Franz Lippek hört auf – Nach 50 Jahren geht der Bäckermeister in den Ruhestand

Bald ist der Ofen aus

Wollen sich am Mittwoch mit kleinen Preisen verabschieden: Das Ehepaar Lippek aus Geismar. Brötchen für 5 bis 10 Cent, Brot für einen halben Euro. Preise wie anno dazumal, nennt Frank Lippek (links) die Aktion. Mit im Bild seine Frau Anneliese. Foto: Camrath

Geismar. Vermissen wird er die Durchgangsstraße. Sagt Franz Lippek. Und die Freunde. Aber vor allem die Durchgangsstraße. In Altenlotheim, wo er sich mit seiner Frau zur Ruhe setzen will, gebe es nämlich vor allem die: Ruhe. Und an den Straßenlärm hat er sich längst gewöhnt.

Noch sitzt Franz Lippek aber in seiner Bäckerei an der Hauptstraße in Geismar. Draußen fahren Autos und Lkw vorbei. „Selbst bei Panzerkolonnen habe ich im Bett gelegen und tief und fest geschlafen“, erzählt der 62-Jährige. Am Mittwoch wird er 63. Mit einem Abschiedsfest feiert er also gleich zwei Mal: Seinen Geburtstag und das Ende der Lippek-Ära in Geismar, die im Jahr 1952 begonnen hatte.

Lippek ist ein Kind des Dorfes. Er kam in Frankenberg zur Welt, ging in Geismar zur Volksschule. Mit 13 begann er in der Bäckerei seines Vaters zu arbeiten. Mit 20 lernte er seine Frau kennen: Anneliese, die auch heute noch hinter der Theke der kleinen Bäckerei verkauft. „Ihre Mutter hat immer gesagt: Anneliese, wie du dir ‘nen Bäcker nehmen konntest, wo du doch morgens nie aus dem Bett kommst“, sagt Franz Lippek und liefert gleich die nächste Anekdote.

Geburt der Tochter verpasst

„Als 1970 unsere erste Tochter geboren wurde, musste ich gerade für die Meisterprüfung lernen.“ Darum wurde morgens die Frau ins Krankenhaus gefahren und anschließend wieder die Nase in die Bücher gesteckt. „Nachmittags ist mir dann plötzlich eingefallen, dass ja ein Kind auf dem Weg ist.“ Als er im Krankenhaus anrief, sei jedoch bereits alles vorbei gewesen.

Der Beruf habe ihm immer viel Spaß gemacht. Eigentlich sei der Abschied auch erst für August geplant gewesen. Allerdings spielte die Gesundheit nicht mehr mit. „Sogar das Bier schmeckt nicht mehr so gut“, sagt Lippek. Darum heißt es nun etwas früher Abschied nehmen.

Sorgen um ihre Brötchen und Brote müssen sich die Geismarer vorerst nicht machen. Ein anderer Bäcker wird schon am Donnerstag eigene Backwaren liefern und im Geschäft verkaufen. Das sei jedoch nur eine Übergangslösung, sagt Lippek. Interessenten für das Gebäude, in dem sich außer dem Verkaufsraum mit angeschlossenem Café und der Backstube auch noch zwei Eigentumswohnungen befinden, gebe es bereits.

Um die zehn Sorten an Brötchen hat er mit seiner Frau und zwischenzeitlich auch mit Auszubildenden täglich dort gebacken und verkauft. Hinzu kamen zwei Sorten Brot und sechs bis sieben „Teilchen“: „Besonders beliebt waren immer die Nussecken“, sagt Lippek. Ein Rezept seines Vaters.

Nie Fertigmischungen

Stolz sei er immer darauf gewesen, dass er bis zum Ende alles selbst gebacken habe. Fertigmischungen seien ihm nicht untergekommen. Dass auch mal etwas dabei war, das bei den Kunden nicht so gut ankam, sieht er gelassen. „Kartoffelbrot hat sich hier auf dem Land nie richtig verkauft.“

Spätestens Ende August will Lippek mit seiner Frau dann Abschied nehmen aus Geismar und nach Altenlotheim ziehen. Dort kommt sie her. Dort wohnen die beiden Töchter. Dort gibt es Ruhe. Aber kein Haus an einer Durchgangsstraße.

Von Jörgen Camrath

Quelle: HNA

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