Pläne für Asylantenbewerberheim im Löhlbacher Ortskern auch den Bürgermeister

Anwohner in Löhlbach starten Unterschriftenaktion

Das Gasthaus im Löhlbacher Ortskern ist an einen Investor verkauft, der das Gebäude dem Landkreis als Wohnheim für Asylbewerber zur Verfügung stellt. Die Nachbarn haben jedoch ein Problem mit der geplanten Anzahl der Bewohner, der Bürgermeister zweifelt an einem ausreichenden Brandschutz. Fotos: Andrea Pauly

Haina-Löhlbach - Ein Wohnheim für 42 Asylbewerber mitten im Dorf, ohne Garten oder Hof - diese konkreten Pläne beunruhigen die Anwohner aus der unmittelbaren Nachbarschaft. Der Bürgermeister hat derweil Bedenken wegen des Brandschutzes.

Es geht nicht darum, wer in das Haus einzieht, indem sich bisher das Gasthaus Möller befindet, sondern darum, wie viele, betont das Ehepaar Schnell. Die beiden Anwohner der Mittelstraße sind besorgt - „und der ganzen Nachbarschaft geht es genauso“, sagt Elvira Schnell. Die Nachricht, dass aus dem bisherigen Gasthaus Möller ein Heim für Asylbewerber werden soll (siehe Kasten), haben sie und ihre Nachbarn aus der Zeitung erfahren. „Wir können gut verstehen, dass der Besitzer das Haus verkaufen will“, betont sie. Dass die Eigentümer ihre langjährigen Nachbarn allerdings nicht persönlich über die Pläne informiert hatten, sei nicht gut angekommen.

Die Verwendung des Gebäudes für die Unterbringung von Flüchtlingen sei überhaupt nicht das Problem, betont das Ehepaar - sehr wohl aber die Anzahl der vorgesehenen Bewohner. Zunächst sollen 32, nach dem Ausbau des Saals sogar 42 Menschen im bisherigen Gasthaus Möller leben - viel zu viele, finden die Schnells: „Das ist nicht tragbar. Die werden ja eingepfercht“, sagt die 66-Jährige kopfschüttelnd. „Das sind mehr Leute, als jetzt in der ganzen Mittelstraße wohnen.“ Ähnlich hatten sich in der vergangenen bereits Bürgermeister Rudolf Backhaus als auch Ortsvorsteher Wolfgang Landau geäußert. Backhaus hatte etwa 20 Bewohner als angemessene Anzahl genannt.

Die Schnells beschäftigt besonders die Tatsache, dass es kein Grundstück rund um das Gebäude gibt. Denn so könnten die künftigen Bewohner sich nur auf der Straße aufhalten, wenn sie vor die Tür wollen. „Im Haus gibt es doch höchstens die Kneipe, und die ist nicht groß genug für 42 Personen. Und wenn man nichts zu tun hat, baut das doch Frust auf.“

Nachdem Elvira Schnell in Gesprächen mit den Nachbarn festgestellt habe, dass dort eine ähnliche Meinung herrsche, startete das Ehepaar eine Unterschriftenaktion in der Mittelstraße. Die Bewohner aller Häuser, an deren Tür Elvira Schnell klingelte, hätten unterzeichnet, berichtet sie. Das Schreiben mit den 29 Unterschriften wollen die Schnells heute an Bürgermeister Backhaus übergeben.

Darin heißt es, die aktuellen Pläne seien „eine Zumutung sowohl für die Flüchtlinge als auch für die Anwohner“, die das „Opfer profitgieriger Investoren“ seien. Die Unterzeichner fordern sowohl eine menschenwürdige Unterbringung der Asylbewerber als auch Rücksichtnahme auf die Bewohner der Mittelstraße.

Denn die Nachbarschaft sorge sich auch um den Frieden und die Ordnung. Bei so vielen Personen mit unterschiedlichen Sprachen sei die Verständigung schwierig und Ärger somit programmiert, erklärt Elvira Schnell. „Und bei so vielen Leuten ist eine Belästigung nicht vermeidbar“, ergänzt ihr Mann. Einige Bürger befürchteten, dass der Wert ihrer Immobilien sinke. Zudem fragen sich die beiden, wo der Müll von 42Personen gelagert werden soll.

Rudolf Backhaus hat Verständnis für die Sorgen der Anlieger, will sich aber vorerst nicht dazu äußern, sondern sich erst am Donnerstag mit den Beigeordneten im Gemeindevorstand beraten. Allerdings betonte er, dass baurechtlich noch einige Fragen offen seien. Er mache sich vor allem Gedanken um den Brandschutz in dem Haus im Ortskern von Löhlbach. „Unserer Feuerwehren müssen da Schritt halten können“, betont er, „Sie müssen dazu angehört werden.“ Sogar eine Brandmeldeanlage könne notwendig werden - die Finanzierung liege jedoch in der alleinigen Verantwortung des Landkreises.

Auch in der Sitzung der sieben Feuerwehren der Großgemeinde am Freitagabend hatte Backhaus das Thema angesprochen. Es könne durchaus sein, dass in dem Asylbewerberheim Personen untergebracht würden, die das Thema Brandschutz nicht besonders ernst nähmen - etwa beim Kochen auf mobilen Platten.

„Bevor es an die Umsetzung geht, solltet Ihr sehr kurzfristig Eure Meinung dazu sagen“, forderte er Gemeindebrandinspektor Joachim Gatzke und die Löhlbacher Wehrführung auf. „Wenn man solche Unterkünfte deklariert, muss man auch weiterdenken“, forderte der Bürgermeister in Richtung Kreisverwaltung.

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