Frankenberger Nightgroove findet nicht statt

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Frankenberg - Eine große Party weniger in Frankenberg: Der Nightgroove im Mai fällt aus. Als Grund nennt Veranstalter Michael Barkhausen einen abgesprungenen Sponsor und die mangelnde Bereitschaft der heimischen Gastwirte, eine Band zu präsentieren.

Bis zum „runden Geburtstag“, zur Nummer zehn, hat es nicht gereicht: Michael Barkhausen, Veranstalter des Nightgroove, lässt die für den 9. Mai geplante Musik-Veranstaltung ausfallen. „Es reicht nicht mehr“, sagt er enttäuscht - und bezieht dies auf viele Bereiche.

Zum einen reichen die Sponsoren nicht mehr: Bereits vor einigen Jahren hatte sich die Sparkasse Waldeck-Frankenberg aus ihrer Beteiligung der beiden Veranstaltungen in Korbach und Frankenberg zurückgezogen. Kurz vor dem neunten Nightgroove im vergangenen Jahr kam dann der Rückzieher von der Frankenberger Bank. „Da war die Planung schon so weit gediehen, dass wir es einfach trotzdem durchgezogen haben“, erinnert sich der Veranstalter. Doch alle Gespräche haben nichts genutzt: Weder ließ sich die Bank zu einer erneuten Beteiligung überreden, noch fand sich ein anderer großer Sponsor, der in die finanzielle Bresche springen wollte.

„So hätte man vielleicht noch acht oder neun Künstler präsentieren können, die aber alle solo oder als Duo unterwegs sind“, erklärt Barkhausen - das wäre dann aber nicht mehr das gewesen, für was der Nightgroove stehe. Beim Kneipenfestival im vergangenen Jahr etwa traten zwölf Bands auf - darunter einige Stammgäste, einige Neulinge und auch viele Bands aus der Region, die so die Chance hatten, sich einem heimischen Publikum zu präsentieren.

Geringer wird aber auch die Zahl der Feiernden: „Im vergangenen Jahr waren es etwa 2000 Besucher“, sagt Michael Barkhausen - in früheren Jahren seien es spürbar mehr gewesen. Dennoch gibt er zu: „2000 ist für eine kleine Stadt wie Frankenberg nicht schlecht“, an den Besuchern würde der Rückzug also definitiv nicht liegen. Zumal von denen stets positive Rückmeldungen gekommen seien und sie auch Anlieger im Umkreis und zwischen den Kneipen nicht belästigt hätten: „Es gab in Frankenberg kaum Beschwerden wegen Lärmbelästigung und wenn, dann konnte man da als Veranstalter immer schnell aktiv werden“, sagt Michael Barkhausen.

Auch seitens der Stadtverwaltung sei die Unterstützung - bis hoch zum Bürgermeister - stets riesig gewesen: „Sie haben kleine und große Dinge möglich gemacht“, drückt er seine Wertschätzung aus. Sogar die Sperrstunde wurde für die Kneipen-Wandernächte auf die ursprüngliche Uhrzeit um 5 Uhr verlängert. „Die Stadtverwaltung steht geschlossen hinter der Veranstaltung“, resümiert Barkhausen. Wer das hingegen weniger tue, seien die Gastwirte in der Frankenberger Altstadt. Von ihnen ist der Veranstalter enttäuscht.

„Vielen Gastwirten ist es egal, was in ihrer Stadt passiert“

„Es gibt einige, die einiges für uns getan haben und andere, die gar nichts tun“, sagt Barkhausen resignierend. Es fehle die Bereitschaft, für einen von 365 Abenden im Jahr Gastgeber für eine Band zu sein. Als Beispiel nennt er den plötzlichen Wegfall des s‘Kasi im vergangenen Jahr: „Ich habe niemanden gefunden, der bereit war, stattdessen zu öffnen“, erinnert er sich. Wochenlang hatte Barkhausen im Altstadtkern nach einer Alternative gesucht - vergeblich. Der Band musste er schließlich absagen. Zurück blieb das Gefühl: „Vielen Gastwirten in Frankenberg ist es egal, was in ihrer Stadt passiert.“

Besonders ärgert er sich über drei Gastwirte rund um die „Markt-Straßen“ im Herzen der Altstadt. Dort gäbe es genügend Raum, aber „da gibt es offenbar keine Bereitschaft, am Samstag länger geöffnet zu haben und dann am Sonntag wieder dem ganz normalen Geschäft nachzugehen“, kritisiert der Veranstalter. Dabei war der Obermarkt stets Anziehungspunkt beim Nightgroove - selbst wenn es wie im vergangenen Jahr in Strömen regnete.

Und gerade der Obermarkt hat in diesem Jahr ein weiteres Problem: die Insolvenz des Goldenen Engel. „Da fällt mir nicht nur ein Publikumsmagnet weg, auch die Freiluftbühne auf dem Markt und die Rathausschirn können nicht mehr bewirtet werden“, erklärt Barkhausen. Ohne „Engel“ - oder einen anderen Gastwirt aus der unmittelbaren Umgebung - ist also der beliebte Startpunkt vieler Kneipenwanderer nicht mehr aufrechtzuerhalten.

Grooves in Korbach und Winterberg finden statt

All diese Probleme ließen nur einen deutlich kleineren und auch qualitativ abgespeckten Nightgroove zu. „Ich möchte aber nicht, dass die Menschen irgendwann nicht mehr kommen, weil es ja ‚nicht mehr das Gleiche ist wie früher‘“, sagt Barkhausen - und schiebt einen Klassiker hinterher: „Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist.“ Gleichwohl will er den Frankenberger Groove nicht für immer aufgeben - auch aus pragmatischen Gründen: „Die drei Veranstaltungen in Frankenberg, Korbach und Winterberg ließen sich gut zusammen vertreiben“, spielt er auf Buchungen, Partnerschaften und Plakatierungen an.

„Die Frankenberger können schon bald wieder feiern“, sagt Barkhausen - und zwar Mitte März beim Korbacher Nightgroove. „Dieser wie auch die Veranstaltung in Winterberg im Oktober sind von der Frankenberger Entscheidung nicht betroffen“, versichert der Veranstalter - und macht nochmals deutlich: „Das ist allein ein lokales Problem.“

Das ließe sich seiner Aussage nach allerdings lösen: Ein neuer Sponsor, ein Wirt für den Obermarkt und die Bereitschaft einiger weiterer Frankenberger Gastronomiebetriebe, für den Ruf ihrer Stadt einmal im Jahr eine große Party zu feiern, und Barkhausen käme gerne wieder an die Eder. Denn: „Wir hatten wirklich einige tolle Nächte in Frankenberg.“

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