Frankenberg

Bauern: Einige Behauptungen unwahr

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- Frankenberg (rou). Gegen Schweinemast im Allgemeinen und den geplanten Stall bei Rodenbach im Speziellen protestierten am Samstag 200 Frankenberger auf dem Obermarkt. Zum Teil sei mit unwahren Behauptungen argumentiert worden, kritisiert Matthias Eckel vom Frankenberger Kreisbauernverband.

Die Standpunkte sind verhärtet: Die Interessengemeinschaft „Keine Tiermastanlage im Ortsrandgebiet der Familienstadt mit Zukunft“ lehnt die Pläne ab (FZ berichtete), der Frankenberger Kreisbauernverband verweist auf die Rechtmäßigkeit des Vorhabens und stärkt dem Rodenbacher Landwirt den Rücken. „Keine Seite wird die andere überzeugen“, erklärt KBV-Geschäftsführer Matthias Eckel. „Einige von der Bürgerinitiative aufgestellte Behauptungen möchte ich so aber nicht stehen lassen.“ Zum Teil würden Unwahrheiten verbreitet und Fakten verkannt.

Auf die während eines Gesprächs der Interessengemeinschaft mit dem Kreisbauernverband angebotene Besichtigung eines mit den Rodenbacher Plänen vergleichbaren Schweinemastbetriebes sei bislang nicht eingegangen worden, sagt Eckel und nennt dies „bedauerlich“. Auch das Angebot, eine Informationsveranstaltung zu organisieren, sei nicht angenommen worden. „Stattdessen redet man augenscheinlich lieber übereinander als miteinander.“

Die Standpunkte des Kreisbauernverbandes zu den Kritikpunkten der Interessengemeinschaft im Überblick – Geruchsbelästigung durch den Stall: Das erste Haus in Frankenberg befindet sich rund 520 Meter vom geplanten Schweinemaststall entfernt, die nach Immisionsschutzrecht vorgeschriebene Entfernung beträgt 270 Meter von der bebauten Ortslage. Die Frankenberger Wohnbebauung befindet sich in süd-östlicher Richtung, „also außerhalb der Hauptwindrichtung“. Eckel begründet dies mit den Daten des Windrosenatlas der Hessischen Landesanstalt für Umwelt und Geologie. „Sie zeigen, dass sowohl Rodenbach als auch das Baugebiet Hinterscheide nicht belastet werden.“ Zudem würde der Stall mit einer Unterdrucklüftung ausgestattet, die im Sommer den Tieren kühle Luft zuführe. Im Winter laufe die Lüftung weniger stark. Der Güllebehälter rieche nur zweimal im Jahr: und zwar beim Aufrühren der Gülle zum Ausbringen. „Ansonsten ist er mit einer Schwimmschicht aus Futterresten bedeckt. Diese Schicht ist mindestens 0,5 Meter dick und lässt keinen Geruch durch.“ Lärmbelästigung durch den Stall: Zu hören sei lediglich das Brummen der Lüfter. „Dies ist ein sonores Summen, vergleichbar mit einem Auto im Standgas.“ Bei der Fütterung würden die Tiere nicht quieken, da sie ständig satt zu fressen hätten und somit nie hungrig seien. „Die Verladung der schlachtreifen Tiere erfolgt ruhig und schonend, da die Tiere nicht gestresst am Schlachthof oder beim Metzger ankommen dürfen. Unter Stress leidet die Fleischqualität. Erhebliche Mindererlöse wären die Folge.“ Trotzdem könne nicht ausgeschlossen werden, dass einzelne Tiere beim Verladen quiecken. „In der Regel geschieht dies noch im Stall und ist von außen nicht zu hören .“

Geruchsbelästigung durch die Gülle: „Moderne Tierhaltung erfolgt in Ställen, in denen Gülle anfällt. Diese Gülle stinkt“, gibt Eckel zu. Die Gülle sei aber ein wertvoller Dünger, den der Landwirt im Pflanzenbau einsetze. Dies erfolge im engen gesetzlichen Rahmen der Düngeverordnung und sei in hohem Maße nachhaltig. „Beim Neubau eines Stalles müssen die Flächen nachgewiesen werden, sonst gibt es keine Baugenehmigung.“ Durch den Einsatz von Gülle werde Mineraldünger, dessen Herstellung sehr energieintensiv sei, eingespart. „Der Landwirt wird versuchen, dass möglichst viele Nährstoffe an die Pflanzen und nicht in die Luft gelangen. Deshalb wird die Gülle bevorzugt bei feuchter Witterung oder wenn sie direkt eingearbeitet werden kann, ausgebracht. Dies trägt zur Geruchsreduktion bei.“ Trotzdem werde der Geruch wahrnehmbar bleiben. Am Gülleeinsatz in der Landwirtschaft ändere der Bau nichts. „Die Flächen des Betriebes bleiben an Ort und Stelle, egal wo der Stall gebaut wird. Selbst wenn kein Stall gebaut wird und der Rodenbacher Landwirt die Landwirtschaft aufgibt, werden die Flächen von andern Landwirten mit Gülle gedüngt.“ Darüber hinaus würde auf den Flächen schon jetzt Gülle, Jauche und Mist aufgebracht.

Mehr lesen Sie in der FZ vom Donnerstag, 10. März

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