Arzt soll von Drogensüchtigem Sex für Verschreibung von Medikamenten verlangt haben

Marburg. Die Frage, ob ein Marburger Arzt von einem Drogensüchtigen Sex gegen Medikamente verlangt hat, ist auch am zweiten Verhandlungstag vor dem Amtsgericht Marburg offen geblieben.

Das Verfahren ist schwierig, weil der damals 21-jährige Drogenabhängige inzwischen verstorben ist. Die Anklage stützt sich weitestgehend auf dessen Aussagen über den Missbrauch bei der Polizei. Dort hatte er behauptet, dass auch andere junge Männer dem Arzt sexuelle Dienste geleistet hätten. Das bestritt einer als Zeuge. Ihm sei nichts passiert, und er sei auch noch immer Patient bei dem Arzt.

Der Psychologe des jungen Mannes war im Zeugenstand, sein Patient habe ihm ausführlich von den Vorfällen berichtet, sagte er. Die Anzeige habe er erstattet, nachdem eine junge Frau in der Wohnung, die der Arzt zu Verfügung gestellt hatte, mit Heroin angefixt habe. „Da hat er einen Schlussstrich unter das Abhängigkeitsverhältnis ziehen wollen.“

Verteidiger Hans Joachim Wölk kritisierte die Aussage des Psychologen. Sein Patient habe ihn nicht von der Schweigepflicht entbunden und nicht gewollt, dass er etwas sage. Dem hielt der Zeuge entgegen: „Ich verfolge die Interessen meines Klienten. Wenn er tot ist, kann er hier nicht sitzen, ich aber schon.“ Der angeklagte Arzt habe erfolglos Beschwerde bei der Therapeutenkammer gegen ihn eingelegt, „er wollte mich möglicherweise einschüchtern“. Die Kammer habe aber das Okay zur Aussage gegeben.

Der Verstorbene selbst hatte bei einer richterlichen Vernehmung seine Vorwürfe zurückgezogen. Richterin Isabelle Rojahn bestätigte, dass er zwar von Medikamenten und auch Geld berichtetet hatte, aber auch sagte, er habe sie ohne Gegenleistung bekommen. Er habe auch nicht alles bekommen, was er wollte, sondern die Medikamente dosiert in der Apotheke geholt. Die sexuellen Kontakte zum Arzt waren freiwillig, sagte der Mann zur Richterin.

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Von Heiko Krause

Quelle: HNA

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