Aus dem Gerichtssaal

Angeklagt wegen 217 Drogenverkäufen

Marburg - Ein florierendes Familienunternehmen soll ein Vater mit seinen beiden Söhnen im Oberen Edertal betreiben. Allerdings geht es dabei um Drogen. Einer der Söhne hat sich wegen Drogenhandels gestern vor Gericht verantwortet.

Der Angeklagte ist 19 Jahre alt und hat schon eine lange Liste an Straftaten auf dem Kerbholz. Seit etwa zwei Jahren handelt er laut Staatsanwaltschaft mit seinem Vater gemeinsam verschiedene Drogen: „Es ist doch unterm Strich ein Familienunternehmen gewesen - alle haben daran verdient.“ In insgesamt 217 Fällen musste der junge Mann sich gestern vor dem Marburger Amtsgericht wegen des Drogenhandels verantworten. 150 Mal habe der Angeklagte zwischen Mai 2010 und November 2011 Drogen verkauft. Die Fälle von November und Dezember 2011 schildert sie Staatsanwaltschaft in ihrer sechsseitigen Anklage schon genauer: Mit Datum, Uhrzeit und „Kundenname“ benannte sie die Taten. Beobachtungen durch die Polizei und Telefonüberwachungen ergaben die genauen Ergebnisse. Bei einer Durchsuchung fanden die Beamten dann auch fünf Gramm Marihuana.

Der Angeklagte räumte die meisten der 217 Drogenverkäufe gleich zu Beginn der Verhandlung ein - er habe immer ein bis zwei Gramm Marihuana, Cannabis oder Haschisch verkauft. Allerdings bestritt er, je Kokain oder Amphetamine verkauft zu haben.

Das Verfahren konnte gestern jedoch nicht abgeschlossen werden, da ein Vorfall ungeklärt blieb: Im Oktober 2011 soll der Angeklagte seinem Vater bei einem Drogenkauf geholfen haben. Der 19-Jährige habe den Kurier auf Waffen untersucht und einen Beutel mit Drogen entgegen genommen. Ein Zeuge sei laut Staatsanwaltschaft dabei gewesen und habe seine Aussage zu Protokoll gegeben. Der Angeklagte betritt jedoch, bei der Belieferung seines Vaters dabei gewesen zu sein. Der vorsitzende Richter Cai-Adrian Boesken jedoch erklärte, dass die detaillierte Beschreibung des Zeugen nicht frei erfunden wirke. Weil diese Tat die einzige sei, die laut Staatsanwaltschaft die Schnittstelle zum „Familienunternehmen“ beweise - und bei der mehr als nur ein oder zwei Gramm Rauschgift im Spiel waren - hielt sie daran fest. Um den Punkt zu klären wird die Verhandlung daher am 7. November fortgeführt und der Zeuge, der bei der Belieferung des Vaters dabei gewesen sein soll, gehört.

„Die Wirkung des Geständnisses bleibt erhalten“, sagte Boesken. Der Zeuge müsse zu dem Vorfall im Oktober allerdings noch gehört werden, um das Bild abzurunden. Es sei verständlich, dass der Angeklagte seinen Vater nicht belasten wolle „Aber der ist genug belastet“, erklärten die Vertreter der Staatsanwaltschaft.

Staatsanwaltschaft und Richter schlossen die Verhandlung mit einem Hinweis an den Angeklagten: „Füße ruhig halten!“, betonte Boesken. Der 19-Jährige solle weder Zeugen bedrohen, noch weitere Händel betreiben.

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