Annes Herz schlägt nicht: HNA-Volontärin macht beim Erste-Hilfe-Kurs mit

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Rettung zu zweit: Thorsten Althaus führt die Herz-Druck-Massage durch, HNA-Volontärin Michaela Pflug überstreckt den Kopf, um die Luftzufuhr zu sichern.

Frankenberg. Wer Erste Hilfe beherrscht, kann Leben retten. HNA-Volontärin Michaela Pflug frischte daher ihre Kenntnisse auf. Das ist ihre Reportage.

Ich bin als erste am Unfallort. Zufällig. Eine Frau ist ohnmächtig, ein Mann, ihr Sohn, steht neben sich. Er hat sie aus dem Auto gezogen, aber vergessen, was die Notrufnummer ist. Mein Handy hat unten eine Taste auf der nur Notruf steht. „In spätestens zehn Minuten ist jemand da“, sagt mein Gesprächspartner. Zehn Minuten die über Leben und Tod entscheiden können. Das sagt auch Thomas Drössler, der den Erste-Hilfe-Kurs leitet, den ich an diesem Tag besuche, immer wieder.

Glücklicherweise kommt die Frau wieder zu sich und mehrere andere Menschen halten an, um zu helfen, eine davon mit medizinischem Fachwissen. Und das ist gut so, denn wenn es zum Atemstillstand gekommen wäre, hätte ich nicht gewusst, was zu tun ist. Genau das ist Thema an diesem Dienstag. Nachdem noch einmal kurz besprochen wurde, was am ersten Tag des Kurses gelehrt wurde - Ablauf der Hilfeleistung, Absichern der Unfallstelle, Vitalfunktionen überprüfen und die stabile Seitenlage - geht es ans Eingemachte. Wie geht man vor, wenn jemand nicht oder nicht richtig atmet?

Nach einem Impulsvortrag sind meine 15 Mitstreiter und ich dran. Und jetzt hat auch die Hauptakteurin dieses Abends ihren Auftritt: Anne. Anne ist Norwegerin unbestimmten Alters und eine Puppe, nicht unähnlich eines Unfalldummys. Aus Hygienegründen trägt Anne an diesem Tag 16 Gesichter. Nacheinander klipsen wir die Maske an ihren Ohren fest. Dann muss jeder Anne 15 Mal beatmen. Einmal via Mund und einmal via Nase. Pustet man richtig, hebt sich ihr Brustkorb. Pustet man falsch, tut sich im Brustbereich wenig. Das Geheimnis ist es, den Kopf ordentlich zu überstrecken und Nase und Mund fest zuzudrücken. Das klappt bei mir ganz gut. Weniger gut klappt die Herzdruckmassage.

Komplett entkleidet 

Nachdem ich Annes Oberkörper entkleidet habe und sie auf einer harten Oberfläche liegt, geht es los. Meine Handhaltung ist gut, der Handballen der unteren Hand liegt mittig zwischen den Brüsten und ist parallel zu den Schultern. Allerdings drücke ich zu zaghaft, vier bis fünf Zentimeter sollte man einsinken. „Böse Zungen behaupten ja, zu einer guten Reanimation gehören drei gebrochene Rippen“, sagt Thomas Drössler. Doch nicht nur mich plagt die Angst etwas falsch zu machen: „Was tut man denn, wenn die Rippe wirklich bricht?“ fragt eine andere Teilnehmerin. Einfach weiter machen, lautet die Antwort, „das Falscheste ist immer, nichts zu machen“.

Danach folgt Runde Drei: Die Kombination von Herz-Massage und Beatmung, die Herz-Lungen-Wiederbelebung. 30 Mal drücken, zwei Mal pusten, immer im Wechsel. Das ist ganz schön anstrengend und obwohl wir nur üben und das weit kürzer als zehn Minuten, gerate ich leicht ins Schwitzen. Glücklicherweise ist man selten alleine an der Unfallstelle, daher üben wir danach zu zweit. Da kommt dann auch der AED zum Einsatz, ein Laien-Defibrillator, der inzwischen an vielen öffentlichen Orten hängt. Mir ist das Gerät sofort sympathisch, denn es misst den Herzschlag und erzählt einem dann genau, was zu tun ist. Aber auch so klappt es mit jeder Wiederholung besser. Die Routine wächst und am Ende des Abends fühle ich mich viel sicherer. Das einzige was ich bereue, ist das ich nicht an allen vier Kursabenden dabei sein kann.

Von Michaela Pflug

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Quelle: HNA

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