Ihm geht es nicht um Trophäen

Berufsjäger Bernd Junk: Seine Aufgabe ist Waldbau mit der Büchse

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Das Jagdgewehr ist sein Arbeitsgerät: Bernd Junk arbeitet als Berufsjäger in den Stiftungsforsten Kloster Haina.

Haina/Kloster. Er ist der einzige Berufsjäger im öffentlichen Wald in ganz Hessen. „Mir geht es um Waldökologie, nicht um Throphäen“, sagt der 51-Jährige.

„Hast du denn da genug zu tun?“ Diese Frage bekommt Bernd Junk öfter zu seiner Stelle als Berufsjäger in den Stiftungsforsten Kloster Haina gestellt. „Er hat genug Arbeit. Sonst hätte der Landeswohlfahrtsverband, zu dem der Stiftungsforst gehört, der Schaffung seiner Stelle gar nicht zugestimmt“, sagt sein Chef Manfred Albus, Leiter des Hainaer Forstbetriebs.

Der Forstingenieur Junk (51) ist nach eigenen Angaben Hessens einziger Berufsjäger im öffentlichen Wald. Er unterstützt die Revierleiter gezielt dabei, den Wildbestand im 3500 Hektar großen Gebiet zu regulieren. „Er betreibt Waldbau mit der Büchse“, sagt Manfred Albus.

Denn nur wenn die Zahl an Rehen, Rot- und Damwild in einem gewissen Rahmen gehalten wird, kann der Wald gut wachsen. Das Wild setzt den Jungpflanzen zu, frisst die Triebe ab und verhindert die natürliche Verjüngung. Und es verursacht Schälschaden an den Bäumen.

Jagen statt pflanzen 

Durch ausreichende Jagd spare der Forstbetrieb das Geld für Anpflanzungen und deren Schutz durch Gatter, erläutert der Berufsjäger. Das unterscheide ihn von traditionellen Berufsjägern im Privatwald. Deren vornehmliche Aufgabe sei die Wildhege - also das Wild so zu fördern, dass die Jagdpächter erfolgreich jagen können. Junk nennt dieses Vorgehen „unnatürliche Wildhege“. „Mir geht es nicht um Trophäen. Ich jage nach wildbiologischen Kriterien“, sagt er.

Forstbetriebsleiter Albus betont: Der Berufsjäger trage zum gesellschaftlichen Auftrag der Stiftungsforsten bei, „eine langfristige wirtschaftliche und naturnahe Bewirtschaftung eines stabilen Waldes“ zu erreichen und mit dem Erlös den Landeswohlfahrtsverbandes zu unterstützen, der sich um Menschen kümmert, die krank, behindert und sozial benachteiligt sind. Damit stehe der Forstbetrieb in der Tradition von Landgraf Philipp, der 1533 das Kloster Haina in eine Stiftung und ein Spital für Arme umwandelte.

Für den Forstbetriebsleiter hat sich der knapp einjährige Einsatz des Berufsjägers bereits ausgezahlt, was er an „deutlich erhöhten Abschusszahlen“ festmacht. Doch noch lieber wäre den Forstleuten, wenn das Wild wieder genug natürliche Feinde hätte: „Die Stiftungsforsten würde eine dauerhafte Wiederkehr von Luchs und Wolf in ihren Wäldern begrüßen“, sagen sie.

Der Berufsjäger greift, anders als manche meinen, keinesfalls täglich zur Büchse. Er arbeitet auch viel am Schreibtisch.

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Quelle: HNA

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