Frankenberg

Besitz und Verbreitung von Kinderpornos: 31-Jähriger verurteilt

- Frankenberg (jos). Weil er mehr als 27 000 Kinderpornos bessesen hat und einen Film anderen Internetnutzern zugänglich gemacht hat, ist ein 31-jähriger Frankenberger am Dienstag vor dem Amtsgericht verurteilt worden.

Über ein sogenanntes Filesharing-Programm hat sich der Angeklagte nach Auffassung des Frankenberger Amtsgerichts im Zeitraum von August 2008 bis Januar 2009 die Kinderpornos im Internet heruntergeladen. Einen Film hat der Mann demnach anderen Internetnutzern zur Verfügung gestellt – deswegen musste er sich nicht nur wegen des Besitzes, sondern auch wegen der Verbreitung von Kinderpornos verantworten.

Der Angeklagte, der derzeit an einer beruflichen Umschulung teilnimmt, räumte die ihm zur Last gelegten Taten ein. Als er das erste Mal Dateien mit kinderpornografischen Inhalten aus dem Internet heruntergeladen habe, sei das „reiner Zufall“ gewesen, beteuerte der 31-Jährige. Danach habe ihn die „Sammelwut“ gepackt. Aus „purer Dummheit“ habe er sich schließlich immer mehr Kinderpornos verschafft.„Warum haben Sie das getan?“, wollte Richterin Andrea Hülshorst von dem Angeklagten wissen. „Ich fand es interessant“, antwortete der Angeklagte nüchtern.

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft fand sowohl während der Beweisaufnahme als auch in seinem Plädoyer deutliche Worte: „Sie sind für das Leid dieser Kinder verantwortlich. Wenn es Menschen wie Sie nicht gäbe, würden diese Kinder auch nicht sexuelle missbraucht werden.“

Genau das sei dem Angeklagten eben erst bewusst geworden, nachdem die Sache „aufgeflogen“ war, betonte der Verteidiger des 31-Jährigen. Bei dem Angeklagten habe ein „Bewusstwerdungsprozess“ stattgefunden. Das wollte Richterin Andrea Hülshorst allerdings nicht gelten lassen: „Wer diese Bilder sieht, dem muss sofort bewusst werden, um was es geht“, betonte sie.

Der Verteidiger forderte eine Bewährungsstrafe von einem Jahr. Mit ihrem Urteil kam Richterin Hülshorst allerdings dem Antrag der Staatsanwaltschaft nach und verurteilte den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von anderthalb Jahren. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Dass das nicht selbständlich sei, betonte die Richterin in ihrer Urteilsbegründung: Nur weil die Straftaten durch das Internet „leider viel zu einfach“ zu begehen seien und der Angeklagte bislang nicht vorbestraft war, habe sie die Freiheitsstrafe zur Bewährung ausgesetzt. Die Dauer der Bewährung setzte Hülshorst auf vier Jahre fest.

Außerdem muss der 31-Jährige laut Urteil des Amtsgerichts 150 Stunden gemeinnützige Arbeit verrichten. Was den Mann allerdings offenbar viel mehr stört: Er darf sechs Monate lang keinen Internetanschluss haben. Während der Mann alle anderen Strafen regungslos zur Kenntnis nahm, reagierte er auf den „Internet-Entzug“ mit einem „Oh“ und versuchte zu erklären, dass sein Vertrag mit dem Internetanbieter aber an eine Laufzeit gebunden sei. „Dann kündigen Sie diesen Vertrag sofort“, reagierte die Richterin in strengem Ton.

Der Verweis auf eine angebliche „Sammelwut“ machte Richterin Hülshorst wütend: „Sie haben doch nicht gedacht, dass das Schaufensterpuppen waren. Das war doch für Sie der Kick, dass da lebendige Kinder missbraucht werden.“

Ein Bewährungshelfer soll sich jetzt darum kümmern, dass sich der 31-Jährige in psychiatrische Behandlung begibt.

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