Wegen fahrlässiger Tötung steht 22-Jährige vor Gericht

Angebot der Hilfe statt harter Strafe

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Frankenberg - Noch immer erschüttert über ihren Unfall am zweiten Weihnachtsfeiertag 2012 zeigte sich am Donnerstag vor Gericht eine 22-Jährige. Das Verfahren gegen sie wurde vorläufig eingestellt.

„Ich wollte doch nur den Fehler aus meiner Fahrprüfung nicht wiederholen“, sagt die 22-jährige Angeklagte und beginnt zu weinen. Am zweiten Weihnachtstag hatte sie im Kreuzungsbereich von Uferstraße und Jahnstraße einen Unfall verursacht (FZ berichtete) - ein 89-Jähriger verstarb sechs Wochen später an den Folgen. Die Frau steht wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht.

Dass sie das Geschehen noch immer schwer mitnimmt, ist sofort spürbar. Unsicher steht sie vor Verhandlungsbeginn vor dem Gerichtsgebäude, leise gibt die Frau aus Runkel ihre Personalien zu Protokoll - oft wirkt sie abwesend, fragt ihren Anwalt, was Richterin Andrea Hülshorst sie gefragt habe. Schon unmittelbar nach dem Unfall hatte sie sich tief schockiert gezeigt. Das bestätigen die beiden geladenen Zeugen. „Die junge Dame war voll in Panik und nicht ansprechbar“, sagt ein Kraftfahrer, der den Unfall beobachtete und technische Hilfe leistete. „Sie war unter Schock und ziemlich aufgeregt“, bestätigt eine 37-Jährige, die sich derweil um die Frau kümmerte.

Der Unfall an der Kreuzung war der typische Fall: Der Durchgangsverkehr auf der Uferstraße hatte Rot. Die Ampel sprang auf Grün. Die junge Frau übersah beim Linksabbiegen den vorfahrtberechtigten Vento ihres Unfallgegners. Es kam zum Zusammenstoß. „Schnell waren sie beide nicht“, sagt der Kraftfahrer aus - und gibt eine in Frankenberg oft geteilte und seither auch bestätigte Einschätzung: „Das war nicht der letzte Unfall auf der Ecke.“

Beide Beteiligten kamen nach dem Zusammenstoß ins Krankenhaus. Die Angeklagte berichtet vor Gericht, wie sie sich mit dem 89-Jährigen dort noch unterhielt. Wie er noch zu Fuß durch die Klinik ging. Andrea Hülshorst trägt aus dem Arztbericht vor, wie sich der Zustand zunehmend verschlechterte, die Atemfunktion aussetzte, der Mann Anfang Februar schließlich aufgrund von Multiorganversagen verstarb. Die Angeklagte blickt aus feuchten Augen in den Saal.

„Keine Strafe kann ein Menschenleben aufwiegen“, sagt Andrea Hülshorst nach ihrem Urteil: 50 Sozialstunden und drei nachgewiesene Besuche bei einem Psychotherapeuten. Letztere sollen ein Angebot sein, eine Hilfe zur Selbsthilfe: „Ich hoffe, dass Sie Ihren Weg finden, um wieder in die Gesellschaft reinzukommen“, sagt Hülshorst zu der Frau, die eine Ausbildung zur Altenpflege-Helferin absolviert. Sie pendelt - mit dem Bus: Ein Auto zu fahren traue sie sich bis heute nicht. Ihren Führerschein besaß die 22-Jährige am zweiten Weihnachtsfeiertag seit fünf Tagen. (gl)

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