Frankenberg

Beim Winterdienst ist das Salz knapp

- Frankenberg (jos/lb). Weil das Auftausalz beim Frankenberger Betriebshof knapp ist, haben die Mitarbeiter die Menge gesenkt und zum Teil nur steile Strecken gestreut.

So lange es keinen Niederschlag gibt, ist alles in Ordnung. Die Stadtstraßen sind geräumt, am Dienstag waren keine Fahrzeuge des Frankenberger Winterdienstes im Einsatz. Ein guter Tag für den Betriebshof, dessen Mitarbeiter die Zeit nutzten, die Fahrzeuge zu warten.

Noch besser wurde der Tag, als die erste Kipper-Ladung mit frischem Streusalz auf dem Betriebshof-Gelände an der Eder eingetroffen ist. Bestellt hatte Martin Hecker das Salz bereits am 21. Dezember. „Normal sind ein bis zwei Tage Lieferzeit“, berichtet der Chef des städtischen Eigenbetriebs. Doch in diesem Winter ist alles anders. Salz ist Mangelware.

Selbst Privatleute schauen in die Röhre, wenn sie keinen Vorrat angelegt haben: Die meisten Baumärkte bieten schon seit Tagen kein Streusalz mehr an. „Wir hatten für den 19. Dezember bestellt, bekommen jetzt aber erst Mitte oder Ende dieser Woche eine Lieferung“, sagt beispielsweise Uwe Rost, Leiter des Obi-Marktes in Korbach.

Vor Weihnachten gab es laut Martin Hecker die erste Durststrecke. Der Frankenberger Betriebshof musste reagieren: „Wir haben die Salzmenge gesenkt und zum Teil nur steile Strecken gestreut“, erklärt Hecker.

Gute Zusammenarbeit

Interkommunale Zusammenarbeit lief beim Winterdienst auf dem kurzen Dienstweg: Der Rosenthaler Bauhof half den Frankenberger Kollegen kurzfristig aus. „Auch bei der Straßenmeisterei haben wir etwas Salz geborgt“, sagt Hecker. Für die Menschen in Frankenberg ein Glücksfall, dass die Behörden auf lokaler Ebene so gut und unkompliziert kooperieren – denn ohne Salz wären die Straßen an manchen Tagen wohl vereist geblieben.

Gefährlich ist das vor allen Dingen für die Kraftfahrer auf der Kreisstraße 117 in Richtung Wiesenfeld. Die Straße ist seit Fertigstellung der Umgehung von der Kaserne bis nach Frankenberg hinein zur Stadtstraße abgestuft worden – und muss auf diesem Abschnitt seither vom Winterdienst des städtischen Betriebshofes geräumt werden. Die überregionalen Straßen hingegen betreut die Straßenmeisterei.

Wie die Stadt Frankenberg fühlen sich auch andere Kommunen von dem großen Salzlieferanten im Stich gelassen. 20 Tonnen Streusalz lagert die Stadt Korbach noch auf dem Bauhof-Gelände. „Das reicht noch für zwei Tage“, sagt Friedhelm Schmidt, Leiter des städtischen Eigenbetriebs Technische Dienste und Feuerwehr. Nachschub ist keiner in Sicht, der Markt sei wie leergefegt. „Wir versuchen jetzt, mit dem, was wir noch haben, hauszuhalten“, so Schmidt. Für Nebenstraßen in der Kernstadt und den Ortsteilen bedeutet das einen eingeschränkten Winterdienst in den nächsten Tagen.

Auch in Willingen schrumpft der Vorrat: „Die Lage ist schwierig. Das Salz reicht vielleicht noch übers Wochenende“, sagt Amtsleiter Jürgen Querl. Auch im Wintersportort ist Sparsamkeit angesagt: Vorrangig werden Steilstrecken gestreut. Splitt als Alternative lehnt Querl ab: „Der muss im Frühjahr wieder entsorgt werden, außerdem verstopft Split unsere Kanäle, die gerade erst gereinigt wurden“, so der Willinger Bauhof-Chef.

Tausend Tonnen Salz

Bei der Frankenberger Straßenmeisterei gibt es bislang keine Engpässe. Sie gehört zum Arolser Amt für Straßen- und Verkehrswesen. Die Mitarbeiter der Landesbehörde erledigen den Winterdienst auf den Bundes-, Landes- und Kreisstraßen. Ungefähr tausend Tonnen Salz haben die Frankenberger Mitarbeiter laut deren Chef Günther Ulrich in diesem Winter bereits gestreut. In Frankenberg gibt es ein Lager, das 600 Tonnen Salz fasst, in Battenberg ist Platz für rund 400 Tonnen. „Wir haben bereits reichlich nachbestellt, die Lieferung ist bereits bestätigt“, erklärt Ulrich.

Beim städtischen Betriebshof sieht das anders aus. Er bezieht sein Salz wie fast alle Kommunen in der Republik beim Deutschen Straßen-Dienst in Hannover, eine Tochter-Firma der weltweit agierenden K+S-Gruppe. Der werfen kleinere Abnehmer von Streusalz vor, dass sie ihre monopolartige Stellung ausnutze und Großabnehmer bevorteile.

„Wir müssen unsere Aufträge derzeit priorisieren. Deshalb erhalten die Kunden zuerst Auftausalze, die für Autobahnen und überregionale Hauptstraßen zuständig sind“, erklärte K+S-Sprecher Ulrich Göbel der Deutschen Presseagentur (dpa). Aus dem Grund sei die „Nachschubsituation durchaus ein wenig angespannt“. Von enormen Lieferengpässen könne aber nicht die Rede sein. Dass die Realität offenbar anders aussieht, belegt ein Fax, das die K+S-Tochterfirma Deutscher Straßen-Dienst GmbH an Kunden verschickt hat. Darin bittet das Unternehmen um Verstädnis dafür, dass für Bestellungen von Auftausalz kein Liefertermin genannt werden könne. Von telefonischen Rückfragen sollen die Kunden in der Zwischenzeit absehen.

Vom Markt verdrängt

Mehrere Zwischenhändler haben laut Martin Hecker in der Vergangenheit ihre Regionallager dicht gemacht, auch ein größeres Salzwerk sei vom Markt verdrängt worden. Die Folge: „Mittlerweile bekommen wir Salz aus Afrika und Argentinien geliefert, das über Holland eingeschifft wird.“

Auf die längeren Lieferzeiten hat der Frankenberger Betriebshof indes reagiert und neue Lagerkapazitäten in einer Halle geschaffen. Grund für die Lieferengpässe sind laut Fax des Deutschen Straßen-Dienstes die „seit Mitte Dezember andauernden extremen Wetterverhältnisse“. Das Bestellvolumen sei „enorm“.

Nicht so beim Frankenberger Betriesbhof. „Der Winter ist zwar besonders kalt. Aber wir haben nicht mehr Salz gebraucht, als in den vergangenen Jahren.“ Bei Temperaturen unter Minus 10 Grad helfe das Salz ohnehin nicht beim Auftauen. Und an Tagen wie gestern mag es zwar kalt sein – aber so lange es keinen Niederschlag gibt, muss auch nicht gestreut werden. Dank der Salz-Lieferung von Dienstag kann der Frankenberger Betriebshof immerhin dem für Ende der Woche angekündigten Schnee einigermaßen gelassen entgegenblicken. Ist das Lager wieder leer, können Martin Hecker, seine Mitarbeiter und die Menschen in Frankenberg nur auf eine neue Lieferung hoffen.

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