Allendorf ändert Bebauungsplan für "Power to Gas"-Anlage

Biogas aus überschüssigem Ökostrom

Allendorf (Eder) - Zwischen den beiden Biogas-Anlagen oberhalb der Viessmann-Werke könnte eine Versuchsanlage entstehen, die Strom in Biogas umwandeln kann. Eine entsprechende Änderung des Bebauungsplans genehmigten die Gemeindevertreter am Mittwochabend einstimmig.

Es klingt ein wenig nach Zukunft, was Bürgermeister Claus Junghenn den Gemeindevertretern am Mittwoch in der Parlamentssitzung im Osterfelder Dorfgemeinschaftshaus vorstellte. Die Abgeordneten sollten über die Änderung des Bebauungsplans zum „TorfeldIII“ in den Gemarkungen Rennertehausen und Allendorf abstimmen - also einem Gebiet oberhalb der Viessmann-Parkplätze, nahe der Biogasanlagen.

Er sei kein Chemiker und stecke nicht in der Materie, begann Junghenn launig - und erläuterte dann einen chemischen Prozess, der es erlaubt, aus überschüssigem Strom Bioerdgas zu erzeugen, das dann im Erdgasnetz zwischengespeichert werden könne - „Power to Gas“. Das Ganze sei auf einer Fläche von etwa zwei Transportcontainern Größe möglich, erklärte Junghenn. „Wir müssen nicht mit einem Riesenbauwerk rechnen“, eine Anlage sei „überschaubar“ und daher ebenfalls die benötigte Fläche. Einstimmig wurde der Vorlage somit auch zugestimmt.

Ulrich Kirchhübel, Vorsitzender des Bau- und Wirtschaftsausschusses, hatte zuvor bereits aus dessen jüngster Sitzung berichtet: Nach einer Präsentation der auf Biogas spezialisierten Firma Schmack, einem Tochterunternehmen der Viessmann-Gruppe, habe sich der Ausschuss ebenfalls einstimmig für die Änderung des Bebauungsplans ausgesprochen.

Konzept von Schmack

Ulrich Schmack, Geschäftsführer der Ende 2011 gegründeten Viessmann-Tochter Microbenergy, hatte bereits im Juni des Jahres während einer Strategiekonferenz der Deutschen Energieagentur in Berlin ein eigenes „Power to Gas“-Konzept vorgestellt. Demnach soll in einem ersten Schritt überschüssiger Strom aus Windkraft oder Photovoltaik verwendet werden, um aus Wasser mittels Elektrolyse Wasserstoff herzustellen. Bereits dieser kann theoretisch in geringen Mengen in das bestehende Erdgasnetz eingebracht und so „zwischengespeichert“ werden.

Interessant wird die Anlage aus Schmacks Konzept allerdings, wenn sie in räumlicher Nähe zu Biogasanlagen betrieben wird - wie möglicherweise in Allendorf. Laut Schmack liege der Methan-Anteil im Biogas aus heute üblichen Anlagen bei gut 50 Prozent. Das in dem Gas enthaltene Kohlendioxid könne bei Zugabe des in der „Power to Gas“-Anlage erzeugten Wasserstoffs durch Mikroorganismen „methanisiert“ werden. So erreiche das Biogas einen Methan-Anteil von nahezu hundert Prozent - und kann schließlich in das flächendeckende Erdgasnetz eingebracht werden. In natürlichem Erdgas liegt der Anteil von Methan je nach Herkunft zwischen 75 und 99 Prozent.

Von der Viessmann-Gruppe war gestern auf Nachfrage der FZ keine Kommentar zu möglichen Planungen einer „Power to Gas“-Versuchsanlage auf Höhe der bestehenden Biogasanlagen zu erhalten.

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