Hettich-Gruppe stärkt mit dem entstehenden Castwerk ihren Frankenberger Standort

Autoteile statt Beschläge

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Geschäftsführer Uwe Kleemann, Personalleiterin Britta Trompeter und Vertriebsleiter Michael Schran (v. l.) präsentieren ein aus Magnesium gegossenes Paneel für einen Fahrzeug-Bildschirm.

Frankenberg - Autos müssen immer leichter werden, um die CO2-Normen der Europäischen Union einzuhalten. Davon profitiert, wer mit leichten Metallen umgehen kann. Hettich beherrscht das Verfahren seit Langem - und wird deshalb vom Möbel- verstärkt auch zum Automobil-Zulieferer.

Von einem rollenden Computer spricht heute, wer ein modernes Auto vorbeifahren sieht. „Ein Computer?“, fragt Uwe Kleemann lachend. Der Geschäftsführer des Frankenberger Hettich-Werkes erklärt: „In einem normalen Wagen der gehobenen Mittelklasse stecken problemlos ein Dutzend bis 18 Computer“. Für die Automobilhersteller ist der zunehmende Einsatz der digitalen Technik nicht nur Segen, sondern auch Fluch: „So ein Computer produziert Abwärme“, erläutert Kleemann. Und je komplexer die Maschinen werden, desto mehr Abwärme entsteht.

Vorbei sind die Zeiten, in denen Plastikgehäuse die Computer aufnehmen konnten. Heute muss ebenso belastungs- wie leitungsfähiges Metall diese Aufgabe erledigen. Das aber wiegt, und die Autohersteller müssen Gewicht sparen, um aktuelle und künftige CO2-Normen einzuhalten - ein Dilemma für einen der bedeutendsten Zweige der deutschen Wirtschaft. Ein Dilemma, dem die Automobilhersteller durch den vermehrten Einsatz moderner Werkstoffe wie Carbon oder Leichtmetallen zu entgehen versuchen. Und ein Dilemma, von dem das Frankenberger Druck- und Spritzgusswerk profitiert. Denn mit Leichtmetall, speziell Magnesium, kennt sich Hettich aus.

„Wir haben schon 1998 mit der Magnesium-Produktion begonnen und uns nach und nach diese Technologie angeeignet“, sagt Kleemann. Damals war das Arbeiten mit dem Material eine Nische - und keine ungefährliche: Kleemann erinnert an die Experimente im Schulunterricht, die beinahe jeder einmal gemacht hat: Ein Streifen Magnesium wird angezündet und verbrennt in einer gleißend hellen Flamme zu Magnesia oder auch Magnesiumoxid. Seine Reaktionsfreudigkeit muss in den Griff bekommen werden, dann ist das Metall laut Kleemann „als Werkstoff interessant wegen seiner Festigkeit, seiner Leichtigkeit und seiner Fähigkeit, Wärme zu leiten“.

Die speziellen Anforderungen des Metalls, verbunden mit der erhöhten Nachfrage aus der Automobilindustrie haben bei Hettich zu dem Entschluss geführt, die Produktion aus dem bestehenden Frankenberger Werk auszulagern. Doch nicht etwa an den Stammsitz nach Kirchlengern oder an einen der vielen ausländischen Standorte in den USA, Spanien, Tschechien, Indien oder China; sondern direkt neben das bestehende Werk in der Siegener Straße (FZ berichtete). „Das ist eine sehr spezielle Technologie, die muss man sich erarbeiten und die muss man auch beherrschen“, sagt Kleemann - und dieses Wissen stecke eben auch in den Frankenberger Mitarbeitern, die zum Teil seit 17 Jahren im Magnesium-Guss tätig sind und sich nun einmal nicht einfach so an einen anderen Standort verlegen lassen. „Außerdem war das Grundstück da“, sagt Kleemann und lacht - wird aber rasch wieder ernst und ergänzt: Es sei noch Platz für weiteres Wachstum da. Der Frankenberger Geschäftsführer spricht von einer „strategischen Ausrichtung“.

Sein Vertriebschef Michael Schran nennt auch einen ganz pragmatischen Grund für den Neubau in der Nachbarschaft: „Es war kein Platz mehr in der alten Halle“. Wolle das Unternehmen mit dem Markt wachsen, sei der Neubau Pflicht. Zugleich biete er die Chance, sich in der bestehenden Halle auf die eigentliche Kernkompetenz der Unternehmensgruppe zu konzentrieren: die Herstellung von Beschlägen für hochwertige Möbel. „Wir wollen die logistischen Rahmenbedingungen verbessern“ - sagt Kleemann und bezieht dies auf beide Frankenberger Standbeine.

Die treten künftig auch optisch getrennt auf: Die Magnesium-Verarbeitung firmierte bislang unter dem Slogan „Innovative System Components - ISC“ und heißt nun „Castwerk - automotive electronics“. Farblich hebt sich das derzeit wegen der Dämmung noch schwarze Castwerk durch Silber und Hellblau deutlich vom Mutter-Werk oder dem ebenfalls zur Hettich-Gruppe gehörenden Ewikon-Komplex ab. Auf gut 4400 Quadratmetern soll schon im Spätherbst mit der Produktion begonnen werden. „Die ersten Maschinen kommen Ende dieses Monats“, sagt Schran. Im Sommer soll bereits der Verwaltungstrakt bezogen werden - wie das übrige Gebäude ist auch er auf den geringstmöglichen Energieverbrauch angelegt.

Rund 60 Mitarbeiter sollen vorerst von der alten in die neue Halle umziehen, erläutert Personalchefin Britta Trompeter. Sie sieht zumindest kurzfristig jedoch keinen bedeutsamen Anstieg der Beschäftigtenzahl von derzeit 500: „Gießerei-Techniker sind nicht sehr häufig“, sagt sie. Und Uwe Kleemann bekräftigt: „Unser Personal-Wachstum geschieht fast ausschließlich von Innen“. Deshalb, sagt Trompeter, stehe nicht nur in dieser Umbruchphase die Aus- und Weiterbildung im Fokus. Hettich setzt auf das Frankenberger Castwerk und seine Mitarbeiter. Und zwar spürbar: „Wachstum ist geplant“, drückt Vertriebsleiter Schran es aus.

Von Malte Glotz

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