Frankenberg

Der Arzt muss wissen, was der Patient will

- Frankenberg (mba). Wie verschaffe ich meinem Willen im Krankheitsfall Geltung, auch wenn ich ein Pflegefall bin? Dies war das Hauptthema beim „Tag der Vorsorge“. Es ging um Vorsorgevollmachten und Patientenverfügungen.

„Wichtig ist: Sagen Sie, was Sie wollen. Und sagen Sie es auf Deutsch, damit wir Ärzte es verstehen.“ – So lautete der erste Rat von Dr. Stephan Eisfeld, Assistenzarzt am Frankenberger Kreiskrankenhaus, zum Verfassen einer Patientenverfügung. Er beleuchtete das Thema beim „Tag der Vorsorge“ im Frankenberger Amtsgericht aus Sicht der Mediziner. Zusammen mit den beiden Richtern Dr. Marco Herzog und Regine Wagner sowie Pfarrerin Christine Kunkel, die am Marburger Klinikum als Seelsorgerin tätig ist, informierte er die rund 90 Zuhörer über den rechtlichen Rahmen von gesetzlicher Betreuung, Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung. Eisfelds Schilderungen waren deshalb besonders interessant, weil er aus erster Hand berichtete, wie Ärzte mit dem schriftlich niedergelegten Willen eines Patienten umgehen – und was zu beachten ist, damit sie dies tun können. „Die Verfügbarkeit der Erklärung liegt in der Verantwortung des Patienten“, betonte der Mediziner. Mit anderen Worten: Wenn der Notarzt sie nicht vorliegen hat, weiß er nicht, was der Patient will, kann also auch nicht darauf Rücksicht nehmen. Eisfeld: „Ohne Vorlage der Dokumente keine Konsequenzen.“ Er wies darauf hin, dass im juristischen Sinne Erklärungen von Verwandten, selbst des Ehepartners, für die medizinische Behandlung keinen Belang haben. Es sei denn, dies ist schriftlich festgelegt. „Wollen Sie das?“ Auch welche medizinischen Aspekte und Behandlungsmethoden in der Patientenverfügung aufgeführt werden sollten, erklärte Eisfeld. Das sind vor allem künstliche Ernährung, künstliche Beatmung, Blutwäsche und Nierenersatztherapie, Wiederbelebung, Medikamentengabe, besonders der Einsatz von Antibiotika, sowie Schmerzbehandlung. Dies alles sind Maßnahmen, die unter Umständen lebensverlängernd wirken. „Nehmen Sie Stellung dazu: Wollen Sie das oder wollen Sie es nicht“, forderte der Arzt seine Zuhörer auf. Seine Vorredner, die beiden Richter Herzog und Wagner hatten detailliert erklärt, in welcher Form Betreuungsverfügungen und Vorsorgevollmachten zu verfassen sind und wie im Falle der Hilfsbedürftigkeit eines Patienten verfahren wird. Dieser hat mit entsprechenden – schriftlich niedergelegten – Verfügungen und Vollmachtserklärungen die Möglichkeit, auf das ganze Verfahren einzuwirken, selbst wenn er bei Eintritt der Hilfsbedürftigkeit seinen Willen nicht mehr zum Ausdruck bringen kann. „Wenn man über eine Vorsorgevollmacht nachdenkt, sollte man sich genau überlegen: Wer handelt und entscheidet dann für mich“, sagte Herzog. „Angehörige können per se keine rechtsverbindlichen Entscheidungen für Sie treffen. Dafür ist eine Vorsorgevollmacht nötig.“ In einer solchen Vollmacht kann man eine Person des Vertrauens benennen und auch wzusätzliche Handlungsanweisungen geben. So können etwa Regelungen zu den Aspekten medizinische Behandlung und Pflegebedürftigkeit, Aufenthalt und Wohnen, Vermögen sowie Behördenangelegenheiten getroffen werden. Wer beim Verfassen der Erklärung auf Nummer Sicher gehen will, sollte ein amtliches Musterformular benutzen und es notariell beglaubigen lassen. Die Vollmacht sollte auch im zentralen Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer registriert werden. Musterformulare gibt es zum Beispiel im Internet auf der Seite des Amtsgerichts Frankenberg (www.ag-frankenberg.justiz.hessen.de) unter der Rubrik „Service“ . Erstaunt waren die Zuhörer, als Herzog erklärte, dass eine Vollmacht auch über den Tod hinaus Gültigkeit besitzen kann, etwa bei Eigentums- und Grundstücksfragen, und dass sie gilt, sobald sie dem Bevollmächtigten ausgehändigt wurde – auch wenn der Verfasser noch längst nicht hilfsbedürftig ist.(mba)

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