Battenfelder Markt: Die Baumgardts kommen seit 1980 mit ihren Bürsten

Olaf Baumgardt, Bürstenhändler aus Vöhl, war beim Kram- und Viehmarkt in Battenfeld wieder mit seinem fahrbaren Verkaufswagen. In der Hand hält er (von links) einen Reisstrohbesen, einen Ofenrohrreiniger, eine Heizkörperbürste und einen Straußenwedel. Foto:  Paulus

Battenfeld. „Früher musste man um einen Stand auf guten Märkten kämpfen. Heute kommen die Veranstalter oft auf uns zu", sagt Olaf Baumgardt. „In Battenfeld sind wir jedes Jahr schon automatisch." Seit der traditionelle Kram- und Viehmarkt 1980 wieder eingeführt wurde, ist das „Bürstenhaus" der Baumgardts aus Vöhl dabei. In diesem Jahr zum 37. Mal.

Mittlerweile ist die Familie sogar mit zwei Ständen in Battenfeld vertreten: An einem bieten Olaf Baumgardt und seine Frau Britta, die den Familienbetrieb in zweiter Generation führen, vor allem Bürsten und Messer an, seine Eltern verkaufen nebenan Lederwaren, Gürtel zum Beispiel. „Es würde keinen Sinn machen, nebeneinander das Gleiche anzubieten.“

„Die Messer“, erzählt Olaf Baumgardt, „lassen wir extra in Solingen von einem kleinen Handwerksbetrieb für uns produzieren.“ Auch die Bürsten würden in Deutschland hergestellt. „Das merkt man an der Qualität. Wir legen Wert darauf, dass sie nicht aus Polen oder China kommen.“ Auch die Kunden wüssten das mittlerweile zu schätzen: „Seit es immer mehr Ein-Euro-Läden gibt, hat ein Umdenken stattgefunden“, sagt der 46-Jährige. „Auch junge Familien merken, dass die Sachen, die Oma schon hatte, gar nicht so schlecht waren. Gerade bei Bürsten sind die Unterschiede extrem, ob ich eine Plastikbürste oder eine mit echtem Pferdehaar habe.“ Trotzdem sei der Aufwand für die Händler größer als früher, durch das Überangebot und das Internet seien die Kunden verwöhnt.

Selbst produzieren sei für den Familienbetrieb nicht möglich. „Man kann entweder nur herstellen oder nur verkaufen - der Tag hat nur 24 Stunden“, sagt Olaf Baumgardt.

Mehr als 1000 Artikel verkauft das Bürstenhaus - mittlerweile auch über den eigenen Online-Shop im Internet. Das Hauptgeschäft seien aber die Märkte. Weil die Familie, wie hier in Battenfeld, aber in der Regel nur ein Mal im Jahr an einem Ort ist, könnten die Kunden die Produkte im Internet nachbestellen. „Es gibt ja kaum noch Geschäfte, die sowas anbieten“, sagt Olaf Baumgardt und zeigt einen Straußenwedel und einen Ofenrohrreiniger. „Für jeden Zweck die passende Bürste“, ist unser Motto.

Stände mit Messern gebe es häufiger auf Krammärkten - auch in Battenfeld. Bürsten werden seltener verkauft. „Auf großen Märkten haben wir auch mal Mitbewerber, aber nicht mehr so viele wie früher“, sagt Olaf Baumgardt. „Viele hören auch altersbedingt auf.“ Dafür gebe es mehr Stände mit Schmuck und Lederwaren.

Die Familie ist von Mai bis Weihnachten fast jedes Wochenende unterwegs. Bremen, Heidelberg, Thüringen und bis zur holländischen Grenze. Auch auf dem Pfingstmarkt in Frankenberg haben sie einen Stand. In der Woche steht die Arbeit zu Hause an: Ware bestellen, Pakete packen, Bewerbungen für die nächsten Märkte schreiben.

Der Beruf der Baumgardts heißt offiziell übrigens ambulanter Handel. „Da denkt man aber irgendwie ans Krankenhaus“, sagt Olaf Baumgardt, der deshalb den alten Begriff Marktkaufleute bevorzugt. „Darunter kann man sich noch was vorstellen.“

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Quelle: HNA

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