Frankenberg

Applaus für barocke Meisterwerke

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- Frankenberg (mjf). Festliches Konzert zum ersten Advent mit der Kantorei der Liebfrauenkirche unter der Leitung ihres neuen Kantors Daniel Gárdonyi und Solisten. von Martin J. Fischer

Das Programm stand ganz im Zeichen des Generalbass-Zeitalters – besser bekannt als Barock. Von Johann Sebastian Bach stammen die Kantate „Nun komm der Heiden Heiland“ – im Bach-Werkverzeichnis die Nummer 62 – und das Doppelkonzert für Violine und Oboe – im Bach-Werkverzeichnis die Nummer 1060R. Danach wurde Antonio Vivaldis „Magnificat“ – Nummer 610 im Ryom-Verzeichnis – in der nahezu voll besetzten Liebfrauenkirche zu Gehör gebracht.Eröffnet wurde der Abend mit dem prächtigen Eingangschor der Kantate Nummer 62, die Johann Sebastian Bach innerhalb des Choralkantatenjahrgangs zum 1. Advent 1724 geschrieben hatte. Bereits zu Beginn beeindruckten Chor und Orchester durch präzises und vor allem lebendiges Zusammenspiel.

Gárdonyi gelang es, einen ausgewogenen, voluminösen Chorklang zu schaffen. Das schwungvoll pulsierende Metrum der Continuogruppe des Kammerorchesters vermischte sich mit zwei Oboen und Streichern zu einem homogenen, vollen Orchester-„Sound“. Anstelle des vorgesehenen obligaten Solo-Horns verstärkte eine Oboe als Mittler zwischen Chor und Orchester die Weise beim Mitspielen des Sopranparts in den Chorsätzen. Selbst in vermeintlich kritischen, polyphonen Passagen des ersten Satzes produzierte Gárdonyi einen robusten Chorklang, ohne die von Bach verlangte Transparenz missen zu lassen.

Der Tenor Wolfgang Thiemann aus Köln bewältigte die anspruchsvollen Koloraturen des zweiten Kantatensatzes „Bewundert, o Menschen, dies große Geheimnis“ hinreichend. Die folgende Bassarie „Streite, siege, starker Held“ bildete nicht nur einen inhaltlichen, sondern auch einen musikalischen Kontrast zu den umrahmenden Kantatensätzen. Thomas Wiegand aus Melsungen führte die virtuosen Partien mit gewohnt kraftvoller Stimme mühelos aus. Das sich anschließende ruhige Duett-Rezitativ der Sopranistin Marie-Pierre Roy aus Stuttgart und der Mezzosopranistin Lidia Vinyes-Curtis aus Köln führte das Publikum mit sanft-beschwingter Leichtigkeit wieder in die besinnliche Stimmung des Kantatenbeginns zurück, bevor schließlich in mäßigem Tempo der Schlusschoral angestimmt wurde.

Eingebettet zwischen den zwei Vokalwerken wurde Bachs Konzert für Oboe und Violine dargeboten. Das lediglich als Cembalokonzert überlieferte Werk entstand vermutlich in den Jahren zwischen 1717 und 1720, die Bach in Köthen zugebracht hat. Vielseitig flexibel, bestachen die Oboistin Sabine Nobis aus Kassel und der aus Frankenberg stammende Violinist Matthias Erbe ausdrucksstark durch ein gleichberechtigt dialogisierendes Zusammenspiel in allen drei Sätzen. Das „Magnificat“ in g-Moll von Antonio Vivaldi existiert in vier unterschiedlichen Fassungen. Die ursprüngliche, für Chor und Orchester arrangierte Version ist auf das zweite Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts zu datieren. In diesem Werk verstand es Gárdonyi erneut, die Klangfülle der Kantorei und des Kammerorchesters im Kirchenraum voll auszuschöpfen. Den musikalisch überzeugenden Gesangssolisten wurde auch in diesem Stück ein hohes technisches Können abverlangt. Alles in allem bot die Kantorei mit ihrem neuen musikalischen Leiter ein gelungenes, facettenreiches Konzert auf einem hohen musikalischen Niveau, für das sich das Publikum mit einem lang anhaltenden Applaus bedankte.

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