Frankenberg

Bankkonto des komatösen Cousins „ausgeplündert“

- Frankenberg (mba). Weil er sich als bestellter Betreuer am Konto seines im Wachkoma liegenden Cousins bediente, wurde ein 40-jähriger Frankenberger vom Amtsgericht wegen Untreue zu einer Freiheitsstrafe von elf Monaten zur Bewährung verurteilt.

Der Frankenberger war zum Betreuer für seinen Cousin bestimmt worden. Als solcher hatte er die Aufgabe, für den Koma-Patienten alle finanziellen Angelegenheiten zu regeln und sein Vermögen zu verwalten. Der Staatsanwalt warf dem Mann vor, in insgesamt 88 Fällen Barabhebungen oder Überweisungen über insgesamt rund 12 000 Euro von dem Konto seines Cousins für eigene Zwecke getätigt zu haben. „Über einen Zeitraum von einem Jahr haben Sie das Konto ihres Cousins regelrecht ausgeplündert, hielt er dem Mann bei der Strafforderung vor. Der 40-Jährige räumte die Taten in der Verhandlung ein und gab als Begründung an, er sei der Auffassung gewesen, dass Geld habe ihm zugestanden. Im Jahr 2003 war sein Opa verstorben, erklärte der Mann den Zusammenhang. Das Haus des Opas, in dem heute der Angeklagte wohnt, war dem Onkel zugesprochen worden. Das Barvermögen von 40 000 Euro sollte durch vier geteilt werden, dem Angeklagten stand nach eigenen Angaben einer der Anteile zu. Die 10 000 Euro habe er jedoch nicht bekommen, der Onkel habe ihn nicht ausgezahlt. Stattdessen sollte der Angeklagte die Hälfte des Hauses bekommen. Doch auch das sei nicht geschehen, da der Onkel selbst verstarb, ohne vorher noch eine entsprechende Regelung zu treffen. Das Haus wie auch das Vermögen des Onkels erbte der Cousin, als dessen Betreuer der Angeklagte bestimmt wurde. Als Betreuer hatte er Vollmacht über das Konto des Cousins. „Ich war der Meinung, dass mir mein Anteil von 10 000 Euro zusteht. Außerdem hatte ich einiges in das Haus investiert“, sagte der Mann vor Gericht. Er habe lediglich sein Geld zurückbekommen wollen. Die Betreuung des Cousins hat der Mann mittlerweile abgegeben, außerdem zahlt er die 12 000 Euro in monatlichen Raten zurück. Der Staatsanwalt sah den Vorwurf der Untreue als erwiesen, ebenso Richterin Andrea Hülshorst. Einen gewerbsmäßig Betrug, mit der Absicht, sich eine dauerhafte Einnahmequelle zu verschaffen, sah sie in den Taten allerdings nicht. Sie verurteilte den Mann zu der Bewährungsstrafe sowie der Rückzahlung der Schadenssumme in Raten und 40 Stunden gemeinnütziger Arbeit.

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