Junger Kabarett-Poet Philipp Scharri faszinierte mit seinen Sprachspielereien

Auch Wörter haben Gefühle

Wortspieler mit Zungenbrechern: Der junge Kabarettist Philipp Scharri, bereits Träger mehrerer deutscher Kleinkunst-Preise, ließ beim Frankenberger Kulturring zweieinhalb Stunden lang Sprache sprudeln. Foto:  Völker

Frankenberg. Philipp Scharri lebt, liebt, spielt, leidet und kungelt mit Sprache. Und wenn einem auch manches in dieser Welt noch so ungereimt vorkommt – der Wortkünstler macht einen Reim darauf, sein Körper formt die Buchstaben bis in die Fingerspitzen mit. Auf der Bühne der Ederberglandhalle faszinierte der Kabarett-Poet, der auf Einladung des Frankenberger Kulturrings mit ideensprudelnder „Stand-Up-Poetry“ auftrat, am Donnerstagabend ein höchst amüsiertes Publikum, das mit seinem lebhaften Beifall noch zwei Zugaben forderte.

„Der Klügere gibt Nachhilfe“ stand als Motto über dem Programm, war aber alles andere als eine oberlehrerhafte Linguisten-Vorlesung vom Schlage „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“, auch wenn manchmal über Grammatik und Wortbedeutungen ganz trickreich nachgedacht wurde und generell ein „latenter Antisemantismus“, so Scharri, zu bekämpfen war.

Stattdessen schärfte der sympathische Sprachspieler auf seine Art Augen und Ohren für Wörter und ihre Beziehungen, sang die Ballade vom „Verb, das ein Nomen sein wollte“ und zog für sich die Konsequenz: „Bedenke doch beim Sprachenspiele: Auch die Wörter ham’ Gefühle!“

Philipp Scharri, der gebürtige Bonner Poetry-Slammer, Kabarettist und Performance-Poet, hat schon die wichtigsten deutschen Kleinkunst-Auszeichnungen abgestaubt, war 2009 deutschsprachiger Poetry-Slam-Champion im Einzel und Team und konnte sich in diesem Jahr noch den Thüringer-Kleinkunstpreis abholen. Sein Bekenntnis in Frankenberg: Sprache ist schön und kann Spaß machen, aber auch verrührt und vermanscht werden, wenn es beispielsweise um ein Hähnchen-Sandwich geht.

Nebenbei fordert er auch angesichts verhasster Anglizismen schon mal „Toleranz für arme Wörter, die aus dem Ausland kommen, weil sie sich hier eine bessere Zukunft versprechen“.

Wie man mit Sprache auch kämpferisch umgehen kann, zeigt Scharri mit realen und grotesken Geschichten. „Geht es ums Gefühl, wird jeder Satz ein Zungenbrecher“, singt er am Klavier. Und damit ist er auch schon beim Thema Liebe: Er hat ein verstaubtes Eheberatungsbuch mitgebracht, eine „Beziehungskistenliste“ entrollt, er wandelt Film-Trailer in Hörspiele um, reimt und rennt und plaudert, zweieinhalb Stunden mit nur 15 Minuten Pause.

Zu seinen Wort-Paradestücken wird ein Sketsch im Hause des Königsberger Philosophen Immanuel Kant mit allen großen Denkern dieser Welt, die hier ihren Senf dazu geben und gute Miene zum verpfefferten Hühnchen machen. Aber immerhin, so findet Philipp Scharri heraus: „Hier wurde der kulinarische Imperativ entwickelt!“

Von Karl-Hermann Völker

Quelle: HNA

Kommentare