Christian Engelhardt bereitet sich auf seine neuen Aufgaben als Landrat des Kreises Bergstraße vor

„Anders als in Frankenberg“

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Ein Küsschen für den neuen Landrat des Kreises Bergstraße: Christian Engelhardts Frau Daniela freute sich am Sonntagabend über den Sieg in der Stichwahl.Foto: Dietmar Funck

Frankenberg - Sieg in Runde zwei: Der ehemalige Frankenberger Bürgermeister Christian Engelhardt zieht mit 53,92 Prozent in das Heppenheimer Kreishaus ein. FZ-Redaktionsleiter Malte Glotz sprach am Montag mit dem künftigen Landrat des Landkreises Bergstraße.

Herr Engelhardt, wie fühlen Sie sich am Tag nach dem Sieg bei der Landratswahl? Entspannt und gestresst. Es fühlt sich auf jeden Fall anders an als damals in Frankenberg, da der Wahlkampf anstrengender war. Und es stehen jetzt auch größere Veränderungen der Lebensumstände an. Wir müssen in kurzer Zeit einen neuen Lebensmittelpunkt finden: eine neue Schule, eine neue Kita – und das alles in den Sommerferien.

Wie haben Sie den gestrigen Tag erlebt, was machen Sie heute? Gestern gab es keinen Wahlkampf, ganz klassisch. Das einzige, was ich nicht geschafft habe, war die Kirche. Wir sind noch zu einem Fest im Landkreis Bergstraße gegangen, dann haben wir uns bei kühlen Getränken und Handkäs in einen Park gesetzt und versucht, die Zeit rumzukriegen. Beim Kulinarischen, da bin ich schon ein Südhesse geworden.

Was bringen die nächsten Wochen und Monate mit sich, welche Aufgaben? Neben dem Familiären muss ich vor allem einen Nachfolger beim Hessischen Landkreistag finden. Ich habe noch so viele Sachen, die ich zu Ende bringen muss: Fachbücher etwa. All das war eine große Herausforderung in den vergangenen sechs Monaten, und es wird eine in den kommenden fünf Monaten ...

Welche Erfahrungen werden Ihnen aus Ihrer Frankenberger Zeit helfen, was nehmen Sie mit? Ich glaube, sehr vieles. Zum einen ist ein Teil des Landkreises Bergstraße ländlicher Raum – der Odenwald. Die Themen sind dort durchaus vergleichbar: Einsatzfähigkeit der Feuerwehren, der öffentliche Personen-Nahverkehr, die ärztliche Versorgung. Als Beispiel: Das Konzept des Anruf-Sammel-Taxis gibt es dort nicht. Ich finde es aber so interessant, dass ich es im Wahlkampf zu einem Thema gemacht habe. Ich möchte prüfen, ob es auch dort umsetzbar ist. Es gibt auch andere Schnittpunkte, etwa Betreuung und Familie. Ich möchte an den Schulen Nachmittagsbetreuung einführen, so wie ich auch als Bürgermeister Wert auf Betreuung gelegt habe. Es wird mir zudem sicher helfen, dass ich Erfahrung sammeln konnte, wie Themen an verschiedene Zielgruppen zu kommunizieren sind.

Haben Sie sich mit dem heimischen Landrat Reinhard Kubat über die Aufgabe ausgetauscht? Nicht darüber. Ich habe natürlich mit den hessischen Landräten gesprochen, das war aber eher Smalltalk. Tipps für den Wahlkampf habe ich mir nicht geholt. Ein Teil der künftigen Kollegen konnte gar nicht verstehen, warum ich das mache: Ich hätte doch so einen angenehmen Job.

Was werden Sie an Ihrem Posten als Direktor des Landkreistages vermissen? Den weiten Blick über den Tellerrand. Wenn ich derzeit Themen erfolgreich verhandeln will, muss ich versuchen, auch die andere Sichtweise einzunehmen. Das will ich auch künftig beibehalten. Zu meiner Aufgabe jetzt gehört es, sehr viel auf nationaler Ebene zu machen: Ich treffe mich mit Kollegen und Landräten, um mich abzustimmen. Da tauscht man sich aus – wie machen es die anderen Bundesländer? Jetzt werde ich mich wieder auf meinen Landkreis konzentrieren müssen. Meine Informationen werde ich dabei auch über meinen Nachfolger beim Landkreistag beziehen. Mein derzeitiger Beruf hat natürlich Reize, wie etwa die fachliche Tiefe. Jetzt wird es wieder viel mehr praktische Arbeit.

Haben Sie im Kreis Bergstraße bereits einen Wohnort gefunden? Wir haben noch gar nichts im Auge, das geht jetzt erst los. Meine Frau muss jetzt suchen, und das ist nicht einfach: Es muss ein Haus mit großem Garten sein. Das ist etwas, was meine große Tochter sehr wichtig fand. Sie war hellauf begeistert, dass sie ihr Trampolin aus Frankenberg wiederhaben kann – dafür war der Garten in Wiesbaden zu klein. Der Landkreis bietet vier unterschiedliche Kulissen: das Ried mit Autobahnen, ICE-Trassen, dicht besiedelt – bis an den Rhein. Dann die Bergstraße, das Weinbaugebiet am Hang. Dort gibt es schöne alte Städte mit Burgen und historischen Altstädten. Der ländliche Odenwald ist in der Struktur wie Waldeck-Frankenberg: Kommunen mit vielen Ortsteilen, große Landwirtschaft, kleine Straßen. Der einzige Unterschied: Es ist alles nah am Ballungsraum. Als vierte Kulisse gibt es noch eine Enklave am Neckar mit zwei Gemeinden, die man nur über Baden-Württemberg erreicht. Die Größe der Kommune, in der ich künftig lebe, ist mir eigentlich gleich. Wichtig ist, so nah und attraktiv wie möglich an die Kreisverwaltung in Heppenheim zu kommen. Denn meine Familie und Kinder möchte ich auch künftig so häufig wie möglich sehen.

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