Haina: Ende Juli soll Ersatz für fehlende Klassenräume aufgestellt werden

Backhaus übt Kritik an Schulcontainern

Auf dem Rasen vor der Hainaer Grundschule werden für die nächsten Jahre Mietcontainer aufgestellt, weil im neuen Schuljahr der Platz in der Hainaer Grundschule nicht für alle Klassen ausreicht. Mit der Optik ist der Bürgermeister unzufrieden. Archivfoto

Haina (Kloster) - Als er den Bauantrag aus dem Umschlag zog und die Grafiken betrachtete, konnte er es kaum fassen: Die vom Landkreis ausgewählten Baucontainer, die für fünf Jahre als Klassenräume der Grundschule dienen sollen, gefallen Bürgermeister Rudolf Backhaus ganz und gar nicht.

„Wir haben die ganze Zeit keine Informationen bekommen“, kritisiert er den Landkreis. Nur einmal habe es Kontakt gegeben: als die Frage geklärt wurde, wie die Container mit Strom versorgt werden. Am Dienstag sei dann der Bauantrag in der Post gewesen. Der Inhalt: In Haina werden acht Container aufgestellt, weiß und schmucklos, an jeder Seite mit einem Fenster versehen. Für Backhaus sind die ausgewählten Container eine „Zumutung. Acht Stück in einer Batterie, das sieht fürchterlich aus. Da sollen fünf Jahre lang Kinder rein“, unterstrich der Bürgermeister.

Die Jungen und Mädchen würden sicher keinen Schaden darin nehmen, dennoch wünsche er sich ein positiveres Umfeld: „Ein Kind, das aus dem Kindergarten kommt – und unsere beiden Kindergärten sind toll gestaltet –, das freut sich auf den ersten Schultag und soll dann in so einen Container? Das finde ich nicht gut.“ Dabei hätte es sehr wohl Alternativen gegeben: Die Gemeindeverwaltung bekomme regel­mäßig Werbematerial zugesandt, auch für Container, die für Kindergärten und Schulen geeignet sind. „Da gibt es andere Lösungen, die preisgünstig sind und deutlich besser aussehen“, betont Backhaus.

Er hätte sich von den Verantwortlichen beim Gebäudemanagement des Landkreises mehr Fingerspitzengefühl gewünscht – gerade vor dem Hintergrund der Schulschließung in Löhlbach. Wäre er frühzeitig in die Pläne eingebunden gewesen, hätte er schon in der ersten Phase gesagt, dass er die Standardcontainer nicht gut finde, betonte Backhaus.

Udo Weitekämper, Leiter des Eigenbetriebs Gebäudemanagement beim Landkreis, räumte ein, dass es „sicher schönere Varianten“ gebe. „Aber wir sind der Auffassung, dass es hier um eine zeitlich sehr befristete Lösung geht.“ Modulgebäude seien im Gegensatz zu den geplanten Containern für längere Zeiträume vorgesehen: „Da spricht man von 10, 15 Jahren“. In Haina gehe es aber um einen Überbrückungszeitraum. „Dafür sind die Container genau richtig. Wir mieten sie und dann verschwinden sie wieder“, sagte Weitekämper. Für die Miete der acht Container investiert der Landkreis nach Backhaus’ Angaben 48.000 Euro. Auch das kritisiert der Bürgermeister: „Die Verabredung war, dass die Kaufsumme für die Schule in Löhlbach als Grundfinanzierung für einen Anbau gesehen wird“, erinnert er. Einen Anbau wird es aufgrund der langfristig fehlenden Schülerzahlen in Haina jedoch nicht geben. „Die 90.000 Euro könnten sie aber für eine gescheitere Containerlösung nehmen“, fordert Backhaus.

Doch nun sind die Verträge gemacht und unterschrieben, für eine Alternativlösung ist es zu spät. Deshalb wollen Kreis und Gemeinde zusammenarbeiten, um das Beste daraus zu machen, etwa durch Verschönerungen auf dem Schulhof, nannte Weitekämper ein Beispiel. An der Funktionalität der Standard-Container zweifle er nicht, sagte Rudolf Backhaus. Allerdings habe er in Neustadt bei einer Besichtigung von solchen „Ersatz-Klassenräumen“ von einem Lehrer erfahren, dass in diesem Fall die Räume im Sommer nicht zu kühlen waren und es im Winter Probleme mit der Heizung gegeben habe. „Ob das bei uns auch so ist, bleibt abzuwarten.“ Weitekämper betonte, dass es sich bei den Containern nicht um Baracken handele. „Das hat schon einen technischen Standard, den man bei normaler Benutzung und Belüftung in den Griff bekommt.“ Allerdings wolle er keinen Hehl daraus machen, dass es sich bei den Containern um eine Übergangslösung handele, „die nicht dem Standard eines normalen Gebäudes entsprechen kann. Das kann niemand erwarten“.

„Der Wille ist da, es bestmöglich zu gestalten“, stellte auch Bürgermeister Backhaus fest. „Aber Container bleibt Container.“

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