Laisa.

„Beim Rückersfest musst du alles geben“

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- Battenberg-Laisa. Günther Belz (60) ist der dienstälteste Ortsvorsteher im oberen Edertal. 1981 wurde er zum ersten Mal gewählt.

Als Günther Belz Ortsvorsteher wurde, hatte er eine entscheidende Qualifikation: „Ich kann Schreibmaschine schreiben, und zwar nicht nur mit Zwei-Finger-Suchsystem“, erzählt er. Altbürgermeister und Ortsvorsteher Emil Mankel suchte jemanden, der im Büro zurechtkommt. Damals, vor 30 Jahren. Denn damals war in den Dörfern noch viel mehr Verwaltungsarbeit zu leisten.

Günther Belz war damals ein junger Mann, gerade 30 Jahre alt geworden. Mit der Kommunalpolitik hatte er nichts am Hut. Dennoch konnte er sich für das Amt des Ortsbeiratschefs erwärmen – wenn er auch gedrängt werden musste: „Mein Patenonkel Robert Koch hat mich damals ein halbes Jahr lang bekniet.“ Neben seinen Kenntnissen in der Verwaltung war auch sein Arbeitsplatz von Vorteil. Belz hatte nämlich zunächst eine Lehre zum Steuerfachgehilfen absolviert, später aber auch noch Stellmacher gelernt, um den Betrieb seines Vaters zu übernehmen.

So konnte er als Ortsvorsteher schnell mal den Arbeitsplatz verlassen und ins Büro gehen. In der Verwaltungsstelle wurden damals noch unter anderem polizeiliche Führungszeugnisse ausgestellt, Rentenanträge angenommen und Pässe verlängert. Und Günther Belz musste den Schlüssel für die gemeindeeigene Müllkippe ausgeben, die es damals noch gab.

Mehrmals täglich werden außerdem aktuelle Nachrichten über die Ortsrufanlage verkündet. Zum Beispiel, wenn mal wieder Rinder ausgebrochen sind und eingefangen werden müssen. Denn in Laisa gibt es seit 50 Jahren eine Ortsrufanlage. Für die ist Günther Belz zuständig. Täglich wird auf Feiern, Geburtstage oder Begebenheiten hingewiesen. Die Lautsprecher sind im ganzen Dorf verteilt.

Bekannt ist Günther Belz über die Ortsgrenzen hinaus – auch, weil er gerne über den Tellerrand blickt. Landkreisgrenzen zählen für ihn nicht, schließlich gehörte Laisa bis 1932 zum Kreis Biedenkopf. Durch das Rückersfest gerät Laisa alle sieben Jahre überregional in den Blickpunkt. Viermal – 1985, 1992, 1999 und 2006 – war Günther Belz Vorsitzender des Festausschusses. Dann war Ausnahmezustand. „Beim Rückersfest musst du alles geben.“ Das nächste findet in zwei Jahren statt.

1985 führte er die „Rückerswache“ ein, um den Diebstahl der Rückersfigur zu verhindern. Das hölzerne Pferdegespann wird drei Wochen vor dem eigentlichen Fest auf dem alten Rathaus angebracht – und früher machten sich Jugendliche aus Nachbardörfern einen Spaß daraus, das Wahrzeichen zu stehlen. Die „Rückerswache“ wurde zum beliebten Treffpunkt zu etlichen kleinen Feiern vor dem eigentlichen Fest.

Mehr lesen Sie in der FZ vom Samstag, 7. Mai.

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