Zu Fuß oder mit dem Rad in die Stadt

Das Auto einfach mal stehen lassen

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Helmut Klein, der Schulleiter der Burgwaldschule, fährt bei Wind und Wetter jeden morgen mit dem Rad an die Arbeit.

Frankenberg - Bei Wind und Wetter fährt Helmut Klein mit dem Fahrrad zur Arbeit. Der Schulleiter der Burgwaldschule tut damit etwas für seine Gesundheit und den Umweltschutz. Viel Zeit kostet es nicht, das Auto öfter einmal stehen zu lassen.

Die Amerikaner haben am Freitag einen Aktionstag: Viele Menschen gehen am ersten Freitag im April zu Fuß zur Arbeit. Das ist nicht nur für die Amerikaner gesund – auch den Deutschen raten Mediziner, sich mehr zu bewegen. Etwa 30 Minuten am Tag sollten es mindestens sein. Das muss nicht unbedingt zwischen Feierabend und Tagesschau sein, sondern lässt sich auch in den Alltag integrieren – an der Arbeit, auf dem dorthin oder zum Einkaufen.

Zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs zu sein kostet zumindest gefühlt mehr Zeit als mit dem Auto zu fahren. Der Schulleiter der Edertalschule, Helmut Klein, nimmt sich diese Zeit gerne. Er fährt täglich zwei Kilometer von seinem Zuhause in Frankenberg zur Burgwaldschule – auf dem Fahrrad. „Das dauert nicht viel länger als mit dem Auto, bis ich durch die Stadt durch bin“ Deswegen erledigt Klein alle Besorgungen in Frankenberg ebenfalls mit dem Fahrrad oder zu Fuß – mit Ausnahme von Großeinkäufen. Am Zielort sind Fußgänger dabei oft schneller, als sie denken.

Die Krankenkasse AOK und der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) haben im vergangenen Sommer zur Aktion „Mit dem Rad zur Arbeit“ aufgerufen. An der Aktion haben sich 174000 Arbeitnehmer beteiligt und so 24,9 Millionen Kilometer auf dem Rad zurückgelegt. Laut den Organisatoren wurden dadurch 4,9 Millionen Kilo CO2 eingespart. Sie rufen in diesem Jahr erneut zu der Aktion auf. Die braucht Klein nicht. Er fährt auch ohne diesen Ansporn.

„Ich spare mir gerne das Autofahren“, sagt der Schulleiter. Er möchte damit die Umwelt entlasten und nicht zuletzt den Verkehr sicherer machen, „gerade wenn ich jeden morgen sehe, wie viele Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen, anstatt sie laufen zu lassen.“

Durch das hohe Verkehrsaufkommen direkt vor der Schule würden viele Gefahrensituationen entstehen, die eigentlich vermieden werden könnten. „Außerdem habe ich kein Parkplatzproblem“, zählt Klein mit einem Lachen einen weiteren Vorteil seines Fahrrads auf, das in einem Flur der Schule steht.

Der Schulleiter weiß, dass Radfahren im Straßenverkehr nicht ungefährlich ist: „Ich habe keine Knautschzone und manche Autofahrer sind rücksichtslos“, erklärt er. Natürlich gebe es auch rücksichtslose Radfahrer – das komme vielleicht immer darauf an, was man selber gerade fährt. Radwege sind laut Klein daher wichtig, um gerade Kinder und Jugendliche sicher durch die Stadt fahren lassen zu können. „Aber die Radwege in Frankenberg sind nicht sehr positiv. Sie werden eher zurückgebaut“, kritisiert er. „Da haben wir Nachholbedarf.“ Ziel müsse es sein, schon Kinder und Jugendliche früh zum Radfahren zu animieren. Von seinen Schülern kommen nur wenige mit dem Rad zur Schule.

Die Gesundheit ist für den Schulleiter ein wichtiger Aspekt, der ihn dazu anspornt, bei jedem Wetter mit dem Rad an die Arbeit zu fahren. „Das Wetter ist ohnehin nur eine Frage der Kleidung.“ Weil er täglich wenigstens zwei Mal zwei Kilometer fährt, hat er ein Maß an Grundbewegung, das viele andere Menschen noch nicht haben. „Andere müssen es planen, wenn sie zum Beispiel eine Stunde in die Muckibude wollen. Ich integriere das in meinen Arbeitsweg.“ Trotzdem bewegt Helmut Klein sich noch viel mehr: Gemeinsam mit seiner Frau unternimmt er gerne ausgedehnte Spaziergänge mit dem Hund oder erkundet die Wanderwege in der Region. „Eigentlich müsste ich noch mehr Sport machen. Aber Arbeit und Ehrenamt lassen mir kaum Zeit dafür.“ Gezielten Muskelaufbau müsse er für sein Knie betreiben – Fahrradfahren sei dafür gut geeignet, ebenso wie Schwimmen.

Mit seiner Grundbewegung setzt der Schulleiter eine Empfehlung des Bundesverbands für Gesundheitsinformation und Verbraucherschutz um: Der erklärt, dass 10000 Schritte am Tag fit machen – und dadurch nebenbei jede Woche zusätzlich rund 3000 Kalorien verbrannt werden. Eine halbe Stunde Radfahren zählt dabei schon als rund 2500 Schritte.

Briefträger und Kellner schaffen laut dem Verband schnell 18000 Schritte am Tag, ein Büroangestellter hingegen oftmals nur 1500 Schritte. Dabei hält Bewegung jung, verbessert die Fitness, das Herz-Kreislaufsystem und das Immunsystem.

Der Bundesverband gibt daher einige Tipps, wie Bewegung nebenbei in den Alltag integriert werden kann:

- Wenn der Weg zu Fuß oder mit dem Rad an die Arbeit zu weit ist, mit dem Auto weiter weg parken oder eine Haltestelle eher aus dem Bus steigen und den Rest laufen. Im Büro so oft es geht aufstehen:

- Die Kollegen im Nachbarbüro nicht anrufen, sondern zu ihnen gehen;

- Statt Rolltreppe oder Fahrstuhl immer die Treppe nehmen;

- Einkäufe zu Fuß oder mit dem Rad erledigen.

- Eine halbe Stunde Spaziergang in der Mittagspause oder nach Feierabend bringt nochmal zusätzlich 3000 Schritte.

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