Bottendorf

Baustelle: Hoffnung auf Umleitung scheint passé

- Burgwald-Bottendorf (jos). Ortsbeirat und Gemeindevertreter hatten per Resolution gefordert, den Durchgangsverkehr während der Bauzeit an der Ortsdurchfahrt umzuleiten. Gegenüber WLZ-FZ erteilten die Behörden den Burgwaldern am Dienstag eine Absage. Bürgermeister Koch ist entsetzt.

Weil die Gemeinde Kanäle erneuern lässt, ist die Ortsdurchfahrt als Teil der viel befahrenen Bundesstraße 252 derzeit vom Festplatz bis zur Bäckerei Theiß einseitig gesperrt. An der Baustellenampel am Festplatz spielen sich in diesen Tagen für Anwohner und Verkehrsteilnehmer unfassbare Szenen ab: Denn die Straße ist an dieser Stelle durch die Bauarbeiten so schmal, dass Lastwagen auf den Bürgersteig auswichen müssen, um aneinander vorbeizukommen. Fahrer zu schnell „Muss erst etwas passieren?“, fragen sich da viele Bottendorfer, vor allen Dingen im Hinblick auf den Kindergarten, der gleich hinter dem Festplatz ist. Lastwagen- und Autofahrer würden sich zudem nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Stundenkilometer halten, beklagen die Anwohner. Wegen der hohen Gefahren für Fußgänger und der zusätzlichen (Lärm-)Belastungen für die Anwohner hatten zunächst Ortsbeirat und dann auch die Burgwalder Gemeindevertreter in der vorigen Woche einstimmig eine Resolution verabschiedet (WLZ-FZ berichtete). Darin wurden die zuständigen Behörden aufgefordert, die Bottendorfer Ortsdurchfahrt während der Bauzeit für den Durchgangsverkehr zu sperren. Autos und Lastwagen sollten über die Kreisstraße 117 umgeleitet werden, verlangten die Burgwalder. Doch dieser Forderung erteilten Landkreis und Amt für Straßen- und Verkehrswesen (ASV) gegenüber der WLZ-FZ am Dienstag eine Absage. Umleitung nicht möglich „Eine Umleitung ist nicht möglich“, sagte Petra Frömel, Sprecherin des Landkreises, auf Nachfrage. Sie verwies auf eine weitere Baustelle des ASV, durch die ab nächsten Montag bereits weiterer Verkehr auf die Kreisstraße 117 umgeleitet werden solle. „Die Belastung für die Kreisstraße wäre zu groß“, betonte Frömel nach Rücksprache mit dem Fachdienst Verkehr innerhalb der Kreisverwaltung. – „Diese Entscheidung obliegt dem Landkreis“, sagte Rolf-Reiner Lescher, Sprecher des ASV, auf Nachfrage – und schob damit den „Schwarzen Peter“ von seiner Behörde weg. Dass eine Umleitung nicht angeordnet werde, sei allerdings „nichts Überraschendes“, betonte Lescher. Schließlich seien Vertreter der Gemeinde ja bei einem Ortstermin in Bottendorf dabei gewesen. Ortstermin Donnerstag, 9 Uhr Mehr als überrascht zeigte sich gegenüber der WLZ-FZ allerdings Bürgermeister Lothar Koch. „Ich bin entsetzt“, sagte er spontan. Genau wie die Bottendorfer hatte er gehofft, dass der Durchgangsverkehr während der Bauzeit künftig umgeleitet wird. Von der WLZ-FZ über den neuen Sachstand informiert, telefonierte der Bürgermeister sofort wieder mit der Korbacher Kreisverwaltung. Danach sagte er: „Ich habe keine eindeutige Antwort bekommen.“ Nur auf Nachfrage habe er schließlich erfahren, dass es am Donnerstag um 9 Uhr einen neuerlichen Ortstermin geben soll. Eindeutig äußerte sich allerdings Stefan Brühne vom ASV gegenüber der WLZ-FZ. Der für die Bottendorfer Baustelle zuständige Sachbearbeiter bei der Behörde in Bad Arolsen betonte: ASV, Verkehrsbehörde des Landkreises und die Polizei seien einvernehmlich zu dem Entschluss gekommen, dass eine Umleitung „nicht möglich“ sei. Der Grund dafür sei die Baustelle auf der Bundesstraße 253, die ab nächster Woche bei Haine einseitig für den Verkehr gesperrt werden soll. Aus einer Richtung würden die Autos und Lastwagen dann über die Kreisstraße 117 umgeleitet. Und die sei damit bereits stark belastet. Sobald die Bundesstraße bei Haine nach geplanten zwei bis drei Wochen wieder frei ist, will das ASV laut Brühne die Brücken von Haine in Richtung Birkenbringhausen sanieren, wodurch die Kreisstraße 118 auf diesem Streckenabschnitt voll gesperrt werden müsste. „Dann wird wieder die Kreisstraße 117 durch eine Umleitung belastet“, erklärte Brühne. Auch diese Information war für Bürgermeister Koch neu. „Die Brücken sollten erst nach der Erntezeit saniert werden, also ab Ende September“, betonte der Verwaltungschef, der gestern sprichwörtlich „aus allen Wolken“ gefallen ist. ASV wirbt um Verständnis Stefan Brühne vom ASV warb derweil um Verständnis: Durch die Konjunkturpakete werde derzeit sehr viel gebaut. „Wir müssen den gesamten Bereich betrachten und nicht nur Bottendorf. Da versuchen wir eben die Lösung zu finden, die für alle Bürger am besten ist.“ Die Bottendorfer befürchten indes bereits Schlimmstes: Denn demnächst wird die Baustelle weiter in Richtung Frankenberg „wandern“ – auf einen Abschnitt der Ortsdurchfahrt, den mehrere viel befahrene Seitenstraßen kreuzen und an dem die Schule liegt, die nach den Ferien von zahlreichen Schul- und damit auch Verkehrs-Anfängern besucht wird. Wer ist verantwortlich? Dass sie der geforderten Umleitung einvernehmlich eine Absage erteilt haben, erklärten sowohl Landkreis als auch ASV. Nur wer letztlich verantwortlich ist – da gehen die Meinungen offenbar auseinander. Laut Kreis-Sprecherin Frömel ist für den Kanalbau der Landkreis und für die geplante Deckenerneuerung das ASV zuständig. Die Bad Arolser Behörde habe nach einer Absprache allerdings die Verantwortung übernommen. Dem widerspricht Lescher vom ASV: Die Entscheidung für oder gegen eine Umleitung obliege eindeutig der Verkehrsbehörde des Landkreises. Nicht ohne Galgenhumor fragen sich manche Bottendorfer bereits: „Wer übernimmt wohl die Verantwortung bei dem ersten Unfall?“

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