Somplar

„Bernd Clüver war ein guter Kumpel“

+

- Bromskirchen-Somplar (jos). In einem Einfamilienhaus im Somplarer Wacholderweg wohnt mit Franco Ferraro seit zwei Jahren ein Musiker, der viele unglaublich spannende Dinge erlebt hat. Unter anderem hat der heute 48-Jährige von 1995 bis 2000 als Komponist für Bernd Clüver gearbeitet, dessen tragischer Tod in diesen Tagen die Boulevard-Nachrichten dominiert.

Als der deutsch-griechische Schlagersänger Janis Nikos ihn vorige Woche anruft, merkt Franco Ferraro sofort, dass etwas nicht stimmt. „Normalerweise macht Janis immer irgendwelche Späße am Telefon“, sagt Ferraro. Doch dieses Mal überbringt Janis Nikos seinem langjährigen Wegbegleiter und Komponisten eine traurige Nachricht über einen gemeinsamen Freund: „Bernd ist tot.“

Zu diesem Zeitpunkt hat noch keine Zeitung und noch keine Radio- oder Fernsehstation über den tödlichen Treppensturz des einstigen Schlagerstars Bernd Clüver berichtet. Franco Ferraro ist fassungslos. Doch mit ein wenig Abstand kommt er zu dem Schluss: „Irgendwann musste es wohl so kommen.“

Mit dem Titel „Der Junge mit der Mundharmonika“ kam Clüver in den 70er-Jahren zu Ruhm. Doch an die Erfolge von damals konnte der Sänger nie wieder anknüpfen. Zuletzt führte er laut Medienberichten ein trauriges und einsames Leben auf Mallorca, das von Alkoholexzessen geprägt gewesen sein soll. „Ich wusste, dass er Hilfe braucht“, sagt Ferraro über seinen einstigen Kumpel Clüver, mit dem er in den 90er-Jahren viel unternommen hat. Doch mit dem Ende der beruflichen Zusammenarbeit waren auch die privaten Kontakte „eingeschlafen“. „Ich wollte ihn unbedingt noch mal auf Mallorca besuchen“, sagt Ferraro. Doch dafür ist es jetzt zu spät.

Franco Ferraro wächst als Sohn eines italienischen Vaters und einer deutschen Mutter im osthessischen Bad Hersfeld auf. Er erlernt einen „bürgerlichen“ Beruf, wird Zahntechniker. Doch zeit seines Lebens interessiert sich Ferraro für Musik. Nach einem Auftritt als Sänger in einem Hersfelder Hotel wird Ferraro von einem Mann angesprochen, der behauptet, der Onkel von Bernd Clüvers Ehefrau zu sein. „Er hat gesagt, dass Bernd Clüver auf der Suche nach einem neuen Team ist, und mich gebeten, ihm Demo-Songs von mir mitzugeben“, berichtet Ferraro.

Gesagt, getan: Ferraro bespielt dem Mann eine Kassette mit zahlreichen Titeln. „Ich habe ihm das ganze Spektrum aufgezeigt – von melodischem Rock über Volksmusik bis Schlager“, berichtet der Komponist. Und tatsächlich erhält Ferraro einige Zeit später einen Anruf von Bernd Clüver. „Ich bekam regelrecht eine Gänsehaut“, erinnert sich der Musiker. Immerhin sei Clüver ein Star seiner Kindheit gewesen. „Bernd hat mich gefragt, ob ich sein Produzent werden will“, berichtet Ferraro.

Doch zu diesem Zeitpunkt habe er kein entsprechendes Studio gehabt. „Vielleicht hätte ich trotzdem einfach Ja sagen sollen“, denkt Ferraro später. Doch er bietet sich lediglich als Co-Produzent und Komponist an. In der Zeit von 1995 bis 2000 schreibt Ferraro daraufhin zahlreiche Lieder für Clüver. Drei Alben bringt der Schlagersänger in dieser Zeit heraus. „Etwa die Hälfte der Titel habe ich geschrieben“, sagt Ferraro. Der ganz große Erfolg bleibt zwar aus, doch eine Single schafft es laut Ferraro immerhin bis auf Platz drei der offiziellen Schlager-Charts von Media Control: „Dann kamst du“ wird Clüvers größter Hit in den Jahren der Zusammenarbeit mit Ferraro.

Mehr lesen Sie in der FZ vom Dienstag, 2. August.

Kommentare