Wetter

Bahn fährt ab Montag wieder

- Wetter (da). Drei Monate dauerten die Bauarbeiten zwischen Sarnau und Frankenberg. Unter anderem hat die Kurhessenbahn Gleise und Bahnsteige erneuert.

Es handele sich um die teuersten und wohl auch umfangreichsten Arbeiten seit dem Bau der Strecke vor 120 Jahren, berichtete Hans-Martin König, Leiter Infrastrukturplanung bei der Kurhessenbahn, gestern. Neun Millionen Euro hat die Tochter der Deutschen Bahn seit Beginn der Sommerferien investiert. Das Geld zahlt der Bund, Zuschüsse kommen aber auch vom Land Hessen.

Noch sind nicht alle Erneuerungen beendet, doch ab Montag rollen wieder die Züge zwischen Frankenberger und Marburg. Schon am Wochenende prüfen Bahnmitarbeiter in Testzügen, ob die neue Technik funktioniert. Am Samstag und Sonntag, 23. und 24. Oktober, fahren auf der modernisierten Strecke historische Züge.

Die Kurhessenbahn hat in den vergangenen drei Monaten Gleise, Signaltechnik und Stationen erneuert. Am sichtbarsten werden die Modernisierungen für Bahnfahrer in Wetter, Münchhausen, Birkenbringhausen und Simtshausen: Dort sind neue, höhere Bahnsteige gebaut worden, die unter anderem ein bequemeres Einsteigen in die Triebwagen ermöglichen. In Birkenbringhausen, Simtshausen und Sarnau sind die Haltestellen sogar näher an die Ortskerne verlegt worden. In Frankenberg wurde die Oberfläche des Bahnsteigs erneuert.

Die Strecke der Burgwaldbahn von Frankenberg bis Marburg ist insgesamt 33 Kilometer lang. Die Kurhessenbahn sanierte den 26 Kilometer langen Abschnitt zwischen der Illerstadt und Sarnau. Noch ist die Erneuerung nicht komplett beendet: In Birkenbringhausen und Simtshausen dauern die Arbeiten an den Bahnsteigen und Bahnübergängen noch etwa drei Wochen, sagte Hans-Martin König. In Münchhausen und Birkenbringhausen werden bis nächstes Jahr außerdem noch Bike-and-Ride-Anlagen gebaut. Dem Zugverkehr stehen diese Arbeiten nicht im Wege – ab Montag rollt die Bahn wieder im Stundentakt. Während der Sanierung waren Busse als Ersatz eingesetzt worden.

Die Kurhessenbahn betreibt die Strecke seit 2001. Ursprünglich stand die Modernisierung im Zusammenhang mit der Reaktivierung der Strecke zwischen Frankenberg und Korbach. Die lässt noch auf sich warten – allerdings stünden in den nächsten Wochen weitere Gespräche an, sagte Kurhessenbahn-Sprecher Joachim Kuhn. „Wir sind auf einem guten Weg.“

Das Land Hessen und der nordhessische Verkehrsverbund (NVV) hätten sich mit der Investition verpflichtet, bis zum Jahr 2030 den Zugverkehr zwischen Marburg und Frankenberg aufrechtzuerhalten. „Das ist ein wichtiges Signal für die Bevölkerung – die Bahnstrecke ist gesichert“, sagte Kuhn. Die Kurhessenbahn ist mindestens bis 2015 Betreiber der Verbindung. Ansonsten ändert sich für Fahrgäste wenig. „Die Fahrtzeit wird sich nicht wesentlich verkürzen“, sagte Kurhessenbahn-Sprecher Joachim Kuhn. Lediglich zwei Minuten werden eingespart.Etwa 42 Minuten dauert die Fahrt von Frankenberg nach Marburg. Neue Gleise, Weichen und zwei neue Brücken bei Neiderwetter und Todenhausen würden aber das Bahnfahren noch komfortabler machen.

Von weitaus größerer Bedeutung ist allerdings die Umstellung der Leit- und Sicherungstechnik auf ein elektronisches System. Signale und Weichen werden künftig vom Computer aus per Mausklick gesteuert. Zwei Arbeitsplätze in den Bahnhöfen in Wetter und Münchhausen fallen wegen dieser zentralen Steuerung weg. Die Kurhessenbahn hatte die Bahnhöfe, die schon vor Jahren verkauft worden waren, angemietet, die Mietverträge sind bereits gekündigt.

Die neue Technik ermöglicht auch die gleichzeitige Einfahrt von zwei Zügen aus beiden Richtungen in die Haltestellen in Münchhausen und Wetter. Bislang musste ein Zug warten. Die Kurhessenbahn setzt zwischen Frankenberg und Marburg neun Züge vom Typ VT 628 ein, oft mit Fahrradabteil.Die Bedeutung der Zugverbindung betonte Kuhn ebenso wie die Bürgermeister der Anliegerkommunen. Durchschnittlich 750 Reisende werden Tag für Tag gezählt, sagte der Kurhessenbahn-Sprecher. Der Abschnitt zwischen Wetter und Marburg werde sogar noch stärker frequentiert.

Münchhausens Bürgermeister Peter Funk ergänzte, dass täglich rund 30 Pendler aus Siegen-Wittgenstein und dem Frankenberger Land von Münchhausen aus Richtung Rhein-Main mit der Bahn pendeln, weitere 20 würden in Simtshausen zusteigen. „Für die Region und die Kommunen ist die Modernisierung ein Pluspunkt.“ Positiv seien auch die barrierefreien Zugänge.

Burgwalds Verwaltungschef Lothar Koch erklärte, dass die Verlegung des Bahnsteigs in Birkenbringhausen und der Bau eines Bike-and-Ride-Platzes auch den Schülern zu Gute komme, die mit der Bahn nach Frankenberg fahren.

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