Obstversteigerung lockt vor allem Besucher aus Wittgenstein

Apfelgenuss für eine Handvoll Euro

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Die zehnjährige Noelle ist stolz auf ihren Apfelbaum, den sie für sieben Euro ersteigert hat. Günther Belz (links) versieht die Bäume mit Nummern, damit die Bieter „ihr“ Obst nach der Auktion finden.Fotos: Mark Adel

Battenberg-Laisa - Sie werden zu Saft, Marmelade, Viehfutter oder Kuchen: Rund 60 Bäume unterhalb von Laisa hängen im Herbst voll mit leckerem Obst. Sie sind Eigentum der Stadt, die die Bäume traditionell jedes Jahr versteigern lässt.

„Der ist mir die zehn Euro wert!“, Inge Stricker beißt in einen leuchtend grünen Apfel, lächelt zufrieden und schaut auf den Baum, von dem das Obst stammt. Er gehört ihr, zumindest einen Herbst lang: Per Versteigerung hat sie das Recht erworben, das Obst zu pflücken und mitzunehmen.

Es ist ein kalter Herbstmorgen im Laisaer Feld. Der Himmel ist blau, die Luft klar, die Äpfel leuchten rot und grün von den Bäumen. Sie stehen im Mittelpunkt an diesem Tag. An einigen Bäumen hängen zwar auch Zwetschen und Birnen, doch sie spielen bei der Versteigerung nur eine Nebenrolle. Baum für Baum wird begutachtet und versteigert.

Das Startgebot liegt bei einem Euro. Etwa 20 Obstkenner hoffen auf Schnäppchen, die es durchaus gibt: Der teuerste Baum an diesem Vormittag bringt gerade mal 16 Euro - „ein Schnäppchen im Vergleich zu dem, was man im Supermarkt für Äpfel zahlt“, sagt Ortsvorsteher Jörg Paulus. Und: Der Käufer weiß, wo „sein“ Obst herkommt. Dennoch: Das Interesse am heimischen Obst lässt immer mehr nach und somit auch die Teilnehmerzahl an den Obstversteigerungen. Viele Kommunen in der Region haben das ganz aufgegeben, Laisa und Berghofen zählen zu den letzten. Das dabei eingenommene Geld wird für städtische Zwecke verwendet. Günther Belz hat seit seit seiner Wahl zum Ortsvorsteher 1981 die Versteigerungen geleitet, in diesem Jahr ist erstmals sein Nachfolger Jörg Paulus Auktionator - 2012 fiel die Versteigerung wegen der schlechten Ernte aus. Mit „Laisaer Wasser“, dem beliebten Schnaps, wärmt Paulus die Gäste auf. Die kommen fast alle aus dem Wittgensteiner Land, denn dort fällt die Obsternte viel geringer aus als im oberen Edertal.

„Wichtige Einnahmequelle“

Benötigt werden die Äpfel für ganz unterschiedliche Zwecke. Olaf Kettler aus Erndtebrück zum Beispiel will „Leckerlis für meine Rinder“. Er ist zum ersten Mal bei der Laisaer Obstversteigerung.

Wolfgang Stricker sucht gemeinsam mit Ehefrau Inge die schönsten Apfelbäume aus. „Für uns, die Kinder und die Enkelkinder“, erzählt er. In Laisa hat das Ehepaar schon häufiger Obst ersteigert, genauso wie Richard Beuter aus Wingershausen. „Ich komme bestimmt seit 25 Jahren.“ Das Obst kocht er den Winter über ein. Er habe zwar selbst einen Apfelbaum, „aber bei uns ist es einfach zu kalt“. Laisaer Obst im Wittgensteiner Land: Das gibt es schon seit Jahrzehnten, weiß Ehrenortsvorsteher Günther Belz aus Erzählungen. „Das war früher eine wichtige Einnahmequelle.“ Schon vor dem Zweiten Weltkrieg hätten die Laisaer die Äpfel gepflückt, in große Körbe gepackt und abends zu Fuß mit Schubkarren zum Holzhäuser Bahnhof gebracht.

Am nächsten Morgen sei das Obst in den Zug verladen worden und die Laisaer fuhren ins Wittgensteiner Land: „Vier Wochen lang ging das so“, erzählt Belz. Heute kommen Wittgensteiner wie Manfred Roch aus Feudingen nach Laisa. Er ist ein weiterer Stammgast und ersteigert sechs der Bäume. Das ergibt eine Ernte von etwa zwei bis drei Zentner Äpfeln, schätzt er. „Ich mache Saft daraus“, und deshalb achtet er bei der Ersteigerung auf die richtige Sorte. „Zu Hause habe ich auch einen Baum, aber der erfriert fast jedes Jahr.“

Die letzte Bieterin des Tages ist die zehnjährige Noelle aus Frankenberg: Für sieben Euro bekommt sie einen eigenen Apfelbaum am Letterberg. Sie probiert sofort und ihr ist anzusehen: Auch dieser Baum war jeden Euro wert.

Von Mark Adel

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