Neues Projekt gestartet: IHK-Zertifikat für Umwelt- und Qualitätsmanagement begleitend zur Lehre

Aus- und Weiterbildung verschmelzen

Der Vorsitzende des Forums Umwelttechnik Kurt Naumann, Walter Ruß von der Industrie- und Handelskammer Marburg-Kassel und der Leiter der Hans-Viessmann-Schule Carsten Placht (von links) unterzeichneten den Kooperationsvertrag für das Projekt „FabiAN“. Knapp 40 Auszubildende wollen sich in den nächsten drei Jahren parallel zu ihrer Lehre zusätzlich in Qualitätsmanagement und Umwelttechnik qualifizieren. Foto: Andrea Pauly

Frankenberg - "Sie schreiben Geschichte", rief Walter Ruß von der Industrie- und Handelskammer den 39 Auszubildenden, ihren Chefs und ihren Lehrern zu. Und das meine er auch so: An diesem Tag seien große Worte angebracht.

Ausbildung und Weiterbildung sind eigentlich zwei verschiedene Dinge. An der Hans-Viessmann-Schule verschmelzen sie jetzt erstmals: Im Rahmen des Projekts „FabiAN“ bekommen die Auszubildenden am Ende ihrer Lehre noch ein zusätzliches IHK-Zertifikat. Am Freitag unterzeichneten die Initiatoren die Kooperationsvereinbarung. An der Feierstunde nahmen auch die Auszubildenden teil, die das neue Projekt nun mit Leben füllen sollen.

„FabiAN“ steht für „Fachkräfte binden durch Ausbildung in nachhaltigen Managementtechniken“. Dahinter steckt eine Zusatzausbildung während der Lehre im gewerblich-technischen oder Umweltbereich. Schwerpunkt in der zusätzlichen Ausbildung sind Managementtechniken im betrieblichen Umwelt- und Qualitätswesen.

Um diese zu erreichen, nehmen die Azubis im Lauf von drei Jahren an 240 zusätzlichen Unterrichtsstunden teil, immer freitags und samstags. Nach dem erfolgreichen Abschluss erhalten die Teilnehmer des Kurses Zertifikat von der Industrie- und Handelskammer. Dieses sei bundesweit anerkannt, betonte Walter Ruß, Teamleiter Weiterbildung bei der IHK Marburg-Kassel. Er lobte das Pilotprojekt: „Sie liefern ein Beispiel, wie sich Ausbildung und Weiterbildung entwickeln, wie die Grenzen verwischen werden“.

Nicht nur die Verknüpfung von Ausbildung und Weiterbildung ist neu, sondern auch die Kombination der Themen Umwelt und Qualitätsmanagement.

Für diese Weiterbildung haben sich 39 Auszubildende aus 32 Betrieben angemeldet - weit mehr als an der Hans-Viessmann-Schule zunächst erwartet wurden - und 13 Lehrer unter der Leitung von Kurt Naumann und Klaus Lötzerich sind beteiligt. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Forschung und Bildung.

Schulleiter Carsten Placht betonte, dass die Hans-Viessmann-Schule mit diesem Angebot einen Mehrwert für die Auszubildenden generiere. Er könne das Gejammer über den demografischen Wandel und den resultierenden Fachkräftemangel nicht mehr hören: „Man muss sich zusammenschließen, Projekte starten, gemeinsam etwas tun“, nannte er seine Art, damit umzugehen. „FabiAn“ könne „ein erster Mosaikstein“ sein, sagte Placht: „Vielleicht gibt es ja Ideen für weitere sinnvolle Projekte und Kooperationen.“

Kurt Naumann, Vorsitzender des Forums Umwelttechnik, zeigte weitere Vorteile des Projektes auf: So sollten die Auszubildenden, aber auch die Unternehmen ihre Erfahrungen aus den Betrieben mit in das Projekt einfließen lassen. Es gebe weder ein Konzeptpapier, noch ein fest definiertes Ziel: „‚FabiAN‘ ist ein Entwicklungsprojekt. Das heißt, wir können es ändern und anpassen.“

Die Auszubildenden könnten ihre ihre Kompetenzen weiter fördern, indem sie sich einbringen. (apa)

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