Wildkatzenkorridor

Bäume für die scheue Wildkatze

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Anke Schütz, Landrat Reinhard Kubat, Rudolf Schäfer und Frank Schütz pflanzen eine Esche, um damit die Bepflanzung des Wildkatzenkorridors bei Viermünden zu feiern.Foto: Patricia Kutsch

Frankenberg-Viermünden - Wildkatzen leben in Wäldern. Offenes Gelände mögen sie gar nicht. Damit die scheuen Tiere dennoch neue Wälder besiedeln können, werden diese durch "grüne Korridore" vernetzt. Naturschützer haben bei Viermünden einen Wildkatzen-korridor angelegt.

Büsche und Bäume dienen der Wildkatze als Versteck. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) konzipiert daher regelrechte „Wege“ aus Gebüsch und Bäumen, damit Wildkatzen zwischen verschiedenen Wäldern wandern und neuen Lebensraum erschließen können.

Gestern hat der BUND gemeinsam mit Politikern und Naturschützern, Helfern und Mitgliedern weiterer Naturschutzvereine, mit Forstamtsmitarbeitern und den Vertretern des Naturparks Kellerwald und des Nationalparks Kellerwald-Edersee, sowie den Viermündenern den neuen Wildkatzenkorridor bei Viermünden vorgestellt. Die Neupflanzungen im offenen Feld zwischen Viermünden und Oberorke bieten den scheuen Tieren Schutz auf ihrem Weg von den Wäldern des Rothaargebirges zum Kellerwald. Es ist der Grundstein für den „grünen Korridor“, den die Naturschützer derzeit anlegen.

Mit dem Korridor möchte der BUND laut Frank Schütz vom Kreisverband Waldeck-Frankenberg den Artenrückgang verlangsamen. Mittlerweile gebe es daher ein landesweites Konzept der Wiedervernetzung von Wäldern. Vom Wildkatzenkorridor bei Viermünden würden nämlich nicht nur die Wildkatzen profitieren, sondern auch viele andere Tiere, deren Lebensraum der Wald ist. „Es hilft dem Individuenaustausch vom Rothaargebirge mit dem Naturpark, bei dem die offene Landschaft und die Straße sonst eine Barriere bilden“, sagte Schütz.

Für das Anlegen solcher Waldverbindungen stehen zehn Prozent der Landesflächen zur Verfügung. „Die Flächen gehen aber nicht automatisch verloren“, erklärte Schütz. Eine Bewirtschaftung der Wälder etwa störe die Wildkatze nicht in ihrem Lebensraum.

Der Vorsitzende des BUND-Kreisverbands führte aus, dass der Wildkatzenkorridor Stück für Stück geplant werde. Im Detail könnten die Naturschützer die Bepflanzungen festlegen, wenn bekannt ist, welche Landesflächen zur Verfügung stehen. „Außerdem müssen praktikable Lösungen erarbeitet werden.“ Und die müssen Interessen von Naturschutz, sowie Land- und Forstwirtschaft berücksichtigen. Auch andere Tier- oder Pflanzenarten dürften durch den Korridor nicht gefährdet werden.

Die Bepflanzung des Korridors bei Viermünden hat Frank Schütz gestern gemeinsam mit Landrat Reinhard Kubat und Rudolf Schäfer vom Landesverband des BUND abgeschlossen. Sie haben den „grünen Korridor“ mit einer Esche vollendet. Als Gastgeschenk gab es zudem einen Feldahorn, der ebenfalls seinen Platz auf dem Gelände bekommen soll.

„Das ‚Who is who‘ im Naturschutz von Waldeck-Frankenberg und der angrenzenden Gebiete ist heute vertreten“, begrüßte der Landrat die Gäste bei der Pflanzaktion. „Das zeigt eine hohe Identifizierung mit einem scheuen Leittier unserer Wälder.“ Er selbst habe vor Jahren schon gehofft, dass die Wildkatze in der Gegend heimisch werde. 2006 gelangen dann laut Schütz die ersten Nachweise der Wildkatze im Landkreis.

Weil diese Tiere Agrarflächen nicht einfach überbrücken können, ist ein Korridor laut Kubat ein guter Weg, um die Zuwanderung von Wildkatzen zu begünstigen. Gefördert werde er vom Bundesamt für Naturschutz. Denn in ganz Deutschland gebe es nur 16 solcher Probeflächen für die Verbreitung von Wildkatzen. „Es ist ein kleiner Adelstitel, dass wir dabei sind“, sagte der Landrat. Das zeige, wie gut die Artenvielfalt und die Lebensraumgüte im Landkreis sei. Naturschützer Wolfgang Wehmann bestätigte dies: „In diesem Gebiet sind mehr als 350 Pflanzenarten nachgewiesen.Der Durchschnitt im Landkreis liegt bei 250“. Frankenbergs Stadtrat Willi Naumann drückt dem BUND die Daumen, „dass der Wildkatzenkorridor so wird, wie ihr es euch wünscht“.

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