Der Schwabendorfer Gerhard Badouin will Hugenotten-Sprachreste bewusst machen

Beduppen und Klamauk

Mit Sprache und Tradition verbunden: Gerhard Badouin sammelt mit seinem Arbeitskreis im Schwabendorfer Dorfmuseum alle volkskundlichen Reste aus der Hugenottengeschichte, so auch diese „Santons“, provenzalische Püppchen. Foto: Völker

Burgwald/Schwabendorf. „Hat sich eine dumme Donsel beduppen lassen, dann sitzt sie ganz schön in der Bredullje“, zitiert Gerhard Badouin, Vorsitzender des Arbeitskreises für Hugenotten- und Waldensergeschichte Schwabendorf in der jüngsten Ausgabe des Vereinsrundbriefes den Volksmund. Nicht nur Flur- und Familiennamen erinnern in den Hugenottendörfern der Burgwaldregion an die französischen Wurzeln der Einwanderer, sondern auch viele Sprachwendungen im Alltag.

Badouin hat ein paar von ihnen aufgeschrieben, weiß aber auch, dass längst eingedeutschte französische Sprachbrocken in der Bevölkerung noch aus der Napoleonzeit oder früher stammen, als Französisch Amts- und Modesprache war. „Wir benutzen heute oft unbewusst Wörter, die auf französische Sprachelemente zurückgehen“, will der Hugenottenforscher deutlich machen. „Donsel“ (von doncelle=alte Frau), „beduppen (duper=täuschen) oder „Bredullje“ (bredouille=Bedrängnis) sind solche Beispiele, die Badouin gesammelt hat.

Aber auch wenn früher auf den Dörfern jemand zur Kirmes das „Kameseelche“ (camisol=Hemd) anzog, um „estemiert“ zu werden (estimer=schätzen), wenn es dann „Klamauk“ (clameur=Geschrei) oder „Querelen“ (querelle=Streit) gab – immer war die Geschichte der französischen Vorfahren im Spiel. Badouin zählt auch ganz selbstverständlich gebrauchte Wörter wie furios, couragiert, schinant, Maläste, proforsch oder totschick auf.

Kulturtransfer

Der Schwabendorfer, der mit seinem Arbeitskreis heute immer noch engen Kontakt mit den Herkunftsorten der französischen Kolonisten hält und viele Gruppenreisen dorthin unternahm, kann die Sprachentwicklung nicht mehr bis auf die Einwanderungsjahre zurückverfolgen. „Viele junge Mädchen und Frauen unserer Region gingen vor allem in der französischen Zeit gegen Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts als Haushaltshilfen und Kindermädchen in höhergestellte Marburger Familien, fanden dort ‚Lojschi’ (logis=Quartier)“, schreibt Badouin. Dadurch fand ein reger Sprach- und Kulturtransfer mit dem französisch durchsetzten „vornehmen“ Hochdeutsch statt.

Alte Schwabendorfer erzählen heute noch, dass ihre Vorfahren, wenn sie die acht Kilometer entfernten „Brücher Wiesen“ im Burgwald mühsam bewirtschafteten, dann dort aus Zeitökonomie über Nacht „kampieren“ mussten (camper=im Freien lagern). Heute sind die „Franzosenwiesen“ als renaturiertes Hochmoor ein beliebtes Wanderziel.

www.ak-schwabendorf.de

Von Karl-Hermann Völker

Quelle: HNA

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