Rund 150 Interessierte nehmen teil am Fachtag zum Thema "Unser Dorf - Sorgenkind oder Vorbild?"

Beste Ideen kommen aus den Dörfern

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Dr. Jürgen Römer, Leiter des Fachdienstes Dorf- und Regionalentwicklung, hieß Landrat Dr. Reinhard Kubat, die Vorsitzende des Kreistages in Waldeck-Frankenberg Iris Ruhwedel, die drei Referenten Bernd Wecker, Dr. Markus Mempel und Björn Brede sowie Römers Interviewpartner Volker Becker (von links) während des Fachtags in Frankenau willkommen.

Frankenau - Fort mit dem "Schreckgespenst demografischer Wandel" und stattdessen die Stärken kleiner Dörfer entdecken! - So jedenfalls lautete der Tenor während des zweiten Fachtags zur Regionalentwicklung.

„Fachtag Regionalentwicklung“ ? das klingt erst einmal ganz theoretisch, fernab von jeglicher Praxis. Doch die Veranstaltung, die der Fachdienst Dorf- und Regionalentwicklung des Landkreises Mittwochabend in Frankenau geboten hat, war alles andere als spröder, trockener „Unterricht“. Dementsprechend aufmerksam lauschten die rund 150 Interessierten in der Kellerwaldhalle den Ausführungen der drei Referenten sowie dem Interview mit Volker Becker, dem Bürgermeister von Diemelsee. Zudem beteiligten sie sich engagiert und angeregt an den drei Austausch-Seminaren rund um das Thema „Unser Dorf ? Sorgenkind oder Vorbild?“ So hatte es sich auch der Leiter des Fachdienstes, Dr. Jürgen Römer, im Vorhinein gewünscht. „Wir möchten eine Plattform des Austauschs bieten und die Möglichkeit geben, voneinander zu lernen sowie Ideen und Anregungen mitzunehmen“, sagte er. Erste Denkanstöße erhielten die Zuhörer bereits während der ?Referate. Der erste Vortragende Dr. Markus Mempel hat im Deutschen Landkreistag in Berlin unter anderem die Aufgabengebiete Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Ländlicher Raum und Demografischer Wandel inne. Er führte in das Thema mit seinem Vortrag ein. Er plädierte dafür, die Veränderungen in der Bevölkerungsentwicklung nicht als spaltendes „Schreckgespenst“ anzusehen, sondern sich dem Wandel zu stellen, aus dem dann etwas Positives, Verbindendes werden könne. „Nichts bleibt, wie es ist ? dieser Wahrheit sollte man sich öffnen, um bereit für Veränderungen zu sein“, sagte er. Dieser Empfehlung stimmten auch die beiden weiteren Referenten ? Frankenaus Bürgermeister Björn Brede und Regionalmanager Bernd Wecker ? sowie Römer zu. Dennoch ignorierten sie nicht die realen Probleme, die der demografische Wandel mit sich bringt. Brede nannte ein Beispiel für die Kernstadt Frankenau und ihre sechs Stadtteile. „Wir verzeichnen rückläufige Einwohnerzahler, aber die Infrastruktur bleibt erst einmal und muss weiter bezahlt werden.“ Konkret bedeute dies etwa steigene Abwassergebühren, da für die Kosten zunehmend weniger Menschen aufkommen müssen. Doch der Bürgermeister nannte auch Stärken ? besonders der kleinen Stadtteile mit weniger als 200 Einwohnern. Zum Beispiel hätten sich bereits Fahr- und Koch-Gemeinschaften gebildet, die Seniorenclubs arbeiten überörtlich und die Feuerwehren rücken näher zusammen. Die Stärken bestimmter Dörfer und ihrer Nutzung nannte ebenfalls Wecker anhand von drei weiteren Beispielen: des Korbacher Stadtteils Nieder-Schleidern, der Twistetaler Grunddörfer Elleringhausen, Nieder-Waroldern und Ober-Waroldern, sowie anhand von Dalwigksthal, eines Stadtteils von Lichtenfels. Als Regionalmanager eines Lichtenfelser Planungsbüros hatte er den Bürgern dabei geholfen, Wunschziele für die Zukunft zu entwickeln und Stärken ihrer Heimatdörfer zu erkennen. Dabei sei eines ganz wichtig zu beachten: „Die besten Ideen kommen aus dem Ort selbst. Oft ist nur ein geringer Anstoß nötig, um neue Ideen und Projekte zu entwickeln.“ Er riet daher den Dorfgemeinschaften, sich auch einmal Rat von außen einzuholen, um die eigene Leistungsfähigkeit realistisch einzuschätzen und personelle Ressourcen zu schonen.Die Vortragenden empfahlen außerdem dringend, die Kommunikation der Dorfbewohner untereinander aufrecht zu erhalten und Gelegenheiten zu schaffen, sich für einen gegenseitigen Austausch zu treffen. Wecker motivierte die Teilnehmer ? stellvertretend für alle Dorfgemeinschaften: „Haben Sie keine Angst vor neuen Ideen und haben Sie Mut zur Eigeninitiative! ? Dran bleiben, es lohnt sich!“ Römer kündigte an, dass der nächste Fachtag bereits geplant werde. Voraussichtlich soll er am 3. April zum Thema Ehrenamt und Vereine stattfinden. Außerdem sollen die Ergebnisse des zweiten Fachtags auf der Internetseite des Landkreises veröffentlicht werden.

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