Polit-Kabarettist Thilo Seibel trat im Saal des alten Battenberger Rathauses auf

Berufsschule für Politiker?

Stark in seiner Gestik und Theatralik: Thilo Seibel, mit den Händen und den entsprechenden Gesichtszügen bei „Niemand will hier eine Mauer bauen“. Foto:  Arnold

Battenberg. Man kann auch über Dinge lachen, über die man sich schon mal geärgert hat. Zumindest dann, wenn sie der Polit-Kabarettist Thilo Seibel in seiner sarkastischen und humorvollen Art einem wieder ins Gedächtnis ruft. Seibel trat zum Tag des offenen Denkmals mit seinem Programm „Das wird teuer“ im Saal des alten Battenberger Rathauses auf.

Zum Einstieg beschrieb Seibel das Abheben von Geldbeträgen an ausländischen Geldautomaten und trug dazu die Hinweise auf den Bildschirmen vor: „Sie haben sich entschieden, für 10 Euro zurückzuziehen“. Ein Glas Sekt half den Zuhörern, über teilweise etwas langatmige Tiraden in Versform hinwegzukommen. In seinen Parodien lief der als spitzzüngiger Kabarettist bekannte Seibel allerdings zur Höchstform auf.

Auch mit Günther Öttingers Reden in „Braxel“ brachte er das Publikum zum Lachen. Der „Energiekommissoner Öttinger müsse in Brüssel nicht nur Englisch reden sondern auch Scheiße“, stellte Seibel sarkastisch fest. Und: „Ausgerechnet der soll den kompletten Umbau des europäischen Stromnetzes organisieren.

Das Motto des Abends „Das wird teuer“ passt natürlich auch zur Euro-Rettung. Dabei nimmt Seibel die Zuhörer mit zu einem Strandspaziergang, wo sich Merkel und Sarkozy schon die Füße platt laufen. Er schlüpft er in die Rolle des deutsch-französischen Euro-Retters und wächst als Sarkozy, diesem „Louis de Funès der Politik“, fast über sich hinaus: Sarkozy wild gestikulierend und die Kanzlerin mit den Händen im Dreieck um den Bauchnabel, wohin sich auch ihre Mundfalten bewegen.

Seibel hatte zur Verstärkung den imaginären rheinischen Handwerker Harry Meissner mitgebracht, der im Berliner Regierungsviertel die Politik „am Abflussrohr der Macht miterlebt“.

So schlüpfte Seibel dann auch in diese Rolle, in der er mit seiner Gestik und seinem schauspielerischen Talent überzeugte. Politiker als Handwerker: Das kann sich Meissner gar nicht vorstellen. Er fragt das Publikum, ob schon mal jemand eine Berufsschule für Politiker gesehen habe, er kenne nur einen Auszubildenden in der Politik, den Philipp Rösler.

Wie es sein könnte, wenn Politiker zu Handwerkern werden, stellte Seibel dann in hervorragender Weise dar, wie der Handwerker dann vor dem Arbeitsbeginn große Reden schwingt und auch den Satz: „Niemand will hier eine Mauer bauen“ von sich gibt.

Seibel legte zwei Stunden lang den Finger in die Wunden des politischen Lebens. Mit seinen Parodien lief er zur Höchstform auf. Dafür erhielt er den verdienten Beifall der Zuschauer. (wi)

Quelle: HNA

Kommentare