Frankenberger wegen Körperverletzung vor Gericht

Angeklagter akzeptiert "mildes Urteil"

Frankenberg/Marburg - Auf das Anraten des Landgerichtspräsidenten Dr. Frank Oehm und der Staatsanwaltschaft hat ein Frankenberger gestern seine Berufung zurückgezogen. Diese machten deutlich, dass sie das Urteil der ersten Instanz für sehr milde hielten.

Der Frankenberger hat laut Richter Oehm im Oktober 2012 seine Freundin geschlagen, weil die auf sein Handy geschaut hatte. Der Angeklagte war unter der Dusche, als jemand anrief. Die Freundin schaute nach, wer es war und sagte es ihm. Er wurde wütend und schlug ihr im Streit ins Gesicht - die Freundin erlitt eine Platzwunde, der Angeklagte fuhr sie ins Krankenhaus und drängte sie, den Ärzten zu erzählen, dass sie die Treppe hoch gefallen sei. Sie blieb mit dem Angeklagten zusammen, da sie Angst hatte. Er drohte ihr in Textnachrichten auf dem Handy, dass er sie tot schlägt. Einen Monat später zog die junge Frau zu ihm.

Im Januar 2013 besuchte ihre Mutter die junge Frau. Der Angeklagte sei genervt gewesen, wie der Richter verlas. Er habe sich nicht genug beachtet gefühlt. Als seine Freundin mit der Mutter weg fuhr, um eine Verwandte zu besuchen, schrieb er ihr beleidigende Nachrichten, beschimpfte sie als „Bohnenstange“ und „Spastentusse“ und dass sie gegen einen Baum fahren solle. Als beide Frauen zurück zur Wohnung kamen, hatte er ihre Koffer vor die Wohnungstür geworfen.

Wenige Tage später wollte der Angeklagte laut der Verlesung kuscheln. Seine Freundin wollte jedoch nicht, weil sie müde war. Es kam zum Streit. Die junge Frau wollte auf dem Sofa schlafen. Erst bewarf der Angeklagte sie mit ihrem Bettzeug und einer gefüllten Wärmflasche, dann packte er sie, zog sie über das Bett und schlug ihr mit der Faust ins Gesicht. Die junge Frau verlor das Bewusstsein. Als sie wieder zu sich kam, fuhr der Angeklagte sie ins Krankenhaus, wo sie stationär aufgenommen wurde. Sie erlitt unter anderem ein Schädelhirntrauma, eine Jochbeinfraktur und eine Platzwunde. Sie hat bis heute eine Gefühlsminderung in der linken Wange, die vermutlich bleibend ist, sagte der Richter. Nach diesem Vorfall trennte das Opfer sich von seinem Freund.

Vor dem Frankenberger Amtsgericht wurde der Angeklagte zu fünf Monaten, ausgesetzt auf sechs Monate Bewährung, verurteilt. Der Angeklagte ging in Berufung, seine Anwältin wollte gestern in Marburg ein geringeres Strafmaß, eventuell eine Geldstrafe oder sogar die Einstellung des ersten Vorwurfs aus dem Oktober 2012 erreichen. Richter und Staatsanwaltschaft gingen darauf nicht ein. „Meiner Meinung nach hat das Frankenberger Amtsgericht ein sehr mildes Urteil gesprochen“, sagte Oehm. „Bei mir wäre sicher etwas anderes herausgekommen.“ Auch die Staatsanwältin empfand das erstinstanzliche Urteil als sehr milde. Sie machte deutlich: „Wenn heute ein niedrigeres Strafmaß herauskommt, dann werde ich ein vorläufig eingestelltes Verfahren wegen Freiheitsberaubung gegen den Angeklagten wieder aufnehmen.“

Die Anwältin des Angeklagten wollte das Frankenberger Urteil reklamieren. Die Vorgeschichte ihres Mandanten sei nicht berücksichtigt worden, auch nicht, dass er versuche, beruflich auf die Beine zu kommen. Er mache Weiterbildungen, arbeite beim Sicherheitsdienst. Außerdem habe es Versäumnisse bei den Ermittlungen der Polizei gegeben - die zu Lasten ihres Mandanten gegangen seien. „Gehen Sie mal davon aus, dass diese Umstände in dem milden Urteil berücksichtigt wurden“, sagte Oehm. Dass der Angeklagte seine Berufung zurücknahm, wertete er als „Sieg der Vernunft“.

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