Premiummarke dünnt Händlernetz aus: Traditionsreiches Autohaus Maurer in der Jahnstraße konzentriert

Wer Audi kaufen will, muss Landkreis verlassen

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Frankenberg - Audi-Fahrer müssen ab Frühjahr eine längere Anfahrtszeit zu ihrem Händler des Vertrauens in Kauf nehmen: Die Premium-Marke mit den vier Ringen will das Händlernetz ausdünnen und bat auch das Autohaus Maurer in Frankenberg um Beendigung der Geschäftsbeziehungen. Im Landkreis gibt es somit keinen offiziellen Audi-Partner mehr.

„Es ist wie eine Last, die von unseren Schultern fällt“, sagt Matthias Maurer, der gemeinsam mit seinem Bruder Frank das alteingesessene Autohaus Maurer in der Jahnstraße führt. Die Firma feiert im Herbst immerhin das 120-jährige Bestehen. Einerseits hängt das Herz an Audi, vor allem von Frank Maurer. Mit dem Vorgänger DKW arbeiteten die Vorfahren der Brüder schon ab 1925 zusammen. Andererseits sei die Belastung, vor allem finanzieller Natur, seit Jahren enorm. Seit 2006 war Maurer nicht mehr offizieller Partner der Premiummarke, sondern nur noch anerkannter Vermittler. Zunächst bezog Maurer die Autos über Lohmann in Korbach, nach der Aufgabe des Standorts über Ostmann aus Wolfhagen. Und doch mussten die Vorgaben aus dem Konzern penibel erfüllt werden: angefangen von der Farbe der Fliesen über die Ausrichtung der Lampen in der Ausstellungshalle bis zur strikten Trennung von Audi und Volkswagen. Polo, Golf und Passat vertreibt Maurer weiter in eigenem Namen und bietet Service an.

„Wir haben seit Langem überlegt, ob wir uns von Audi trennen und voll auf VW setzen“, erklärt Frank Maurer gegenüber der Heimatzeitung: Weil die Anforderungen, Standards und damit die Kosten immer weiter gestiegen seien, der Umsatz jedoch nicht in ähnlichem Maße geklettert ist. In Zahlen: Maurer verkauft im Jahr dreimal mehr Volkswagen als Audi. Auch beim Service bilde VW mit 75 Prozent den Schwerpunkt. „Jetzt hat uns Audi mit dem Angebot den Entschluss abgenommen.“

„In den Augen von Audi sind wir zu klein. Wenn wir den Vertrag an Audi zurückgeben, trägt das auch zur finanziellen Festigung und Optimierung der Kostenstruktur bei“, sagt Matthias Maurer.

Im Sinne der Firma und vor allem der insgesamt 15 Mitarbeiter sei die Trennung von Audi sinnvoll. „Wir haben uns in den vergangenen Jahren wirklich gut entwickelt. Wir hatten Spaß mit den zwei Marken. Das ist jetzt eine weitere Konsolidierung, die uns aber leichtfällt.“ Denn viel länger als drei oder vier Jahre hätten sie sich die Geschäftsbeziehungen zu Audi vermutlich nicht mehr leisten können, glauben die Brüder. Insofern würden sie in den nächsten beiden Wochen die Verträge unterzeichnen und die Partnerschaft mit Ostmann beenden.

Audi-Fahrer können weiter zu Maurer in die Werkstatt kommen, aber nur, „wenn die Autos aus der Gewährleistung draußen sind“, erklärt Frank Maurer, der Obermeister der Kfz-Innung ist. Einen Stempel ins Scheckheft darf Maurer nicht machen. „Wir konzentrieren uns jetzt auf den Service und Handel mit Volkswagen“, sagt Frank Maurer. In der frei werdenen Audi-Halle wollen die Brüder die hochwertigen Gebrauchten präsentieren: Der ein oder andere Audi könnte sogar darunter sein.

In einer Betriebsversammlung seien am Dienstag die Mitarbeiter über ihren Entschluss informiert worden. „Es war eine Erleichterung zu spüren“, erklärt Matthias Maurer. Kündigungen gibt es nicht. Auch ihr Vater Heinrich Maurer trage die Entscheidung mit.

Audi sei der Überzeugung, als Premiummarke auch Premiumstandards setzen zu müssen, erklärt Frank Maurer. „Und angeblich seien Premiumkunden auch bereit, für diesen Premiumstandard auch mal 50 Kilometer in die Werkstatt zu fahren.“ BMW verfüge deutschlandweit ebenfalls „nur“ über ein Netz von 750 Partnern, Audi habe noch 1500. „Sie wollen große Standorte in der Stadt und keine kleinen in der Fläche.“ Von der Auto-Karte Waldeck-Frankenbergs verschwindet Audi somit endgültig. Die nächsten offiziellen Händler gibt es in Fritzlar, Gießen und Winterberg.

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