Berufsschäfer hat keine Angst vor dem Wolf

Hat keine Angst vor dem Wolf: Berufsschäfer Manfred Jauernig aus Biedenkopf. Fotos: Röder

Biedenkopf-Wallau. Angst vor Wölfen habe er nicht, sagt Berufsschäfer Manfred Jauernig. Aber die verstärkte Ausbreitung der Raubtiere in Hessens Wäldern beschäftige ihn schon.

Manfred Jauernig blickt trotz allem gelassen drein. Zu seinen Füße liegen Jack und Prinz, die beiden Altdeutschen Hütehunde des Schäfers aus Mainzlar bei Staufenberg. Derzeit weidet er die Schafe eines Kollegen auf den Wiesen zwischen Biedenkopf und Wallau. Friedlich stehen die rund 800 Tiere in der Mittagssonne.

Seit 43 Jahren ist Jauernig schon im Geschäft. Wölfe seien immer wieder mal ein Thema. Selbst Probleme mit den Raubtieren hatte er noch nicht - eher mal mit dem Hund eines Spaziergängers, der seine Herde aufgescheucht hat. „Das ist aber alles ganz normal. Man lernt damit umzugehen“, sagt er. Dennoch sei das eine „gefährliche Sache“. „Da muss man dann schon wissen, was man tut. Denn meine Schafe sind nun mal nur meine Hunde gewohnt - nicht jene von Spaziergängern.“

Konkrete Maßnahmen, um seine Tiere vor Wölfen zu schützen, hat der Berufsschäfer noch nicht ergriffen. „Man muss halt erst mal sehen, wie sich die Situation entwickelt. Man weiß ja heute nicht, wo es die Wölfe hinzieht, ob sie nach Nordhessen gehen, oder ob sie zu uns kommen.“ Die Angst, dass ein Wolf eines seiner Schafe reißt gibt es zwar, aber wirklich akut sieht Jauernig die Gefahr nicht.

Zudem: Tagsüber lässt ein Schäfer seine Herde in der Regel nicht allein. „Da bin ich ja da und Jack und Prinz“, erklärt Jauernig und krault Prinz sanft am Kopf, während sein fünfjähriger Hütehundkollege seine Runde um die Schafsherde bei Wallau zieht.

Nachts sei die Gefahr, dass eines der Tiere von einem Wolf oder einem anderen Raubtier „geholt“ wird, schon größer. „Entweder sind die Schafe nachts im Stall, oder - wenn sie draußen weiden - ist ein Elektrozaun um sie herum. Da muss ein Wolf dann erstmal drüberspringen.“ Dass das ein solches Raubtier nicht aufhalten werde, ist allerdings auch dem Staufenberger klar.

Positiv wertet es der Berufsschäfer, dass Land und Kreis verstärkt Infoveranstaltungen anbieten würden. „Demnächst steht wieder ein Leistungshüten an“, sagt er. „Dort wird auch eine Expertin zu dem Thema einen Vortrag halten.“ Informiert fühle er sich, erklärt Jauernig.

„Ich denke schon, dass einer meiner beiden Hunde sich mit dem Wolf beißen würde.“

Was geschieht, wenn plötzlich ein Wolf versuchen würde, eines seiner Tiere zu reißen, kann Jauernig nicht vorhersagen. „Ich denke schon, dass einer meiner beiden Hunde sich mit dem Wolf beißen würde“, erklärt er.

Von Christian Röder

Quelle: HNA

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