Haina (Kloster)

Arbeit in der Gärtnerei hilft bei der Therapie von Forensik-Patienten

- Haina (Kloster) (apa). Wenn Patienten der Forensik Pflanzen wässern, Blumensträuße binden oder Kränze stecken, geht es eigentlich gar nicht um die Blumen. Die Pflanzen sind vielmehr ein Mittel zum Zweck und Werk­zeuge für den Rückweg
in ein normales Leben.

Auf den ersten Blick sieht die Gärtnerei am Dorfrand von Haina aus wie jede andere: Auf einem Feld blühen bunte Blumen, in Gewächshäusern stehen lange Reihen voller Topfpflanzen und im neuen Verkaufsraum gibt es Gestecke, einzelne Blumen, Zierkürbisse und typische Wohnzimmerpflanzen zu kaufen. Doch hier stehen die Pflanzen nur auf den ersten Blick im Vordergrund. In erster Linie ist die Gärtnerei ein Therapieangebot für Patienten der Vitos Klinik für forensische Psychiatrie (KffP), die aufgrund von psychischen Krankheiten Verbrechen begangen haben. Die Patienten lernen dort nicht nur, richtig zu pflanzen und zu wässern oder Kränze und Sträuße zu binden, sondern gewöhnen sich auch an Aufgaben, die zu einem normalen Alltag gehören: Listen abzuarbeiten, pünktlich zu sein, zu planen, zu organisieren und Verantwortung zu übernehmen. Mit dem neuen Verkaufsraum kommt ein weiteres Lernfeld hinzu: der Kontakt mit der Öffentlichkeit. Unter Anleitung und Aufsicht von Ergotherapeuten sowie Gärtner- und Floristenmeistern, teilweise mit Doppelqualifikation, können die Patienten Kunden beraten und Pflanzen verkaufen. „Die Sicherheit steht über allem“, betont Thomas Madsack. Er ist der Leiter der Co-Therapien der KffP Haina und Gießen, zu denen auch die Ergotherapie zählt. Die Patienten sind in der Gärtnerei niemals allein – und auch, wenn sie im Verkaufsraum tätig sind, ist immer ein Mitarbeiter in der Nähe. Schließlich geht es bei der Ergotherapie darum, die Patienten zu beobachten und zu kontrollieren, wie sie sich verhalten und ihre Qualifikationen sich entwickeln. In den 20 Jahren, in denen Madsack in der Ergotherapie der Forensik in Haina und Gießen tätig ist, sei es noch nie zu einem Zwischenfall gekommen, betont er. Bei der Arbeit in der Ergotherapie werden die Patienten beobachtet. Ihre Entwicklung in beruflichen Schlüsselqualifikationen und Sozialverhalten werden dabei genau dokumentiert. In der Forensik bekommen viele Patienten eine neue Chance: Während sie therapiert werden, können sie eine Ausbildung beginnen – damit hat die Ergotherapie einen doppelten Nutzen, denn die Patienten sind im Durchschnitt ohnehin etwa vier Jahre in der forensischen Klinik. Neu: Lehre zum Floristen Nicht alle Patienten beenden die Ausbildung auch dort: Manche führen sie nach ihrer Entlassung in der freien Wirtschaft fort, andere haben persönliche Probleme mit der jeweiligen Arbeit oder werden wieder psychotisch, erläutert Gärtnermeister Jörg Winkler die Hintergründe.

Der neue Verkaufsraum der Gärtnerei wird am Montag, 27. September, ab 9.30 Uhr mit einem kleinen Grillfest offiziell eröffnet. Dazu ist auch die Öffentlichkeit eingeladen.

Mehr lesen Sie in der Samstagsausgabe der Frankenberger Zeitung.

Kommentare