Startschuss für die Mitarbeiter der ersten Verwaltungsgemeinschaft in Hessen

Auftakt ohne Aufregung

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Lange haben sich Stefan Noll und seine Kollegen auf den Start der Verwaltungsgemeinschaft Allendorf-Bromskirchen vorbereitet, gestern ging es dann offiziell los. Der Leiter der Haupt- und Finanzverwaltung in Allendorf ist optimistisch gestimmt.Foto: Treude

Allendorf (Eder) - Am Montagmorgen haben die Angestellten der Verwaltungen in Allendorf und Bromskirchen ihre Arbeit in der neuen Verwaltungsgemeinschaft offiziell aufgenommen. Stefan Noll, Leiter der Haupt- und Finanzverwaltung in Allendorf, sieht seine Kollegen gut gerüstet.

Der Inhalt der ersten Briefe, die Stefan Noll mit dem neuen Briefkopf der Verwaltungsgemeinschaft Allendorf (Eder)-Bromskirchen verschickt hat, war für die Empfänger nicht unbedingt erfreulich. Der Leiter der Allendorfer Haupt- und Finanzverwaltung teilte Bewerbern auf eine Ausbildungsstelle eine Absage mit. Ein junger Mensch hingegen darf sich freuen. Der Lehrling mit Berufsziel Verwaltungsfachangestellter wird ab 1. September der erste Angestellte der Verwaltungsgemeinschaft sein. Denn die derzeitigen Mitarbeiter bleiben Angestellte der Gemeinden Allendorf und Bromskirchen.

Es sind zum Start dieses landesweiten Pilotprojektes viele Kleinigkeiten, auf die die Mitarbeiter achten müssen - sei es das Sortieren der Post nach Gemeinde und Verwaltungsgemeinschaft oder das Anbringen des richtigen Siegels. Dennoch: „Für mich ist das heute ein ganz normaler Arbeitstag“, sagt Stefan Noll gänzlich unaufgeregt.

Das liegt vor allem auch daran, dass die Vorbereitungen bei den Angestellten bereits seit dem Beschluss zur Gründung der Verwaltungsgemeinschaft im Sommer laufen. Ab Oktober habe es Treffen der einzelnen Abteilungen gegeben. Dort wurde mit den Bürgermeistern Claus Junghenn und Karl-Friedrich Frese das Vorgehen besprochen. Wie unterscheidet sich die Arbeit in Bromskirchen von jener in Allendorf? Was kann wie am effektivsten zusammengeführt werden? Für welche Bereiche kommt eine Zusammenarbeit noch zu früh?

Manche Entscheidung war durch die bestehende enge Kooperation der Gemeinden naheliegend. Denn die Kasse und das Standesamt wurden bereits vor einigen Jahren zusammengelegt. Dadurch sind zwei Mitarbeiterinnen aus Bromskirchen schon seit längerem für zwei Tage pro Woche in Allendorf tätig gewesen. Eine der Frauen arbeitet nun komplett in Allendorf.

Aus einem Mehr an Arbeit zu Beginn soll auf Dauer Zeitersparnis werden

Die Arbeitsabläufe ändern sich für jeden Mitarbeiter ein wenig, dadurch entsteht am Anfang Mehrarbeit, glaubt Stefan Noll. „Ich gehe davon aus, dass es zwei bis vier Monate dauert, bis jeder im Rhythmus ist und Routine hat.“ Das sei auch bei der Zusammenlegung der Kassen ähnlich gewesen. „Dann wird irgendwann aus Mehrarbeit Zeitersparnis.“

Diese Erfahrung sei ein Vorteil und habe auch Sorgen vor der Verwaltungsgemeinschaft genommen. „Alle waren von Anfang an mit dabei. Alle waren sich sicher, dass wir das hinkriegen“, berichtet Noll. Ängste habe es keine gegeben, auch weil die Bürgermeister Entlassungen von vornherein ausgeschlossen haben. Da die Verwaltungsmitarbeiter weiterhin bei den Gemeinden angestellt sind, ändere sich auch nichts an Kündigungsfristen oder anderen Vertragsinhalten. Bei einem Ausflug und einer Weihnachtsfeier wurde zudem die Gemeinschaft gestärkt.

Von Seiten der Bürger hat Noll nichts Negatives gehört. Die Ansprechpartner bleiben und viele Dinge - etwa einen Personalausweis beantragen - sind nun an beiden Standorten möglich. „Und ob ein Steuerbescheid in Allendorf oder Bromskirchen erstellt wird, spielt für die Bürger keine Rolle.“ Lediglich die jungen Männer und Frauen, die auf ihre Bewerbung eine Absage erhalten haben, dürften mit der neuen Verwaltungsgemeinschaft und dem Briefkopf vorerst nicht viel Positives verbinden. (tt)

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