„Solarpapst“ Franz Alt fordert umgehende Umsetzung der Energiewende

„Billiger Atomstrom - eine größere Lachnummer gibt es nicht“

Frankenberg - Mit einer ergreifenden Rede bei der Eröffnung der Burgwaldmesse forderte der „Solarpapst“ Franz Alt die umgehende Umsetzung der Energiewende.

In seiner ökologischen Tagesschau erläuterte der frühere Report-Moderator das Szenario aktueller Umweltzerstörung. Täglich würden 150 Tier- und Pflanzenarten auf der Erde ausgerottet. Die Evolution laufe rückwärts, Alt sprach sogar vom „Dritten Weltkrieg“. „Die Natur braucht uns nicht, sondern wir brauchen die Natur zum Leben“, betonte der Journalist und bezeichnete die Energiefrage und den Klimaschutz als das größte Problem der Menschheit.

Heute werde an einem Tag so viel fossile Energie verbraucht wie die Natur in einer Million Tagen angesammelt habe. „Das geht auch anders“, sagte Alt und verwies auf das Bioenergiedorf Oberrosphe, wo er am Freitagabend zu Gast war. Das Ein-Liter-Auto sei technisch schon lange möglich, werde nur politisch nicht gewollt.

Die Dringlichkeit der Energiewende verdeutlichte er am Klimawandel: Täglich würden 50000 Hektar mehr Wüste produziert, auch für Hessen sagte er in 200 bis 300 Jahren gravierende Veränderungen voraus. „Das ist kein Schreckensszenario eines durchgeknallten Journalisten“. Weiterhin kritisierte er den täglichen Verlust von 86 Millionen Tonnen fruchtbarem Boden durch Erosion sowie 150 Millionen Tonnen neue Treibhausgase in der Luft. „Das hält unser Planet nicht mehr lange aus“, sagte Alt.

Alle Kriege seien heute Ressourcen-Kriege. Statt Krieg um Öl forderte Alt Frieden mit der Sonne. Sie schicke 15000 Mal mehr Energie als auf der Erde benötigt werde. „Die Sonne schickt keine Rechnung“, lautet auch der Titel seines Buches. In Deutschland könne Solarstrom schon heute für 10 Cent pro Kilowattstunde produziert werden. Für die Zeit des Übergangs bis zur Serienreife der Technik sei das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ein wichtiges Instrument gewesen. Es sei inzwischen von vielen EU-Staaten und sogar Japan übernommen worden.

„Bewahrung der Schöpfung“

Als unbezahlbar bezeichnete Alt die Atomkraft, denn mit der Endlagerung der Reste würden die echten Probleme erst anfangen: „Billiger Atomstrom – eine größere Lachnummer gibt es nicht“. Parallelen sieht er bei der Gentechnik. Auch hier bleibe immer ein Restrisiko: „Das ist das Risiko, dass uns jeden Tag den Rest geben kann“, betonte Alt.

Neben der Solarenergie seien auch die Windenergie, die Wasserkraft, die Erdwärme und die Biomasse wichtige Säulen der Energiewende. Durch sie könnten eine Million neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Deutschland sei bei vielen Techniken Weltmarktführer und könne zum Vorreiter der Energiewende werden.

Neben ökologischen, ökonomischen und sozialen Vorteilen erwähnte Alt auch ethisch moralische und religiöse Aspekte: „Bewahrung der Schöpfung für unsere Kinder“. Die Burgwaldmesse sei ein guter Anlass zur Information und Bildung. Nur wer informiert sei, gehen neue Wege.

Beeindruckt von den deutlichen Aussagen spendeten die Zuhörer nach der gut 30-minütigen Rede lang anhaltenden Applaus. Alt informierte sich anschließend im Waldzelt über viele Klimaschutzprojekte in der Region.

Von Frank Seumer

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