau vor drei Jahren erklärte, im interkommunalen Gewerbegebiet der Stadt Frankenberg und der Gemeinde Burgwald in Bottendorf ein rund 20?000 Quadratmeter großes Areal erwerben zu wollen, um dort auf einer Fläche von 3000 bis 4000 Quadratmeter eine neue Produktion zu errichten. „Bei uns platzen alle Räume aus den Nähten,“ erklärte seinerzeit Vorstandschef Dr. Reinhard Freiherr von Dalwigk. Gestern Abend dann platzte der Traum von der Vermarktung dieser Großfläche im Gewerbepark. Dr. Reinhard von Dalwigk und Wolfgang Meyer offenbarten den Bürgermeistern, Fraktionsvorsitzenden, Stadträten und Mitgliedern des Gemeindevorstands aus Frankenberg und Burgwald in nichtöffentlicher Sitzung, dass sie die Option nicht ziehen werden und von dem Vertrag zurücktreten. „Die Enttäuschung war auf allen Seiten riesig“, beschrieb ein Teilnehmer der Runde die Stimmung im historischen Rathaus. Auch den Analyticon-Vertretern sei diese Erklärung offensichtlich schwer gefallen, sagte der Kommunalpolitiker gegenüber WLZ-FZ. Die beiden Analyticon-Vorstände erklärten nach Informationen unserer Zeitung in dieser Runde, dass sie noch im Juli fest davon ausgegangen seien, dass die Zukunft des Herstellers von Diagnostik-Systemen in der Bottendorfer Gemarkung liege. Doch im August habe sich endgültig abgezeichnet, dass ein Neubau nicht mehr erforderlich werde. Von den vier Produktionszweigen sei einer „nahezu total weggebrochen“. Zudem sollen bestimmte Arbeiten von Marienhagen aus, neben Dalwigksthal und Goddelsheim der dritte Produktionssitz, nach China verlagert und dort von einem Kooperationspartner ausgeführt werden. Aus diesem Grund bestünde jetzt keine Notwendigkeit mehr, neue Produktionskapazitäten zu schaffen. Der freie Platz in Marienhagen reiche vorerst aus, so die Erklärung von Analyticon. Damit sei auch die Investition in Bottendorf überflüssig. Auf fünf bis zehn Millionen Euro hatte Vorstand Wolfgang Meyer im September 2010 das geplante Investitionsvolumen beziffert. Nur eine Option vereinbart Nach der Erklärung im September 2010 hatten Analyticon, die Gemeinde Burgwald und die Stadt Frankenberg im März 2011 medienwirksam die Sektkorken knallen lassen und den Abschluss eines „Options-Erbpachtvertrages“ verkündet. „Das ist ein großer Gewinn für die gesamte Region“, sagten damals die Bürgermeister Lothar Koch und Christian Engelhardt. Der Vertrag verschaffte Analyticon zwei Jahre Zeit, den Options-Kontrakt in einen Erbpachtvertrag umzuwandeln. Hätte Analyticon dies getan, hätte die AG über einen langen Zeitraum lediglich den sogenannten Erbzins an den Zweckverband zahlen müssen, statt die Fläche für einen hohen Betrag auf einmal zu erwerben. „Die Entscheidung für den Standort Bottendorf ist definitiv“, sagten die Manager 2011. Doch in der Folgezeit kamen zunehmend Zweifel in Frankenberg und Bottendorf auf. Im Februar 2012 erklärte Analyticon, dass sich die Umzugspläne verzögern würden. Die Detailplanung brauche länger, begründete Marketing-Managerin Dr. Sonja Lauterbach. Hoffnung kam dann im März 2013 auf, als die Mangerin betonte, dass der Bauantrag vorbereitet werde, der spätestens im Sommer gestellt werden sollte. Zugleich äußerte Analyticon die Bitte, den „Wickersdorfer Ring“, in dem die neue Produktion errichtet werden solle, in „Friedrich-von-Dalwigk-Straße“ umzubennen. Der Sohn von AG-Chairman Dr. Reinhard von Dalwigk war 2009 bei einem Unfall in Sibirien ums Leben gekommen.

Einen weiteren Beitrag zum Thema lesen Sie hier:

Kommentare