Frankenberg

Anklage: Lehrer soll Kinderpornos besessen haben

- Frankenberg (jos). Weil er sich wiederholt Internetseiten mit kinderpornografischen Inhalten angeschaut haben soll und laut Anklage entsprechende Dateien auf seinem Computer entdeckt worden sind, steht ein Lehrer aus dem Frankenberger Land seit Montag vor Gericht.

Die Ermittlungen gegen den Angeklagten, der die Vorwürfe abstreitet, haben bereits im Sommer 2007 begonnen: Wie ein Polizeibeamter aus Frankenberg vor Gericht berichtete, habe seinerzeit die Ex-Frau des Angeklagten Anzeige wegen Körperverletzung gegen den Mann erstatten wollen. Im Verlauf der Vernehmung habe die Frau dann geschildert, dass ihr ehemaliger Lebensgefährte „etwas mit Schülerinnen gehabt“ habe. Außerdem habe er sich nachts am Computer „Pornos mit jungen Mädchen“ angeschaut.

Der Frankenberger Polizist leitete die Vorwürfe an die Marburger Staatsanwaltschaft weiter, die eine Wohnungsdurchsuchung anordnete. Mehrere Polizisten hätten dabei im September 2007 unter anderem zwei Computer sichergestellt, berichtete der Beamte.

Franosch: Bilder zeigen sexuelle Misshandlungen

Die beiden Computer sind das zentrale Beweismittel in dem Prozess. Laut Staatsanwalt Rainer Franosch habe die Polizei festgestellt, das kinderpornografische Bilder vorhanden waren. Zur weiteren Begutachtung seien die Computer dann an einen externen Sachverständigen übergeben worden. Auf dessen Erkenntnisse stützt sich schließlich die Anklage.

Franosch bezichtigt den Lehrer, im Zeitraum von September 2004 bis September 2007 wiederholt Internetseiten mit kinderpornografischen Inhalten besucht zu haben. Außerdem seien auf den Rechnern des Angeklagten 147 Bilder entdeckt worden, die sexuelle Misshandlungen von Kindern unter 14 Jahren und teilweise auch Säuglingen zeigten. Diese Bilder seien zwar vom Angeklagten zunächst gelöscht worden, erklärte Franosch. „Sie waren aber ohne Spezialwissen schnell wieder ansehbar“, betonte der Staatsanwalt.

Der Angeklagte gab eine kurze Erklärung zu den Vorwürfen ab. Darin stritt er ab, sich Kinderpornos verschafft zu haben: „Die Aussagen und die Rückschlüsse des Staatsanwaltes treffen nicht zu“, sagte er. Das Strafverfahren sei von seiner Ex-Frau initiiert worden. Und der gehe es dabei um das Sorgerecht an dem gemeinsamen Kind. Das Kind, er selber und seine Eltern hätten seit Eröffnung des Verfahrens vieles durchmachen müssen, erklärte der Angeklagte und beklagte „gesellschaftliche Stigmatisierung“.

Wie die WLZ-FZ vorige Woche berichtete, hatte der Lehrer von Eröffnung des Verfahrens im Herbst 2007 bis zum Juni dieses Jahres weiter an einer Grund- und Hauptschule im Frankenberg Land unterrichtet. Lehrer, Eltern und Schüler dort seien über die Vorwürfe gegen den Lehrer informiert worden, hatte das Staatliche Schulamt erklärt. Erst mit der Erhebung der Anklage wurde der Lehrer schließlich im Juni dieses Jahres vorläufig vom Dienst suspendiert.

„Beim Abschlussball hat er mich angemacht“

Die Ex-Frau des Angeklagten berichtete dem Gericht, dass der Angeklagte ihr Sportlehrer gewesen sei. „Beim Abschlussball hat er mich angemacht. Alkohol war im Spiel, ich bin mit zu ihm“, sagte die junge Frau. Zunächst hätten sie eine heimliche Beziehung geführt. Dann sei sie schwanger geworden, damit sei die Beziehung „offiziell“ gewesen, das Paar zog zusammen. Einige Jahre später dann die Trennung, die Frau zog aus. Später kam sie wieder zu ihrem Mann zurück. „Er hatte versprochen, sich zu ändern“, sagte die Frau, das Paar habe einen Neustart versucht. Vor zwei Jahren dann sei sie allerdings endgültig ausgezogen.

Vor zwei Jahren auch hatte die Frau ihren Ex-Mann wegen Körperverletzung bei der Polizei angezeigt. Inhalte ihrer damaligen Aussage wurden ihr im Gericht vorgehalten. Die junge Frau bekräftige, was sie damals angegeben hatte: Sie habe gesehen, dass der Angeklagte Internetseiten mit entsprechenden Sex-Adressen aufgerufen habe.

Verteidiger Schöller fragte die junge Frau, ob sie wisse, was ein Pädophiler sei. Diese Frage konnte die Frau nicht beantworten. Was sie allerdings gesehen habe, seien Fotos von jungen Thailänderinnen unter der Schreibtischunterlage im Arbeitszimmer ihres Ex-Mannes. Er habe ihr die Fotos gezeigt und gesagt: „Geh' doch, dann hol ich mir halt ´ne Thailänderin.“ Zitternd sagte die Frau: „Ich wusste, dass er mehrmals in Thailand und Brasilien im Urlaub war.“

Weil vier Ordner mit Anlagen zu einem Sachverständigen-Gutachten bei der Marburger Staatsanwaltschaft liegen geblieben und nicht an das Frankenberger Amtsgericht und die Verteidigung versandt worden sind, musste Richterin Andrea Hülshorst die Verhandlung am Montag vorerst aussetzen. Sie werde sich bemühen, möglichst bald einen neuen Termin für die Wiederaufnahme des Prozesses anzuberaumen, sagte sie.

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